Ab jetzt wird vieles anders: mehr bewegen, besser essen, Stress vorbeugen. Die meisten Reha- Heimkehrer schließen beschwingt ihre Wohnungstür auf – und finden sich in der alten Einrichtung wieder. „Der Übergang von der Reha ins Real Life ist eine große Klippe“, weiß Melanie Hümmelgen, leitende Ärztin der Kardiologie im RehaCentrum Hamburg. Selbst Motivierte scheitern oft daran.
In einer Studie befragte die Rehabilitationsexpertin Ruth Deck vom Institut für Sozialmedizin der Universität Lübeck Orthopädie-Patienten, wie erfolgreich sie ihre Vorsätze umgesetzt hatten. Sie wollten dreimal die Woche 30 Minuten körperliche Aktivität in den Alltag einbauen. In der ersten Woche nach der Reha gelang dies 95 Prozent, in der vierten noch 65 Prozent. Lange Arbeitszeiten, Verabredungen, keine Lust, Erkältung waren Gründe fürs Nichtstun.
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Die Last der Gewohnheiten
Die Rentenversicherung, die das Gros der Rehas finanziert, bietet aufwendige Nachsorgeprogramme an. Gute Reha-Kliniken bereiten intensiv auf den Übergang vor. Die Klippe bleibt. Alte Gewohnheiten machen sich nach und nach im Alltag breit. Das hat Gründe, die im Gehirn zu finden sind.
Gewohnheiten bestimmen unseren Alltag. Ein Drittel bis die Hälfte aller Handlungen, die wir im Wachzustand ausführen, erledigen wir automatisch: Zähne putzen, Auto fahren, Schuhe anziehen. Wir denken nicht darüber nach. „Das Gehirn strebt danach, so viele Handlungen wie möglich in Routine zu verwandeln“, sagt der Neurobiologe Gerhard Roth von der Universität Bremen. Bei Routinehandlungen laufen die grauen Zellen im Energiesparprogramm. Ein bewusstes Bewerten und Einordnen von Situationen erfordert viel Stoffwechselenergie in Form von Sauerstoff und Zucker.
Belohnung für Verhaltensänderung
Dieser ökonomische Trick macht es uns so schwer, Routinehandlungen zu kontrollieren oder zu verändern. „Für unser Gehirn gibt es kaum etwas Schwierigeres, als Gewohnheiten abzulegen“, sagt Roth. Durch ständiges Wiederholen haben sich diese tief in die Basalganglien eingegraben. Auch jene Handlungsmuster, die sich irgendwann als eher ungünstig herausstellen, etwa weil sie die Gesundheit schädigen.
Weitermachen trägt die Belohnung in sich. Handeln wir wie gewohnt, schüttet das limbische System körpereigene Opioide aus. Die Glücksbotenstoffe bekräftigen die Handlung. Es macht Spaß, Dinge schnell, präzise und effektiv auszuführen. Eine Verhaltensänderung muss eine größere Belohnung versprechen, sonst behalten wir das Bewährte bei. Die Hürde ist hoch. Der Hirnforscher weiß: „Es ist leichter, sich neue Gewohnheiten anzueignen, als alte abzulegen.“
Unterstützung für zu Hause
1. Wegweiser
Bereits während der Reha erhalten die Patienten umfassende und auf ihre persönliche Situation bezogene Informationen über Nachsorgeprogramme, Reha-Sportgruppen und Selbsthilfe-Einrichtungen. „Es ist enorm wichtig, den Patienten aufzuzeigen, wo sie nach der Reha andocken können“, berichtet Ärztin Melanie Hümmelgeneiner von ihrer täglichen Erfahrung aus der Klinik für Herzpatienten.
2. Planer
In einer Reha-Klinik arbeiten Experten der verschiedenen Fachrichtungen, vom Arzt bis zum Ergotherapeuten, aus, was für den einzelnen Patienten wichtig und richtig ist. „Wir fragen nach Hobbys und Wünschen, erarbeiten konkrete Reha-Ziele und leiten sehr genau an, wie diese umgesetzt werden können“, sagt Hümmelgen.
3. Begleiter
Im Rahmen eines Nachsorgeprogramms kehren viele in die Reha- Klinik zurück, um mit Physiotherapeuten zu trainieren oder zu einer Visite mit dem Arzt. „Das sind positive Reminder“, sagt Hümmelgen. Der Patient kann mit dem Therapeuten und Arzt abklären, was aus den guten Vorsätzen geworden ist und wo sich noch etwas verbessern lässt.
Dies ist eine gekürzte Fassung. Den vollständigen Text und weitere Tipps zur Umsetzung der eigenen Reha-Ziele finden Sie in FOCUS-GESUNDHEIT „Top Reha-Klinik 2019" – als Print-Heft oder als digitale Ausgabe.