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Östrogenmangel

Östrogenmangel kann das Wohlbefinden vielfältig einschränken. Erfahren Sie, wie Sie den Mangel des wichtigsten weiblichen Geschlechtshormons bemerken, ob und wie er sich therapieren lässt.

Geprüft von Werner Siefer, Biologe

Veröffentlicht:
Aktualisiert: 2023-08-16T00:00:00+02:00 2023-08-16T00:00:00+02:00

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Inhaltsverzeichnis
Frau leidet an Schweißausbrüchen

© Shutterstock

Östrogenmangel bedeutet, dass der Spiegel des wichtigsten weiblichen Geschlechtshormons im Körper auf ein zu niedriges Niveau abgefallen ist. Genau genommen handelt es sich bei Östrogen nicht um ein spezielles Hormon, sondern um den Überbegriff für verschiedene Hormone, vor allem Östriol, Östradiol und Östron. Sie steuern die Fortpflanzungsvorgänge im Körper der Frau und sind wichtig für die Entwicklung des weiblichen Organismus. Entsprechend vielfältige und meist unangenehme Konsequenzen kann ein Östrogenmangel nach sich ziehen.

Östrogenmangel: Symptome

Häufig ist Östrogenmangel ein Anzeichen für die Wechseljahre, also der Zeitraum, in dem sich der Hormonhaushalt der Frau nochmals umstellt, die Frau ihre letzte Periode bekommt und unfruchtbar wird. In den Wechseljahren sind folgende physische und psychische Symptome typisch für einen Östrogenmangel:

  • Hitzewallungen
  • depressive Verstimmungen
  • Abgeschlagenheit
  • nächtliche Schweißausbrüche
  • Libidoverlust
  • trockene Scheidenschleimhäute (Scheidentrockenheit)

Doch nicht nur Frauen ab 40 und älter sind betroffen, auch bei jungen Frauen können die Spiegel der weiblichen Hormone sinken. Je nachdem, wie früh der Mangel eintritt, kann er die geschlechtliche Entwicklung beeinträchtigen. Oft zeigt sich ein Östrogenmangel in Zyklusstörungen (Ausbleiben der Periode oder Zwischenblutungen) oder gar in Unfruchtbarkeit. Denn Östrogen ist wichtig für eine Schwangerschaft.

Haarausfall, Gewichtszunahme und andere Symptome eines Östrogenmangels

Häufige Symptome eines Östrogenmangels können sein:

  • Gewichtszunahme: Das weibliche Sexualhormon beeinflusst einer US-Studie zufolge zwei Hirnzentren im Hypothalamus, einer wichtigen „Schaltzentrale“, die den Energieumsatz und Hunger regulieren. Zudem verändert sich bei Frauen in den Wechseljahren aufgrund der Hormonumstellung manchmal die Figur: der Bauch wird dicker, die Rundungen an Po und Beinen gehen verloren, da bei einem Östrogenmangel die männlichen Sexualhormone überwiegen.
  • Haarausfall: Das Geschlechtshormon der Frau stimuliert die Haarwurzeln. Deswegen haben ältere Frauen oft dünneres Haar, während Schwangere, bei denen die Östrogenproduktion erhöht ist, eine kräftigere Mähne haben als sonst.
  • Unreine Haut: Einige Frauen kennen das Phänomen von ihrer Periode – vor der Blutung sprießen die Pickel, danach wird die Haut wieder rein(er). Das liegt daran, dass Östrogen die Talgproduktion reguliert. Je weniger Östrogen, desto mehr übernimmt das männliche Geschlechtshormon Testosteron das Regiment, das die Talgproduktion ankurbelt. Dies ist bei Östrogenmangel dauerhaft der Fall.

Auch der Mann ist nicht ganz vor Östrogenmangel gefeit, obwohl dieser praktisch nie isoliert vorkommt. Er entsteht beispielsweise, wenn der Testosteronspiegel im Alter stark abfällt. Grund dafür ist, dass der männliche Körper Östrogen, ähnlich wie bei Frauen, aus Testosteron herstellt. Dieses männliche Sexualhormon (Androgen) wird jedoch mit dem Alter immer weniger in den Hoden produziert, was einen Östrogenmangel zur Folge haben kann. Symptome beziehungsweise Folgen können sein, dass das Gewicht steigt und die sexuelle Lust sinkt.

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Was tun? Östrogenmangel beheben

Wie Ärzte einen Östrogenmangel behandeln, hängt davon ab, was diesen verursacht hat. In den Wechseljahren kann eine sogenannte Hormonersatztherapie (HET oder HRT), bei der die Frau Hormone zuführt, um den Mangel auszugleichen, in Betracht kommen. Es gibt solche Ersatzhormone in Form von Pflastern, Zäpfchen, Salben oder Tabletten. Allerdings sollte eine Hormonbehandlung nie leichtfertig erfolgen, denn die möglichen Risiken (z. B. erhöhtes Risiko für Thrombosen, Herzkreislauferkrankungen und Brustkrebs – bei Behandlung über mehr als fünf Jahre) sind hoch.

Pflanzliche Mittel: Östrogenmangel natürlich beheben

Deshalb kann es sich lohnen, in Absprache mit dem Arzt zu versuchen, den Östrogenmangel natürlich zu behandeln. Als pflanzliche Mittel kommen beispielsweise oft zum Einsatz:

  • Mönchspfeffer gegen Östrogenmangel: soll das hormonelle Gleichgewicht wiederherstellen können und bei Brustspannen, Wassereinlagerungen und Verstimmungen helfen.
  • Traubensilberkerze: führt dem Körper unter anderem pflanzliches Östrogen (Phytoöstrogen) zu, das ähnlich wie das menschliche Östrogen wirkt und vor allem Hitzewallungen lindern kann. Es soll zudem den Schlaf fördern und Depressionen mindern.
  • Johanniskraut: verändert nichts an der Östrogenkonzentration, kann sich aber positiv bei depressiven Verstimmungen auswirken. Achtung: es schränkt eventuell die Wirkung der Anti-Baby-Pille ein.

Östrogenmangel und Lebensstil

Darüber hinaus lässt sich mit dem Lebensstil einiges für mehr Wohlgefühl bei Östrogenmangel tun. Die Ernährung spielt zum Beispiel eine große Rolle. Pflanzliche Östrogene, wie sie beispielsweise auch in Sojaprodukten stecken, können helfen, Hitzewallungen in den Wechseljahren zu reduzieren. Diese sekundären Pflanzenstoffe ähneln in ihrer chemischen Struktur und Wirkungsweise dem menschlichen Östrogen und können daher den Hormonstoffwechsel beeinflussen. Allerdings gibt es bislang nur begrenzte Daten zur Wirksamkeit und keine zur Sicherheit von Phytoöstrogenen.

Mit Nahrungsmitteln, die reich an Kalzium und Vitamin D sind, sowie körperlicher Aktivität lässt sich Osteoporose (Knochenschwund) entgegenwirken, die langfristig durch einen Östrogenmangel entstehen kann.

Östrogenmagel: Ursachen

Östrogenmangel ist nicht gleich Östrogenmangel. In den Wechseljahren ist er normalerweise auf einen natürlichen Alterungsprozess zurückzuführen, innerhalb dessen die Eierstöcke zunehmend ihre „Arbeit“ einstellen und immer weniger Hormone produzieren.

In jungen oder jüngeren Jahren kann ein Östrogenmangel durch die Pille oder generell durch hormonelle Verhütungsmittel entstehen. Denn die synthetischen Östrogene in diesen unterdrücken das körpereigene Östrogen, können es aber manchmal nicht komplett ersetzen.

Weitere Ursachen für einen Östrogenmangel können sein:

  • Fehlentwicklung oder Fehlfunktion der Eierstöcke
  • Schwäche der Nebenniere, die eine Vorstufe des Östrogens produziert
  • operative Entfernung der Eierstöcke, z. B. aufgrund von Krebs
  • Gelbkörperschwäche
  • Pubertas tarda: Hier verzögert sich durch den Östrogenmangel die sexuelle Reife, oft wird dieser Östrogenmangel mit verursacht von Mangel-/Unterernährung, exzessivem Sport/Hochleistungssport oder einer Fehlfunktion der Hormondrüsen.

Wechseljahre: Sheila de Liz über vermeidbares Leid, Hormontherapie und Sex ab Mitte 40 (Podcast #40)

Zu Gast im Podcast:

Dr. Sheila de Liz, Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und Buchautorin
Mehr zur Folge

Die Wechseljahre beginnen früher als man denkt. Schon mit Ende 30 können sich die ersten Vorboten in Form von Schlafstörungen oder innerer Unruhe bemerkbar machen. Viele Frauen leiden stillschweigend und nehmen die Beschwerden einfach hin. Das müssen und sollten sie nicht, ist die Gynäkologin und Bestseller-Autorin Dr. Sheila de Liz überzeugt.

Sie erklärt in dieser Folge von Auf Herz und Nieren, wie moderne Hormontherapien gegen Verstimmungen, Schlafstörungen oder Hitzewallungen wirken und für wen sie in Frage kommen. Außerdem verrät sie, warum Sex ab Mitte 40 besser wird und wie Frauen mit zunehmendem Alter fokussierter und stärker werden.

Östrogenmangel und Kinderwunsch

Ein Östrogenmangel kann dazu führen, dass kein Eisprung stattfindet, die Eizellen nicht ausreichend heranreifen und/oder der Gebärmutterhals zu wenig oder gar keinen Schleim produziert, sodass die Spermien nicht ausreichend beweglich sind, um bis zum Ei vorzudringen. All das ist aber notwendig für eine Schwangerschaft. Unbehandelt wird der Kinderwunsch bei Östrogenmangel also sehr wahrscheinlich unerfüllt bleiben.

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Östrogenmangel feststellen: Wie viel ist genug?

Ob genügend Östrogen im Körper zirkuliert, lässt sich nur anhand einer Blutuntersuchung genau feststellen. Sprechen Sie daher mit Ihrem Frauenarzt, wenn Sie Anzeichen eines Östrogenmangels bemerken. Dieser klärt die Beschwerden im Rahmen der Untersuchung ab und veranlasst bei Verdacht eine Hormonanalyse, für die er eine Blutprobe abnimmt. Mit ihr lässt sich bestimmen, wie viel Östrogen sich durchschnittlich im Blut befindet. Dabei ist darauf zu achten, dass der Östrogenspiegel zyklusabhängig ist und von Frau zu Frau schwankt.

Für die verschiedenen Östrogene gelten entsprechende Richtwerte. Zu Beginn des Zyklus einer geschlechtsreifen Frauen enthält beispielsweise ein Milliliter (ml) Blut im Schnitt 50 Piko-Gramm (pg) Östradiol. Ein Piko-Gramm entspricht dabei einem Billionstel-Gramm. Liegt der Gehalt an Östradiol unter 20 pg/ml, deutet dies auf einen Östrogenmangel hin.

Östrogenmangel: Folgen

Als wären die Symptome allein nicht unangenehm genug, können bei einem Östrogenmangel darüber hinaus einige unschöne bis gefährliche Langzeitfolgen auftreten:

  • die Scheide kann trocken werden, da die Schleimhäute dünner werden und weniger Flüssigkeit absondern. Das kann Sex schmerzhaft werden lassen
  • die Haut kann faltig werden
  • die Geschlechts- und Harnorgane können sich zurückbilden, wodurch das Risiko für Infektionen dort steigt
  • die Knochendichte kann abnehmen
  • Schlafstörungen durch einen schwankenden und/oder niedrigen Östradiol-Spiegel
  • Herzfehler, bei denen der Herzmuskel verdickt und die Pumpfunktion des Herzens gestört ist
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Quellen
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  • Redaktion Facharztmagazine: Optionen bei klimakterischen Beschwerden. Gynäkologie und Geburtshilfe; 2023; DOI:10.1007/s15013-023-5180-3
  • Herold, G et al.: Innere Medizin; Eigenverlag; 2022
  • Janni, W et al.: Facharztwissen Gynäkologie; Elsevier; 3. Auflage 2022
  • Online-Informationen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.familienplanung.de; Abruf: 04.07.2023
  • Online-Information Berufsverband der Frauenärzte e.V: www.frauenaerzte-im-netz.de; Abruf: 04.07.2023
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