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Schmerzen in den Händen lindern

Überlastung, Entzündungen und der moderne Lebensstil machen unseren Händen zu schaffen. Mitunter helfen bereits einfache Mittel. So erkennen Sie häufige Erkrankungen, lindern Schmerzen und beugen vor.

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Hände, die ineinandergreifen

© Stocksy

Gibt es Yoga für die Hände? Nein. Aber eine Vielzahl hilf­reicher Methoden und Übun­gen, um Beschwerden oder Schmerzen in den Händen zu lindern.

Viele davon können Patienten selbstständig anwen­den. „Dehnübun­gen für die Hände machen meist auch präventiv Sinn, wenn noch keine Beschwer­den auftreten“, sagt Jörg van Schoonhoven, Chefarzt der Klinik für Handchirurgie am Rhön­-Klinikum in Bad Neu­stadt an der Saale. „Durch unsere zivilisationsbedingten Zwangshaltungen verwenden wir nur einen limitierten Bereich unserer Gelenke, Sehnen und Muskeln – auch in den Händen.“ Dafür brauche es Ausgleich. Bei Beschwerden lohne es sich oft, den Oberkörper in die Therapie einzu­beziehen. „Die Hand ist nur das Endstück vom Arm“, er­klärt van Schoonhoven. „Alle Nerven, die dort Schmerzen vermitteln, kommen aus der Halswirbelsäule. Ein entspann­ter Schulter­-Nacken­-Bereich hilft auch den Händen.“ Der Spezialist arbeitet eng mit Handtherapeuten zusammen – speziell ausgebildeten Ergo-­ und Physiotherapeuten. Hier erklärt er, wie sich häufige Handbeschwerden händeln lassen.

Karpaltunnelsyndrom

Nächtliche Schiene bringt Abhilfe

Das spürt man: Kribbeln und Missempfindungen, anfangs vor allem nachts, später auch tagsüber bei statischer Haltung (langes Autofahren, Fahrrad­ fahren); eingeschlafene, im weiteren Verlauf taube Finger. Betroffene können später den Daumen nicht mehr gegen die Hand stellen, sondern nur in der Handebene bewegen.

Das steckt dahinter: Verdickte Sehnenscheiden engen den Mittelhandnerv im Karpalkanal ein. Forscher gehen unter an­ derem von einer hormonellen Umstellung als Ursache für die Verdickung aus (z. B. in Schwangerschaft und Wechsel­jahren). Frauen sind dreimal so oft betroffen wie Männer.

Das hilft: Eine Schiene, die nachts getragen wird, verhin­dert eine abgewinkelte Pföt­chenhaltung des Handgelenks. „Damit lassen sich die Symp­tome im Anfangsstadium meist komplett beseitigen“, verspricht van Schoonhoven. Dehnübungen fürs Handge­lenk sorgen zudem für ein besseres Gleiten des Nervs. Hilft dies nicht, sollte ein Neurologe die Nervenleit­geschwindigkeit messen, um die Einengung einzuschätzen. Eine einmalige Kortison­spritze an den Sehnenschei­ den wirkt abschwellend.

Dann wird operiert: Wenn kon­servative Maßnahmen nicht helfen, die Finger taub sind oder der Daumen sich nicht ausreichend bewegen lässt. Der Handchirurg durchtrennt das Band über den entspre­chenden Sehnen und Nerven (Karpaldachspaltung), um den Druck zu reduzieren.

So beugen Sie vor: Mit Nerven­-Dehnübungen.

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Arthrose

Greifübungen im warmen Linsenbad

Das spürt man: Morgensteifigkeit der Finger, Belastungs­schmerzen, Spannungsge­fühle, Bewegungseinschrän­kungen, Muskelschwäche. Später knöcherne Knötchen. Viele Patienten haben Schwie­rigkeiten, große Gegenstände festzuhalten, etwas aufzudre­hen oder morgens eine Faust zu ballen.

Das steckt dahinter: Ein fort­schreitender Knorpelabrieb in den Gelenken. Betrifft am häufigsten die Mittel­ und Endgelenke der Finger sowie das Daumensattelgelenk. Genetische und hormonelle Einflüsse, chronische Über­lastung, Gelenkentzündun­gen, Fehlstellungen, Fraktu­ren und starkes Übergewicht erhöhen das Risiko.

Das hilft: Handtherapeuten vermitteln gelenkschonende Verhaltensweisen und emp­fehlen individuelle Hilfsmittel für den Alltag (z. B. Flaschen­öffner mit größerem Griff ). Zudem wenden sie behutsam mobilisierende Dehnübun­gen unter Entlastung an. Spe­zielle Wickel und Verbände lindern Schmerzen. Einigen Patienten hilft Kälte besser, anderen Wärme. „Morgens die Finger in warme Linsen oder warmes Wasser tauchen und drei bis vier Minuten durchbewegen“, empfiehlt der Handchirurg gegen den Schmerz. Hierzu zwei bis drei Packungen braune Linsen in eine Schüssel füllen und im Backofen oder in der Mikrowelle leicht erwärmen. Bei Daumensattelgelenksarthrose unterstützen Belastungs­manschetten.

Dann wird operiert: Nur wenn alle konservativen und hand­therapeutischen Maßnahmen erfolglos bleiben. „Es gibt inzwischen sehr gut funktio­nierende künstliche Finger­gelenke“, so Handchirurg van Schoonhoven. Bei starken chronischen Schmerzen ggf. Teil­ oder Vollversteifung.

So beugen Sie vor: Die Finger schonend bewegen, ohne sie zu belasten, verbessert die Knorpeldurchblutung. „Selbst wer ein hohes genetisches Ar­throse-­Risiko hat, kann so den Entstehungszeitpunkt hinaus­ zögern“, betont der Experte.

Schnappfinger

Bewegung weitet das Ringband

Das spürt man: Morgendliche Steifigkeit. Der betroffene Finger fühlt sich geschwollen an und schmerzt bei Bewe­gung. Über dem Fingergrund­gelenk ist oftmals ein kleiner Knoten tastbar. Im späteren Stadium bleibt der Finger in gebeugter Stellung stecken und lässt sich schwer gerade strecken. Dabei entsteht ein Schnappen.

Das steckt dahinter: Eine Sehnengleitstörung. Ist die Sehnenscheide chronisch verdickt, kann sie nicht mehr ungehindert durch die Ring­bänder gleiten und wird blo­ckiert. Dabei entsteht Reibung, und an der Beugesehne entwi­ckelt sich ein Knoten. Je grö­ßer dieser wird, desto schlech­ter gleitet die Sehne, weil der Knoten am Rand des Bandes hängen bleibt. Schließlich kann der Finger gar nicht mehr gestreckt werden.

Das hilft: „Wenn das Schnap­pen nicht zu sehr stört, erst mal abwarten“, rät van Schonhooven. Oft weitet sich das Ringband im Laufe des Tages durch Bewegung. Morgens im warmen Linsen­ bad drei bis vier Minuten das Gleiten üben. Zusätzlich die Fingerbeugemuskulatur lang­sam und vorsichtig dehnen. Kälte am be­troffenen Finger (z. B. mit einem Lolli aus gefrorenem Wasser) lindert den Schmerz. Die Handinnenfläche bis zu den Fingern und die Unter­arm­-Innenseite kräftig mit einem Igelball massieren, um Muskeln und Faszien zu entspannen. Eine Kortison­injektion an die Sehnenschei­de befreit 30 Prozent der Patienten langfristig von den Beschwerden.

Dann wird operiert: Wenn der Schnappfinger wiederholt auftritt, sehr schmerzt und stört. Das erste Ringband wird durchtrennt. „Damit kann die Sehne wieder gleiten, und das Problem ist für immer beho­ben“, erklärt der Spezialist.

So beugen Sie vor: Mit Dehn­übungen für Handgelenk und Finger.

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Dupuytren'sche Erkrankung

Verletzungen und OP vermeiden

Das spürt man: Knotige, strangförmige Veränderungen in der Handfläche sowie oft im Bereich des Klein- und Ringfingers. Einzelne oder mehrere Finger können befallen sein. Die Erkrankung verläuft oft schubweise. Im späteren Verlauf zum Teil Fingerkrümmung.

Das steckt dahinter: Eine gutartige Wucherung an der Sehnenplatte in der Hohlhand (Palmaraponeurose). Die Ursache ist unklar, Mediziner vermuten genetische Gründe. Hellhäutige Männer aus Nordeuropa zwischen 40 und 60 Jahren erkranken häufiger.

Das hilft: Heilbar ist ein Dupuytren noch nicht. „Verfahren wie die Nadelfasziotomie und die Injektion spezieller Enzyme zögern jedoch eine OP hinaus und sorgen für mehr Beweglichkeit“, sagt van Schoonhoven. Bei einer OP wird das verdickte Gewebe entfernt oder durchtrennt. Es bleiben jedoch die Veranlagung und das Risiko eines Rezidivs.

Dann wird operiert: „Nur bei einer starken Bewegungseinschränkung von mehr als 50 Grad in den Grundgelenken und mehr als 30 Grad in den Mittelgelenken der Finger“, so der Experte. „Eine OP hat das Risiko, dass die Erkrankung ausgeprägter zurückkehrt.“

So beugen Sie vor: Verletzungen vermeiden. Diese fördern einen neuen Schub und Verknotungen. Außerdem: keine Dehnübungen der Hände im fortgeschrittenen Stadium. „Die Verhärtungen sind dann so stark, dass man die Gelenke eher überdehnt und ihnen schadet.“

 

FOCUS-Gesundheit 05/23

© FOCUS-Gesundheit

FOCUS-GESUNDHEIT 05/23

Dieser Artikel erschien zuerst in der Ausgabe Gelenke & Muskulatur. Weitere Themen: Kreuzschmerzen vermeiden + Rückenübungen. Fortschritte bei der Rheuma-Therapie. U.v.m.

     

Tennis-/Golferarm

Verkürzte Muskulatur aufdehnen

Das spürt man: Stechende Schmerzen an der Außenseite (Tennisarm) bzw. Innenseite (Golferarm) des Ellenbogens, vor allem beim Strecken und Drehen des Arms (Tennisarm) oder beim Festhalten (Golferarm). Verringerte Handkraft. In der Regel keine Schwellung.

Das steckt dahinter: Eine Reizung der Muskelansätze am Oberarmknochen (Ansatztendinose). Die Ursachen sind oft eine zivilisationsbedingt verkürzte Muskulatur oder ständig gleichförmige Bewegungsabläufe.

Das hilft: In der Akutphase den Ellenbogen kühlen und einige Tage schonen. Danach Dehnübungen bis an die Schmerzgrenze und Krankengymnastik für die Hand-Arm-Nacken-Kette machen. „Viele Betroffene haben gleichzeitig chronische Verspannungen der Schulter- und Nackenmuskulatur. Deshalb sollten diese unbedingt mitbehandelt werden“, rät Jörg van Schoonhoven. Ultraschall, Elektro- oder Stoßwellentherapie werden gegen die Reizung der Muskelansätze eingesetzt.

Bei chronischen Schmerzen arbeitet man z. B. mit einer Druckmassage in den Schmerz hinein oder übt durch eine Klettmanschette mit Pelotte Druck aus. Dadurch wird die Weiterleitung des Schmerzreizes unterbrochen. Kortisonspritzen helfen nur kurzzeitig und sind nicht effektiver als konservative Therapien.

Dann wird operiert: Nur in ganz seltenen Fällen, wenn keine Behandlung wirkt. Der Nutzen ist umstritten.

So beugen Sie vor: Den Oberkörper beweglich halten, besonders die Brustwirbelsäule. Mehrmals am Tag die Muskulatur der gesamten Kette dehnen.

© FOCUS-Gesundheit

Die große Ärzteliste 2024

FOCUS-Gesundheit 02/24
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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel enthält allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Den passenden Arzt finden Sie über unser Ärzteverzeichnis.

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Dr. Andrea Bannert

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