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Autismus

An welchen Merkmalen Ärzte Autismus erkennen.

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Inhaltsverzeichnis
Ein kleiner Junge steht vor einer Wand und beobachtet seinen Schatten.

© Shutterstock

Definition: Was ist Autismus?

Autismus (der Begriff setzt sich aus den griechischen Wörtern „Autos“ = „selbst“ und „ismos“ = „Zustand“ zusammen) ist ein Sammelbegriff für verschiedene tiefgreifende Entwicklungsstörungen eines Menschen. Mittlerweile wird daher der Begriff „Autismus-Spektrum-Störungen“ verwendet.

Durch die Entwicklungsstörung haben viele Betroffene Probleme mit sozialer Interaktion, ihre Sprach- und Kommunikationsfähigkeit ist oft beeinträchtigt. So fällt es Autisten – je nach Ausprägung ihrer Erkrankung – schwer, den Gesichtsausdruck, die Körpersprache und die Tonlage eines anderen Menschen richtig einzuschätzen. Sie haben Schwierigkeiten, Gesagtes und Emotionen anderer richtig zu interpretieren, zu verstehen und auf ihre Gefühle und Handlungen angemessen zu reagieren.

Betroffene haben auch Schwierigkeiten damit, ihre eigenen Emotionen auszudrücken und mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Einige Erkrankte besitzen zudem nur eine deutlich eingeschränkte Sprachfähigkeit und können sich kaum artikulieren.

Es gibt jedoch nicht „den einen“ Autismus. Die Erkrankung zeigt sich in einer Bandbreite (Spektrum) von verschiedenen Varianten und Schweregraden, deshalb hat sich inzwischen der Fachbegriff „Autismus-Spektrum-Störungen“ (kurz ASS) etabliert. Autist ist nicht gleich Autist. Während manche Betroffene nur leichte Ausprägungen haben, eine normale bis überdurchschnittliche Intelligenz und eloquente Sprachfähigkeit besitzen, sind andere geistig behindert und nicht zu einer Sprachentwicklung fähig. „Wenn Sie eine Person mit Autismus getroffen haben, haben Sie eine Person mit Autismus getroffen“, erklärte Stephen M. Shore, ein autistischer Universitätsprofessor aus New York, einmal.

Hinweis: Einige Autisten kritisieren, dass ihre Beeinträchtigung als Krankheit bezeichnet und aufgefasst wird. Sie haben gelernt, mit dem Autismus zurechtzukommen und ein weitgehend normales Leben zu führen und wünschen sich vor allem Toleranz und Akzeptanz von ihrer Umwelt. Auch dieser Artikel möchte selbstverständlich dazu beitragen, das Verständnis für Autismus zu fördern. Alle Beschreibungen der Autismus-Spektrum-Störungen, der Symptome und Behandlung in diesem Artikel sind leitlinienkonform und dienen ausschließlich dazu, über das Thema zu informieren.

Die drei Hauptformen der Autismus-Spektrum-Störung sind:

  • Der frühkindliche Autismus
  • Der atypische Autismus
  • Das Asperger Syndrom

In Deutschland sind schätzungsweise 800.000 Erwachsene und Kinder von einer Autismus-Spektrum-Störung betroffen.

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Autismus: Merkmale

Die Symptome eines frühkindlichen Autismus treten in der Regel bereits vor dem dritten Lebensjahr auf. Die Entwicklungsstörung zeigt sich bei den meisten Betroffenen vor allem in drei Hauptmerkmalen:

  • die sozialen Fähigkeiten sind gestört
  • die Sprache und Kommunikation sind beeinträchtigt
  • das Verhalten ist stereotyp und wiederholend
     

Symptome richtig erkennen:

Geringe soziale Fähigkeiten

Viele Autisten haben Probleme mit dem Kontakt zu anderen Menschen. Oft zeigt sich das schon im Säuglingsalter, wenn das autistische Kind dem Blickkontakt zu den Eltern ausweicht, ihre Mimik, wie etwa ein Lächeln, nicht nachahmt und keine enge Bindung zu ihnen aufbaut.

Im Normalfall suchen Babys den Blickkontakt und die körperliche Nähe zu ihrer Mutter, um sich sicher und geborgen zu fühlen. Auch auf andere Reize ihrer Umwelt reagieren autistische Kinder oft nicht, sie zeigen kaum Emotionen, teilen selten Freude mit anderen, wirken teilnahmslos und abwesend. Eltern nehmen daher oft zunächst an, ihr Baby sei blind oder taub.

Viele autistische Kinder suchen wenig Kontakt zu Gleichaltrigen, sie spielen oder lesen am liebsten allein.

Auch im späten Lebensalter haben viele Autisten große Probleme damit, einen Blickkontakt zu anderen Menschen herzustellen und diesen zu halten. Körperkontakt empfinden sie oft ebenfalls unangenehm, möchten nicht angefasst werden und können darauf ängstlich oder aggressiv reagieren (es gibt allerdings auch Autisten, die Menschen, die sie gut kennen, umarmen möchten; meist geht der Kontakt jedoch von dem Autisten aus, um die körperliche Nähe selbst steuern zu können).

Bei manchen ist die Störung so stark ausgeprägt, dass sie kaum oder nicht fähig sind, Freundschaften einzugehen, andere wiederum haben damit kaum Probleme und führen auch eine Beziehung.

Autisten fällt es zudem schwer, die Gestik und Mimik von anderen Menschen zu interpretieren, ihre Gefühle richtig zu deuten und sich in sie hineinzuversetzen. Oft reagieren sie dann nicht angemessen. Ihre eigenen Gefühle können sie ebenfalls schlecht ausdrücken. Es kann vorkommen, dass sie plötzlich anfangen zu kichern oder loszulachen, obwohl es dafür keinen erkennbaren Grund gibt.

Viele Autisten zeigen kaum spontane Emotionen. Sie haben zudem oft Probleme damit, die Gesichter von Personen wiederzuerkennen. Es kann vorkommen, dass sie Nachbarn, die schon Jahre nebenan wohnen, auf der Straße nicht erkennen.

Beeinträchtigte Kommunikation und Sprache

Die Sprachentwicklung ist bei autistischen Kindern – vor allem beim frühkindlichen Autismus – oft langsamer als bei gleichaltrigen Nicht-Autisten.

Einige haben große Probleme, eine normale Sprache zu lernen und können nicht mal „Mama“ oder „Papa“ sagen. Wenn sie sprechen, können sie manchmal nur ein paar Wörter aneinanderreihen. Manche Kinder wiederholen Wörter und Sätze (Fachleute bezeichnen dies als “Echolalie“). Beispiel: Die Mutter fragt: „Hast Du Hunger“?, Das Kind sagt: „Hast Du Hunger?“ Oder sie kreieren neue Wortkompositionen (Neolosgismen).

Manche Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung haben ein reduziertes Sprachverständnis und können Begriffe nicht flexibel verwenden. Es fällt ihnen meist schwer, sprachliche Subkontexte wie Ironie, Witze oder bestimmte Redewendungen zu verstehen. Sie nehmen Gesagtes in der Regel immer sehr wortwörtlich.

Betroffene haben daher oft auch große Schwierigkeiten damit, soziale Interaktions-Regeln zu verstehen (zum Beispiel, dass man bei einem schlecht schmeckenden Essen aus Höflichkeit trotzdem sagt, dass es lecker ist). Sie sagen oft ehrlich und direkt, was sie denken, und sind erstaunt und verunsichert, wenn dies ihr Gegenüber brüskiert.

Andere Menschen empfinden diese Eigenschaft wiederum als positiv und schätzen sie sehr. Manchen autistischen Menschen gelingt es, die sozialen Interaktions-Regeln zu berücksichtigen. Es braucht aber hierfür oft viel Energie, einige berichten, dass sie sich dabei fühlen, als würden sie eine Maske tragen. Small Talk etwa ist für einen Autisten enormer Stress.

Auch die Sprachmelodie kann bei Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung wenig ausgeprägt sein. Sie verändern etwa die Tonhöhe und Lautstärke wenig und setzen beim Reden keine nonverbale Kommunikation wie etwa ein Lächeln, Augenzwinkern oder hochgezogene Augenbrauen ein, um Dinge zu betonen. Dadurch wirken sie beim Reden oft monoton.

Anders ist dies bei Menschen mit Asperger-Syndrom, ihre Sprachfähigkeit ist oft ziemlich hoch entwickelt. Allerdings können auch sie beim Reden häufig mechanisch wirken.

Stereotype und repetitive Verhaltensweisen

Ein weiteres Anzeichen für Autismus ist, dass Betroffene oft ein begrenztes Verhaltensmuster haben und sie alltägliche Handlungen starr, stereotyp und wiederholt (repetitiv) durchführen. Solche stereotypen Handlungen geben ihnen ein Sicherheitsgefühl und dienen auch der Stressbewältigung. Spontanität und Kreativität kommen bei den meisten Autisten nicht vor. 

Wenn ein autistisches Kind spielt, kann dies fantasielos wirken und immer das Gleiche sein. Es spielt meist keine persönlichen Erlebnisse nach und imitiert, anders als Gleichaltrige, nicht das Verhalten von Erwachsenen. Auch das Lernen durch Nachahmung fällt einem autistischen Kind schwer.

Autisten können sich aber mit Themen, die sie interessieren, stundenlang beschäftigen, oder sich intensiv auf spezielle Details von Dingen konzentrieren (etwa wie ein Gegenstand riecht, schmeckt oder sich anfühlt) und etwa ausgiebig den Geräuschen eines Heizkörpers lauschen oder die Struktur der Kacheln im Bad genau begutachten. Einige Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung empfinden die Fähigkeit, sich ausgiebig mit Themen beschäftigten zu können und auch die Umwelt intensiver wahrzunehmer, als sehr positive Eigenschaften.

Hohe Empfindlichkeit und Ausraster

Umweltreize können für Autisten aber auch eine starke Belastung sein. So nehmen sie Geräusche meist sehr intensiv wahr. Wenn sie etwa an einer vielbefahrenen Straße stehen oder zuhause einen dröhnenden Staubsauger hören, können sie sich die Ohren zuhalten und durch die Reizüberflutung (Overload genannt) bzw. Überforderung anfangen zu schreien.

Auch ihr Tastsinn kann Reize stärker wahrnehmen, wodurch Betroffene bestimmte Kleidungsstücke als störend („kratzig“, „rau“) auf der Haut empfinden und nicht tragen möchten. Es kann zudem vorkommen, dass sie die Konsistenz einiger Speisen unangenehm finden und daher nur ganz bestimmte Lebensmittel verzehren. Manche Betroffene essen sogar nur diese und verweigern ansonsten die Nahrungsaufnahme.

Außerdem ertragen Menschen mit Autismus-Spektrum-Störung oft keine Abweichung vom gewohnten Tagesablauf. Routine ist für sie in allen Lebensbereichen enorm wichtig. Wenn es Änderungen bei alltäglichen Abläufen oder bei Dingen in ihrer persönlichen Umgebung gibt, ist das für sie meist großer Stress und sie können sehr emotional reagieren.

Werden sie beispielsweise daran gehindert, zur gewohnten Zeit zu essen, sollen sie einen anderen Schulweg laufen oder wurden Möbel zuhause umgestellt, kann das manche Autisten vollkommen aus der Fassung bringen, sie können Angst und Panik bekommen.

Um sich zu beruhigen, führen Betroffene meist bestimmte repetitive (sich wiederholende) Handlungen durch, wie ein Hin- und Herschaukeln des Oberkörpers, im Kreis gehen oder Auf-und-ab-Springen. Experten bezeichnen dies als Stimming. Gelingt die Beruhigung nicht oder ist der Stress zu überfordernd, kann der Betroffene Schreianfälle („Meltdowns“ genannt) bekommen.

Solche Ausraster können Autisten auch haben, wenn sie eine Reizüberflutung erleben, etwa durch ein lautes Radio, eine Fahrt mit der U-Bahn oder ein ungewohntes Essen im vollen Restaurant. Oder manchmal auch aus Frust, wenn sie ein „Nein“ hören oder etwas tun sollen, was sie nicht wollen. Die Betroffenen schreien laut, können Gegenstände werfen, mit dem Kopf an die Wand schlagen oder sich beißen, um die anderen, überwältigenden Reize zu überdecken. 

Weitere Störungen, die auftreten können

Häufig treten bei Autisten noch weitere psychische Störungen auf, zum Beispiel Angststörungen (auch Phobien), Depressionen, eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS), Zwangsstörungen, Tic-Störung, Schlafprobleme, Essstörungen, fremd- und selbstverletzendes Verhalten.

Diese können die autistischen Symptome noch verstärken. Manchmal überdecken die Begleiterkrankungen auch eine vorhandene Autismus-Spektrum-Störung, dann wird der Betroffene etwa wegen einer Angststörung therapiert, aber der Autismus, der dieser zugrunde liegt, wird nicht erkannt. Bei der Diagnose muss der Arzt daher unbedingt überprüfen, welche Erkrankungen insgesamt vorliegen, um den Patienten richtig behandeln zu können.

Autistische Züge

Wenn Menschen Verhaltensweise haben, die bei Autisten vorkommen können, wie beispielsweise deutliche Schwierigkeiten in der Kommunikation mit anderen oder eine Neigung zur Introvertiertheit, die Symptome aber so schwach vorhanden sind, dass sie die Diagnosekriterien nicht erfüllen und den Betroffenen nicht in seinem Alltag beeinträchtigen, spricht man im Volksmund von „autistische Zügen“. Der Begriff „autistische Züge“ beschreibt die Randzone des Autismus, er ist aber keine Diagnose.

Die Unterscheidungskriterien zwischen autistischen Zügen und einer Entwicklungsstörung sind allerdings schwammig. Während der eine Psychologe lediglich autistische Züge bei einer Person feststellt, deutet ein anderer diese vielleicht als Asperger-Syndrom.

Inselbegabung

Manche Autisten (meist sind es Menschen mit Asperger-Syndrom) leiden zusätzlich unter dem Savant-Syndrom. Das heißt, sie haben in einem speziellen Bereich ein außergewöhnliches Talent: eine sogenannte Inselbegabung. Der Film „Rainman“ (USA, 1988) etwa zeigt einen Autisten mit solch einer Inselbegabung.

Savants haben zum Beispiel ein fotografisches Gedächtnis, können eine Fremdsprache in nur einer Woche lernen, brauchen ein klassisches Musikstück nur einmal zu hören und können es danach perfekt spielen, sind Rechengenies oder sogenannte „Kalenderrechner“, die zu jedem Datum den genauen Wochentag sagen können. Die Betroffenen investieren viel Energie und Zeit in diesen speziellen Talentbereich und können lange Vorträge darüber halten. Für andere Themen interessieren sie sich hingegen meist weniger. 

Die Betroffenen besitzen in diesem bestimmten Bereich einen überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten, ansonsten kann ihr IQ jedoch niedrig (unter dem Wert von 70) sein. Es kann aber auch vorkommen, dass der Autist generell einen normalen oder überdurchschnittlichen Intelligenzquotienten hat. Forscher wissen bis heute nicht, durch welche Ursachen das Savant-Syndrom entsteht und wie sich diese außergewöhnlichen Fähigkeiten entwickeln.

Autismus: Formen

Fachleute unterscheiden drei Arten von Autismus-Spektrum-Störungen:

  • Der frühkindliche Autismus
  • Der atypische Autismus
  • Das Asperger Syndrom

Frühkindlicher Autismus

Die Merkmale des frühkindlichen Autismus (auch Kanner-Syndrom genannt) zeigen sich bereits vor dem dritten Lebensjahr: das autistische Baby versteht keine Gestik, Mimik und Worte der Eltern. Dem Blickkontakt von anderen Menschen weicht es aus, lächelt nicht, wenn es angelächelt wird, streckt nicht die Arme aus, um hochgenommen zu werden und reagiert nicht auf seinen Namen.

Das Kleinkind bringt den Eltern oder anderen Erwachsenen keine Gegenstände, um sie zu zeigen, ahmt das Verhalten anderer nicht nach, es zeigt kein Interesse an anderen Kindern und spielt meist alleine.

Es spielt keine „So-tun-als-ob“-Spiele wie die Puppe füttern, sondern benutzt das Spielzeug meist immer in der gleichen, stereotypen Weise und dreht beispielsweise immer wieder am Rad eines Spielzeugautos. Für einzelne Gegenstände im Haus wie den Lichtschalter kann es sich intensiv interessieren und diesen zigmal ein- und ausschalten oder lange den Abfluss beobachten. 

Das autistische Kind braucht unbedingt eine gewohnte Alltagsroutine, Mahlzeiten, ins Bett gehen oder das Haus verlassen sollten daher möglichst immer zur selben Zeit erfolgen, sonst ist es verunsichert, aufgebracht und kann einen Schreianfall bekommen.

Die intellektuelle Fähigkeit autistischer Kinder ist unterschiedlich, während manche eine durchschnittliche Intelligenz besitzen, sind andere geistig behindert. Allerdings kommt bei etwa 70 Prozent der Kinder mit frühkindlichem Autismus eine Intelligenzminderung (IQ unter 70) vor..

High-Functioning Autismus

Den Begriff „High-Functioning Autismus” (kurz HFA) etablierten Forscher in den 1980er Jahren, er ist jedoch keine offizielle Diagnose. Mit dem Begriff bezeichneten sie frühkindliche Autisten, die zwar eine verzögerte Sprachentwicklung haben, aber eine normale bis überdurchschnittliche Intelligenz besitzen.

Betroffene können im Erwachsenenalter meist selbstständig leben. Lediglich die langsamere Sprachentwicklung unterscheidet sie von Menschen mit Asperger-Syndrom.

Die Bezeichnung „High-Functioning“ ist nicht gleichzusetzen mit „Insel-Begabung“.

Atypischer Autismus

Ein atypischer Autismus liegt vor, wenn die Symptome des frühkindlichen Autismus erst im oder nach dem dritten Lebensjahr auftreten oder wenn bei dem Betroffenen nicht alle drei Hauptmerkmale von Autismus (eine gestörte soziale Interaktion, eine beeinträchtigte Sprache und Kommunikation sowie ein stereotypes Verhaltensweisen) vorkommen und er etwa nur in zwei der drei Bereiche Schwierigkeiten hat.

Asperger Autismus

Das Asperger Syndrom tritt erst nach dem dritten Lebensjahr auf, Betroffene haben zwar ebenfalls Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Personen, aber sie haben eine normale bis überdurchschnittliche Intelligenz und ihre Sprachentwicklung ist in der Regel normal.

Sie haben meist einen großen Wortschatz, können sich grammatikalisch korrekt und komplex ausdrücken. Meist haben auch sie Probleme mit dem sozialen Kontext von Sprache, denn sie nehmen Gesagtes wortwörtlich, verstehen Witz, Ironie und Sarkasmus oft nicht.

Autismus: Diagnose

Die Diagnostik einer Autismus-Spektrum-Störung ist ziemlich umfangreich, zeitaufwändig und umfasst zahlreiche Untersuchungen. Es kann daher empfehlenswert sein, die Diagnostik in der Ambulanz für Autismus-Spektrum-Störungen einer Klinik durchführen zu lassen, da die dortigen Mitarbeiter darauf spezialisiert sind.

Gespräch und körperliche Untersuchung bei Kindern

Zunächst erkundigt sich der Arzt nach der Krankheitsgeschichte (Anamnese) und fragt die Eltern nach den einzelnen Symptomen, die das Kind hat. Anschließend überprüft der Mediziner, ob eine körperliche Ursache der Grund für die Symptome ist. So kann bei dem kleinen Patienten auch eine Hör- oder Sehbehinderung, Epilepsie, das Heller-Syndrom, das Rett-Syndrom, eine Zwangsstörung oder ADHS die Ursache für sein auffälliges Verhalten sein.

Mit verschiedenen Untersuchungsmethoden (etwa Hör- und Sehprüfungen, Laboranalyse, bildgebenden Verfahren, neurologischen Untersuchungen und EEG, um die Hirnströme zu messen) kann der Arzt überprüfen, ob solch eine andere körperliche Erkrankung vorliegt bzw. diese gegebenenfalls ausschließen, Mediziner nennen dies Differentialdiagnostik.

Wird keine körperliche Ursache gefunden, erfolgt die weitere Diagnosestellung meist durch einen Kinder- und Jugendpsychiater.

Screening-Tests, die der Arzt durchführt

Um Autismus bei Kindern oder Erwachsenen zu diagnostizieren, kann der Psychiater verschiedene Screening-Tests durchführen. Das sind wissenschaftlich erarbeitete Fragebögen, die helfen, die Symptome und deren Schweregrad abzuklären und Hinweise darauf geben, ob eine Autismus-Spektrum-Störung vorliegen könnte. Hierzu gehören die „Diagnostische Beobachtungsskala für Autistische Störungen“ (ADOS) und das „Diagnostische Interview für Autismus“ (ADI-R).

Der Schweregrad lässt sich mit Hilfe des Autismus-Spektum-Quotienten (AQ) einschätzen. Bei diesem Test, den der Psychologe Simon Baron-Cohen vom Cambridge Autism Research Centre der Universität Cambridge entwickelt hat, stellt der Experte dem Patienten 50 Fragen zu den vorhandenen Symptomen.

Für die Diagnose „Autismus-Spektrum-Störung“ muss eine bestimmte Anzahl von Merkmalen aus verschiedenen Bereichen vorhanden sein und diese müssen den Betroffenen in seinem Alltag deutlich beeinträchtigen.

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Selbst-Tests

Darüber hinaus gibt es einige Tests, die Eltern selbst durchführen können, um erste Hinweise auf eine eventuell vorhandene Autismus-Spektrum-Störung bei ihrem Kind zu erkennen.

Für Kleinkinder im Alter von 18 Monaten bis drei Jahren gibt es beispielsweise den M-CHAT (Modified Checklist for Autism in Toddlers). Unabhängig davon, wie solch ein Test ausfällt, sollten Eltern mit ihrem Nachwuchs allerdings auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, wenn das Kind typische autistische Anzeichen hat, um diese von einem Fachmann abklären zu lassen.

Intelligenztest

Insbesondere der frühkindliche Autismus ist in 70 Prozent aller Fälle mit einer geistigen Behinderung verbunden. Vermutet der Arzt eine Autismus-Spektrum-Störung, wird meist der Intelligenzquotient des Patienten ermittelt. Zu den gebräuchlichen Tests gehören der Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Kinder (HAWIK) und das Adaptive Intelligenz Diagnostikum (AID).

Diagnostik bei Erwachsenen

Bei Erwachsenen ist die Diagnosestellung deutlich schwieriger als bei Kindern. Das liegt zum einen daran, dass sich typische autistische Symptome während der Entwicklungsphase vom Kind zum Erwachsenen verändern und manchmal nicht mehr so eindeutig feststellbar sind.

Erwachsene Autisten können sich auch oft nicht mehr daran erinnern, ob sie sich schon immer, sprich seit frühester Kindheit, so verhalten haben. Viele Betroffene neigen außerdem dazu, sich mit Hilfe von verschiedenen Bewältigungsstrategien im Alltag so normal wie möglich zu verhalten, um nicht aufzufallen.

Für die genaue Diagnosestellung ist es entscheidend, ob die Symptome bereits in frühester Kindheit aufgetreten sind oder erst später. Daher ist es hilfreich, wenn auch die Eltern und/oder Geschwister des Betroffenen bei den Untersuchungsterminen dabei sind, um Auskunft über ein besonderes Verhalten des Betroffenen in der Kindheit zu geben.

Als standardisierter Fragebogen für die Diagnose kommt zum Beispiel das ADOS (Diagnostische Beobachtungsskala für Autistische Störungen) Modul 4 oder das „Adult Asperger Assessment“ (AAA) zum Einsatz, das speziell für die Diagnose des Asperger-Syndroms im Erwachsenenalter entwickelt wurde. Einige Ärzte führen außerdem einen Intelligenztest durch, hierbei kommt etwa der Intelligenz-Struktur-Test (IST) zum Einsatz.

Autismus-Spektrum-Störungen bei Frauen

Bei Frauen und Mädchen wird Autismus oft nicht erkannt. Das liegt hauptsächlich daran, dass sich die Diagnosekriterien auf das männliche Geschlecht beziehen. Bei Mädchen und Frauen zeigt sich die Autismus-Spektrum-Störung (vor allem das Asperger-Syndrom und der High-Functioning Autismus) jedoch ein bisschen anders, die Symptome sind oft weniger stark ausgeprägt und zeigen sich subtiler.

So sind autistische Mädchen meist ruhiger, neigen zum passiven Verhalten und zum Rückzug, sie sind weniger aggressiv und stören seltener den Schulunterricht. Sie gelten häufig als „seltsam“, aber nicht als verhaltensauffällig.

Hinzu kommt, dass autistische Mädchen mitunter ihre Schwierigkeiten besser tarnen können und einiges dafür tun, um nicht aufzufallen. So beobachten sie etwa andere aufmerksam und versuchen deren Mimik, Gestik und Verhaltensweisen zu kopieren oder sie lernen Handlungsabläufe auswendig, die ihnen im sozialen Kontakt sonst schwerfallen. Das kostet sie viel Anstrengung und Energie und trägt dazu bei, dass sie glauben, so wie sie sind, nicht akzeptiert zu werden. 

Aus all diesen Gründen werden autistische Mädchen oft nicht einem Arzt vorgestellt, nicht behandelt und elementare Fördermaßnahmen finden daher nicht statt.

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Autismus: Therapie

Es gibt bis heute keine Behandlung, die Autismus heilen kann. Das Ziel der Therapie ist es, die Symptome zu lindern und die sprachlichen, kommunikativen Fähigkeiten des Autisten zu verbessern, seine soziale Kompetenz und auch seine Selbstständigkeit zu stärken.

Zudem ist jeder Autismus individuell, es gibt leichte und sehr schwere Ausprägungen, daher muss auch die entsprechende Behandlung speziell auf die Bedürfnisse des einzelnen Patienten ausgelegt sein. Die Therapie kann nur einzelne Symptome behandeln oder einen ganzheitlichen Ansatz haben.

Die Verhaltenstherapie ist die bislang bewährteste Behandlungsmethode bei Autismus. Hier geht es darum, die vorhandenen Fähigkeiten des Kindes durch zahlreiche Übungen zu fördern und neue zu entwickeln. Das autistische Kind macht Alltags- und Sprachübungen und kann seine Fähigkeit zur sozialen Interaktion beispielsweise in Rollenspielen trainieren.

Es ist wichtig, dass die Behandlung frühzeitig beginnt, insbesondere das Sprachtraining verläuft in der Regel einfacher und erfolgreicher, wenn das autistische Kind noch sehr jung ist.

Die TEACHH-Methode

Es gibt verschiedene Varianten der Behandlung, eine sehr bewährte ist die TEACCH-Methode („Treatment and Education of Autistic and related Communication handicapped Children“, auf deutsch: „Behandlung und pädagogische Förderung autistischer und in ähnlicher Weise kommunikationsbehinderter Kinder“). Sie ist für Kinder und Erwachsene geeignet.

Das Grundprinzip ist hierbei der strukturierte Unterricht, das bedeutet zum einen, dass der zeitliche Ablauf des Unterrichts und der Aufgaben genau geregelt ist (etwa durch einen Klingelton, Anfangs- und Endroutine) und auch der Unterrichtsraum klar eingeteilt ist (etwa in einen Lern- und einen Ruhebereich, was durch Raumteiler, farbliche Markierungen auf dem Boden, Platzieren von Gegenständen an bestimmten Plätzen verdeutlicht wird).

Dies fördert das dringend benötigte Sicherheitsgefühl bei dem autistischen Kind und begünstigt so eine entspannte Atmosphäre beim Lernen. Da Autisten räumlich-visuelle Informationen besser verarbeiten können, wird der Lernstoff hauptsächlich über Bildkarten vermittelt.

Die Angewandte Verhaltensanaylse (ABA)

Eine andere Methode ist die „Angewandte Verhaltensanaylse“ (englisch: Applied Behaviour Analysis, kurz ABA). Das Prinzip dieser Therapie ist: Erwünschtes Verhalten wird belohnt, unerwünschtes wird ignoriert. Dadurch soll das autistische Kind lernen, konstruktive Fähigkeiten zu stärken und auszubauen und störendes Verhalten schrittweise abzulegen. Eine klassische Konditionierung.

Zu Beginn der ABA-Behandlung stellt der Therapeut zunächst fest, welche Fähigkeiten ein Kind bereits hat und welche es verbessern bzw. erlernen sollte. Dann wird ein spezielles Programm festgelegt, das dem Kind helfen soll, sich die fehlenden Fähigkeiten anzueignen. Beispielsweise soll es lernen, Wörter richtig zuzuordnen und auszusprechen, „Müslischale“, „Zahnpasta“, „Turnschuhe“, oder Zahlen zu erkennen.

Klappt es, gibt es eine Belohnung etwa in Form einer Süßigkeit oder Spielzeug. Die Therapie braucht Zeit, bei manchen Betroffenen dauert es ein paar Wochen, bis sie etwa besser sprechen können, bei anderen Jahre. Auch Übungen für alltägliche Dinge wie „in die Hocke gehen“ oder „telefonieren können“ stehen auf dem Trainingsplan.

Reagiert das Kind unangemessen, bekommt es einen Wutanfall und fängt an zu schreien, ignoriert der Therapeut dies konsequent und die Belohnung bleibt entsprechend aus.

Die ABA ist allerdings umstritten. Manche Experten bezeichnen das Verhaltenstraining als eine Art Hunde-Dressur, die bezweckt, dass der Autist nach bestimmten Regeln funktioniert und ihm die Würde genommen wird. Sie kritisieren, dass einem Autisten dadurch Verhaltensweisen, die ihm widerstreben wie Berührungen oder direkte Blickkontakte aufgezwungen werden.

Andere Verhaltensweisen, wie beispielsweise das monotone Wippen (sogenanntes Stimming), das Autisten dringend benötigen, um mit Stress besser umgehen zu können, werden Betroffenen ausgetrieben. Es werden nur die Wesenszüge bei einem Autisten gefördert, die der gesellschaftlichen Norm entsprechen, und andere abgelehnt, so der Vorwurf.

Es ist wichtig, die ABA als liebe- und respektvolle, konsequente Erziehung durchzuführen. Wenn dies gelingt, kann sie dazu beitragen, dass das autistische Kind in seinem Leben besser zurechtkommt.

Weitere Therapiemöglichkeiten

Zur Behandlung einer Autismus-Spektrum-Störung können auch andere Kommunikationstrainings, Frühförderung, Logopädie, Ergo- und Physiotherapie, Musiktherapie sowie ein Elterntraining (etwa das „NAS Early Bird-Programm“ der National Autistic Society) zum Einsatz kommen.

Medikamente

Bei einer Autismus-Spektrum-Störung entwickeln sich oft weitere Erkrankungen, etwa eine Depression oder Angststörung. Diese können mit Hilfe von Medikamenten wie Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) behandelt werden.

Autismus: Ursachen

Die Entstehung einer Autismus-Spektrum-Störung hat verschiedene Ursachen. Hierzu zählen:

Genetische Ursachen

Erbliche Faktoren gelten als eine Hauptursache für die Entstehung von autistischen Störungen. Ist ein Elternteil davon betroffen, ist das Risiko, dass die Entwicklungsstörung an das Kind vererbt wird, deutlich erhöht.

Studien zeigen, dass eineiige Zwillinge in 90 Prozent der Fälle beide an Autismus erkranken, bei zweieiigen Zwillingen sind hingegen nur bei 23 Prozent der Geschwister ebenfalls von Autismus betroffen. Experten vermuten, dass es ein komplexes Zusammenspiel von verschiedenen Genen ist, die die Entwicklungsstörung verursachen.

Es gibt eine Vielzahl an genetischen Varianten, die das Risiko erhöhen, an einer Autismus-Spektrum-Störung zu erkranken. In einer großen Studie des Autism Sequencing Consortiums stellten Forscher (unter der Leitung des Neurowissenschaftlers Joseph Buxbaum vom Mount Sinai Hospital New York) 2014 fest, dass es 33 Risikogene und 74 weitere, vermutete Risikogene für die Entstehung einer Autismus-Spektrum-Störung gibt.

Gehirnentwicklung

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gehirnentwicklung bei Autisten bereits im Mutterleib anders verläuft als bei gesunden Kindern. So konnte mit Hilfe von bildgebenden Verfahren festgestellt werden, dass bei Autisten in einigen Gehirnbereichen veränderte Strukturen und Funktionen vorhanden sind, vor allem in den Schläfenlappen, also Hirnarealen, die u.a. für das Riechen, Hören, Sprechen und visuelles Erkennen zuständig sind.

Aber auch in den Frontallappen, die u.a. für die Steuerung von Bewegung, aber auch für kognitive Aufgaben wie die Regulierung von Emotionen und für Humor verantwortlich sind.

Gestörte Hirnchemie

Einige Untersuchungen stellten bei Autisten eine Störung des Stoffwechsels im Gehirn fest und einen erhöhten Spiegel von Dopamin und anderen Neurotransmittern. 

Mythos: Autismus durch Impfung

Es gibt die These, dass Autismus durch eine Impfung gegen Masern, Mumps oder Röteln (MMR-Impfung) verursacht werden kann. Diese Behauptung ist bereits durch mehrere Studien wissenschaftlich eindeutig widerlegt worden. Eine der aktuellsten Untersuchungen hierzu ist die Kohortenstudie des Statens Serum Institut in Kopenhagen, bei der Forscher die Daten von 657.461 Kindern, die im Zeitraum 1999 bis 2010 geboren wurden, ausgewertet haben.

In Dänemark erhalten alle Einwohner bei der Geburt eine Identifikationsnummer, die in verschiedenen Registern verwendet wird. Außerdem gibt es ein Impfregister, in dem u.a. alle MMR-Impfungen verzeichnet werden. In den Jahren 2000 bis 2013 wurde bei 6.517 dänischen Kindern eine Autismus-Spektrum-Störung diagnostiziert, die Entwicklungsstörung trat bei den Kindern, die einen MMR-Impfstoff erhalten hatten, nicht häufiger auf als bei den 31.619 Kindern, die nicht geimpft waren. Die Forscher stellten sogar fest, dass die geimpften Personen etwas seltener von Autismus betroffen waren.

Den Mythos, dass Impfstoffe Autismus auslösen können, hat der englische Arzt Andrew Wakefield begründet. Er hatte diesen Zusammenhang in einer sehr kleinen Studie mit zwölf autistischen Kindern untersucht und die Hypothese aufgestellt, dass die Impfung das Eindringen von neurotoxischen Substanzen in den Körper ermögliche und somit die Entstehung von Autismus begünstige.

Diese Annahme veröffentlichte er zusammen mit anderen Autoren 1998 in einem Artikel, der in der Fachzeitschrift „The Lancet“ erschien. 2004 wurde bekannt, dass Wakefield von Anwälten, die Eltern autistischer Kinder vertraten und nach einer vermeintlichen Verbindung  zwischen Impfstoff und Autismus gesucht hatten, eine hohe Geldsumme für die Durchführung seiner Studie erhalten hatte, um einen Impfstoffhersteller verklagen zu können.

Daraufhin zog die Zeitschrift den Artikel zurück und die britische Ärztekammer entschied 2010, dass Wakefield „unethische Forschungsgelder“ angenommen hatte und erteilte ihm ein Berufsverbot. 

Dennoch hält sich das Gerücht weiterhin und hat bereits zahlreiche Eltern dazu verleitet, ihr Kind nicht impfen zu lassen.

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Leben mit Autismus

Das Leben eines Autisten ist vom Schweregrade seiner Entwicklungsstörung, von seiner Sprachfähigkeit und Intelligenz sowie von seinen Begleiterkrankungen sehr stark abhängig. Eine entscheidende Rolle für den Verlauf spielt auch, dass die Entwicklungsstörung frühzeitig erkannt und richtig behandelt und der Betroffene entsprechend gefördert wird.

Sind die autistischen Symptome bei einem Betroffenen nur schwach ausgeprägt und seine Sprache und Intelligenz normal entwickelt, ist es Autisten meist möglich, eine normale Kita und Schule zu besuchen. In schwereren Fällen erfolgt der Unterricht in einer Förderschule.

Ob ein Mensch, der an einer Autismus-Spektrum-Störung leidet, einen Beruf ausüben kann, hängt ebenfalls von seinem Entwicklungsgrad ab. Manche Betroffene können studieren und einen regulären Job ausüben. Menschen, die eine Inselbegabung haben, sind für einige Berufsfelder, etwa den Computerbereich, besonders gut geeignet. Manche Autisten entwickeln sich gar zu hervorragenden Informatikern und Programmierern.

Andere Betroffene, die stärker beeinträchtigter sind, arbeiten in einer Behindertenwerkstatt. Für das Selbstwertgefühl jedes Menschen ist es auf jeden Fall wichtig, eine regelmäßige Arbeit (und Aufgabe), die seinen Fähigkeiten entspricht, auszuüben.

Auch bei der Gestaltung des Privatlebens gibt es Unterschiede, während manche Autisten viele Dinge im Alltag alleine durchführen können, verheiratet sind und eine Familie gründen, sind andere so stark eingeschränkt, dass sie ihr Leben lang im Elternhaus oder in einer betreuten Wohngruppe leben.

Die Probleme, die Autisten im sozialen Bereich haben, erschweren häufig ihren beruflichen und privaten Alltag. Sie haben häufig Schwierigkeiten, komplexere Gespräche zu führen, weil sie nonverbale Kommunikation, Witze und Ironie nicht verstehen und Gesagtes wortwörtlich nehmen.

Die Autismus-Bewegung fordert, dass die Gesellschaft die Neurodiversität der Menschen anerkennt, sprich, dass untypische neurobiologische Entwicklungen als natürliche individuelle Unterschiede angesehen werden und nicht als pathologische Symptome.

Einige Betroffene wie die Künstlerin Donna Williams und die US-amerikanische Erziehungswissenschaftlerin Liane Holliday Willey haben die Bezeichnungen „Auties“ (für Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen) und „Aspies“ (für Menschen mit Asperger-Syndrom) eingeführt, um zu verdeutlichen, dass der Autismus ein Teil ihrer Persönlichkeit ist. Viele Selbsthilfeorganisation verwenden diese Begriffe mittlerweile.

Quellen
  • S3-Leitlinie: Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend-und Erwachsenenalter Teil 1: Diagnostik (Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP)) et al.; Stand: 23.02.2016
  • S3-Leitlinie: Autismus-Spektrum-Störungen im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter Teil 2: Therapie (Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP)) et al.; Stand: 4.05.2021
  • Online-Informationen Berufsverbände und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org; Abruf: 15.02.2022
  • Online-Informationen DocCheck: https://flexikon.doccheck.com; Abruf: 15.02.2022
  • Online-Informationen Universitätsklinikum Frankfurt: www.kgu.de; Abruf: 15.02.2022
  • Online-Informationen Autismus Deutschland e.V. Bundesverband zur Förderung von Menschen mit Autismus: www.autismus.de; Abruf: 15.02.2022
  • Online-Informationen Robert Koch-Institut (RKI): www.rki.de; Abruf: 15.02.2022
  • Online-Informationen Bundesverband Aspies e.V.: www.aspies.de; Abruf: 15.02.2022

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Dr. Andrea Bannert

Redaktionsleitung DIGITAL FOCUS-Gesundheit

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