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Risikofaktor Cholesterin: „Nach dem Herzinfarkt wusste ich, ich muss etwas ändern“

Erhöhte Cholesterinwerte werden oft übersehen, weil sie meist keine Beschwerden verursachen – mit fatalen Folgen. Wie man sie frühzeitig erkennen und gegensteuern kann.

Veröffentlicht: 2024-05-31T09:20:10+02:00

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In Kooperation mit: Daiichi Sankyo
Ablagerungen verstopfen die Blutgefäße, ein Herz im Körper

© iStock

Im einschneidendsten Moment seines Lebens befand sich Lothar Goldschmidt, damals 43, in einem Supermarkt. Die Regale und Menschen um ihn herum verschwammen von einer Sekunde auf die andere, das Licht knipste sich aus. Seine Frau reagierte sofort und brachte ihn ins Krankenhaus. Die Diagnose: Herzinfarkt. „Ich bin dankbar, überlebt zu haben“, erzählt er. „Aber ich wusste in diesem Moment, dass ich etwas ändern muss.“

Die Erfahrung war ein Wendepunkt für Goldschmidt. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich mit gerade mal Anfang 40 einen Herzinfarkt erleiden könnte“, sagt der heutige Rentner. Doch er ist keine Ausnahme. Jeder 15. Patient mit einem schweren Herzinfarkt ist laut einer Studie des Bremer Instituts für Herz- und Kreislaufforschung jünger als 45 Jahre.

Infografiken mit Symptomen, die bei einem Herzinfarkt bei Männern und Frauen auftauchen können

© FOCUS-Gesundheit

Der Herzinfarkt ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland und kommt für viele Betroffene ohne Vorwarnung.

Besonders bei Frauen werden die Warnzeichen oft übersehen, was dazu führt, dass sie später als Männer in die Klinik kommen und erst verzögert eine potenziell lebensrettende Behandlung erhalten.

Denn die Symptome sind bei Frauen häufig unspezifisch und können auch anderen Erkrankungen zugeordnet werden. Dazu gehören beispielsweise grippeähnliche Beschwerden oder Verdauungsstörungen.

Erst durch den akuten Notfall wurde Goldschmidt bewusst, was er seinem Körper über Jahre zugemutet hatte. „Die Angst, dass das nochmal passieren könnte, war von da an immer in meinem Hinterkopf. Das wollte ich auf keinen Fall riskieren.“

In Goldschmidts Blutgefäßen schlummerte über Jahrzehnte eine stille Gefahr: zu hohe LDL-Cholesterinwerte. Eine sogenannte Hypercholesterinämie kann die Blutgefäße schädigen und im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.

„Gutes“ und „schlechtes“ Cholesterin?

Damit Cholesterin im Blut transportiert werden kann, wird es in der Leber in kleine Päckchen, die Lipoproteine, verpackt. Von ihnen gibt es zwei Varianten:

  • „Gutes“ HDL: Das „High-Density-Lipoprotein“ transportiert überschüssiges Cholesterin im Blut zur Leber. Dort wird es abgebaut und ausgeschieden. HDL sorgt also dafür, dass wir weniger Cholesterin im Blut haben.
  • „Schlechtes“ LDL: Das „Low-Density-Lipoprotein“ bringt Cholesterin aus der Leber über den Blutkreislauf in die Organe und das Gewebe. Ist das LDL-Cholesterin zu hoch, steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Veranlagung oder Lebensstil?

Wenn junge Menschen deutlich erhöhte LDL-Cholesterinwerte haben, sind sie oft angeboren und bestehen in der Regel bereits im Kindes- und Jugendalter. Experten sprechen von einer familiären Hypercholesterinämie, einer der häufigsten genetischen Störungen in Deutschland. Circa 270.000 Menschen sind hierzulande betroffen. Das bedeutet eines von 300 Neugeborenen kommt mit der Veranlagung auf die Welt.

Neben der genetischen Komponente kann auch eine ungesunde Ernährung erhöhte Cholesterinwerte begünstigen. Bei Goldschmidt kam beides zusammen. Der selbstständige Heizungsbauer war in seinen Zwanzigern und Dreißigern ständig unterwegs. Das Mittagessen fand meist an der Imbissbude statt. Für Sport blieb keine Zeit.

Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Übergewicht, Bluthochdruck, Hypercholesterinämie und Rauchen sind die größten Risikofaktoren für die Entwicklung einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Warum eine frühe Diagnose Leben retten kann

„Der Zusammenhang zwischen erhöhten Cholesterinwerten und der Entstehung eines Herzinfarkts ist durch Studien klar erwiesen“, erklärt Prof. Gerald Klose, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie mit Praxis in Bremen.

Dahinter steckt eine hohe Menge LDL-Cholesterin im Blut, das zu Ablagerungen an den Blutgefäßwänden führen kann, sogenannten Plaques. Sie verengen die Gefäße. Dadurch fließt das Blut nicht mehr richtig und Gewebe und Organe werden unzureichend durchblutet. Mit fatalen Folgen.

Reißen sich solche Ablagerungen in Form von kleinen Gerinnseln los, wandern sie durch die Blutbahnen und können in besonders kleine Arterien gelangen und diese vollständig verstopfen. Im Gehirn löst der Verschluss einer Arterie einen Schlaganfall aus, in den dünnen Herzkranzgefäßen führt er zu einem Herzinfarkt.

Die verschlechterte Durchblutung des Gewebes und der Organe kann zudem weitere Erkrankungen auslösen, etwa erektile Dysfunktion oder Demenz.

Entwicklung unter dem Radar

Erst nach seinem Herzinfarkt stellten die Ärzte bei Lothar Goldschmidt die erhöhten Cholesterinwerte fest. Anzeichen dafür hatte er nie gespürt. „Das ist da Fatale“, sagt Prof. Klose. „Die Veränderungen der Gefäße bemerken wir nicht. Deshalb kommt der Herzinfarkt häufig ohne Vorboten.“

Die Diagnose erhöhter Cholesterinwerte erfolgt in der Regel durch ein Blutbild beim Hausarzt. „Die einzige Möglichkeit, wie wir erhöhte Cholesterinwerte erkennen können, sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen“, betont Klose.

Gesundheits-Check-Up beim Hausarzt

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen regelmäßig einen Gesundheits-Check-Up, bei dem auch die Cholesterinwerte überprüft werden.

Zwischen 18 und 34 Jahren kann der kostenlose Check-Up einmalig in Anspruch genommen werden, ab einem Alter von 35 Jahren alle drei Jahre.

Die richtige Therapie für jeden Patienten

Inwieweit Medikamente zur Behandlung notwendig sind, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum Beispiel, wie hoch die LDL-Cholesterinwerte sind, ob die Hypercholesterinämie erblich bedingt ist und welche anderen Faktoren das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen, zum Beispiel Bluthochdruck oder Diabetes.

Welcher Weg der individuell richtige ist, entscheidet der behandelnde Arzt gemeinsam mit dem Patienten. „Es geht am Ende nicht darum, dass wir die Zahl auf einem Zettel senken wollen. Wir wollen, dass die Person, die wir behandeln, keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall bekommt“, sagt Prof. Ulrich Laufs, Klinikdirektor der Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig.

Ob die Therapie erfolgreich ist, hat der Patient zu großen Teilen selbst in der Hand. „Patienten vergessen häufig ihre Tabletten“, erklärt Laufs. Er rät, Medikamente routinemäßig morgens zum Zähneputzen einzunehmen.

Mit Prof. Ulrich Laufs sprechen wir im Podcast „Auf Herz und Nieren“ darüber, wie wirksam cholesterinsenkende Medikamente sind und wie groß der Einfluss des Lebensstils auf die Cholesterinwerte ist.

Wer nur leicht erhöhte Werte hat, kann durch kleine Veränderungen der Gewohnheiten schon viel erreichen. Wie stark der cholesterinsenkende Effekt ist, hängt vor allem vom bisherigen Lebensstil ab.

„Wer den ganzen Tag vor dem Bildschirm sitzt und aus der Fritteuse lebt, kann mit einer Umstellung der Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten eine LDL-Senkung von bis zu 30 Prozent erreichen“, so Laufs. „Bei schlanken Menschen mit gesundem Lebensstil wird die Ernährung als Behandlungsmethode allerdings oft überschätzt. Jemand mit Normalgewicht, der viel selbst und gesund kocht, kann seine LDL-Werte mit Lebensstiländerungen im Mittel nur um etwa fünf Prozent senken.“

Tipps von Prof. Laufs, um das individuelle kardiovaskuläre Risiko zu senken

1. Mit dem Rauchen aufhören

Die giftigen Substanzen im Tabakrauch schädigen die Blutgefäße und tragen zur Plaquebildung bei.

2. Mit dem Sport anfangen

Regelmäßige Bewegung ist gut für die Gefäße und reduziert das Herz-Kreislauf-Risiko. Bewegen Sie sich dreimal pro Woche so, dass Sie ins Schwitzen kommen. Nicht entmutigen lassen, wenn kein direkter Effekt in den LDL-Cholesterinwerten sichtbar ist. Sport und der Rauchstopp schlagen sich nicht in dieser Messgröße nieder, haben aber entscheidende positive Effekte auf die Blutgefäße und das Herz-Kreislauf-System.

3. Die Ernährung umstellen

Bevorzugen Sie die Farbe Grün auf dem Teller. Eine überwiegend pflanzliche, ballaststoffreiche Ernährung schützt die Gefäße und das Herz-Kreislauf-System. Gesättigten Fettsäuren, die beispielsweise in Wust, Fertigprodukten und frittierten Speisen stecken, sollten Sie vermeiden.

„Die Aufklärung darüber, wie ein gesunder Lebensstil aussieht und umgesetzt werden kann, sollte schon in der Schule beginnen“, wünscht sich Klose. So könne Prävention rechtzeitig stattfinden.

Bei Lothar Goldschmidt war die Kombination aus einer Anpassung des Lebensstils und einer medikamentösen Behandlung die richtige Lösung. „Leider haben immer noch viele Menschen unbegründete Vorurteile gegenüber cholesterinsenkenden Arzneimitteln und wollen sie nicht einnehmen“, sagt Klose.

Dabei ist die Wirksamkeit der Behandlung für Menschen mit einer Hypercholesterinämie klar erwiesen. „Die Einnahme der Medikamente senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse“, sagt Klose. „Wenn wir frühzeitig eine Behandlung einleiten, können wir viele Herzinfarkte vermeiden.“

Kooperationspartner dieses Artikels ist Daiichi Sankyo. Auf der Website www.ldl-senken.de gibt es weiterführende Informationen und hilfreiche Broschüren zum Thema Cholesterin.

Lothar Goldschmidt gründet im Jahr 2019 eine Selbsthilfegruppe – speziell für Menschen mit der angeborenen Fettstoffwechselstörung Lipoprotein(a), die auch bei ihm diagnostiziert wurde. Auf der Website der Lipidhilfe(a) gibt es Videos und Ratgeber von Betroffenen für Betroffene.

Quellen
  • Interview mit Lothar Goldschmidt, Gründungsmitglied der LipidHilfe-Lp(a); 10.05.2024
  • Interview mit Prof. Gerald Klose, Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie; 13.05.2024
  • Interview mit Prof. Ulrich Laufs, Klinikdirektor der Kardiologie am Universitätsklinikum Leipzig; 13.05.2024
  • Schmidt, N et al.: Familiäre Hypercholesterinämie in Deutschland; Aktuelle Kardiologie; 2020; DOI: 10.1055/a-1200-1404
  • Klose, G: Klinik, Diagnose und Therapie der familiären Hypercholesterinämie; Fortschritte der Medizin; 2022
  • Pressemeldung Deutsche Gesellschaft für Kardiologie: Bremer Studie: Junge Herzinfarkt-Patient sind männlich, rauchen und haben höheres Risiko; 11.04.2015

© FOCUS-Gesundheit

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel enthält allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Den passenden Arzt finden Sie über unser Ärzteverzeichnis.

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