Werbung

Werbung

Krätze

Die Krätze im Anfangsstadium, ihre Ansteckungswege, ihre Symptome, häufig befallene Körperstellen, die richtige Behandlung und Hausmittel.

Geprüft von Werner Siefer, Biologe

Veröffentlicht:
Aktualisiert: 2022-03-11T00:00:00+01:00 2022-03-11T00:00:00+01:00

Werbung

Inhaltsverzeichnis
Eine Frau kratzt sich am Arm

© Shutterstock

Krätze im Anfangsstadium

Bei der Krätze (Skabies) handelt es sich um eine Hauterkrankung, welche durch Parasiten ausgelöst wird. Ihr Hauptsymptom ist starker Juckreiz, was dem Leiden seinen Namen gegeben hat. Dieser entsteht, wenn Krätzmilben in die Hornschicht der Haut eingedrungen sind, dort Gänge bohren, ihre Eier ablegen und Kot absondern. Bis sich der Parasiten-Befall nach dem Erstkontakt jedoch bemerkbar macht, dauert es eine Weile. So bleibt die Erkrankung bei einer Erstinfektion in der Regel über Wochen unbemerkt.

Die ersten Anzeichen (Juckreiz und Hautveränderungen) treten erst nach zwei bis sechs Wochen auf. Diese lange Zeitspanne ergibt sich durch den Lebenszyklus der Milben: Es dauert zumeist etwa vier Wochen, bis sich die Tiere soweit vermehrt haben, dass das Immunsystem auf die Eindringlinge, beziehungsweise deren Ausscheidungen, mit eindeutigen Symptomen reagiert. Im Anfangsstadium eines Erstbefalls und damit ohne Symptome ist es daher kaum möglich Krätze zu erkennen. Bei einem späteren erneuten Befall jedoch ist der Körper bereits sensibilisiert und zeigt schon nach wenigen Tagen den typischen Juckreiz.

Werbung

Symptome der Krätze

Typisches Anzeichen eines Befalls mit Krätzmilben, winzig kleiner Spinnentiere, ist Juckreiz. Dieser nimmt zumeist während der Nachtruhe zu. Als weiteres Anzeichen bilden sich in der Haut längliche Verdickungen oder Pickel (medizinisch: Papeln). Für die Symptome sind in erster Linie die weiblichen Krätzmilben verantwortlich: Sie bohren Gänge in die Hornschicht der Haut (Stratum corneum) und legen dort ihre Eier ab. Die männlichen Milben bleiben auf der Hautoberfläche. Bei einer maximalen Größe von 0,5 Millimetern sind die Tiere mit bloßem Auge nur schwer zu erkennen.

Häufig sind am Anfang vor allem die Hände von Krätze betroffen, insbesondere Finger, beziehungsweise: die Fingerzwischenräume. Bei männlichen Patienten auch der Genitalbereich, genauer: der Penisschaft. Die Krätze ist ansteckend. Über die Hand gelangen die Krätzmilben und -larven zumeist als erstes auf eine neue Wirtsperson.

Krätze: Ekzem mit geröteten, zum Teil verkrusteten Knötchen und Bläschen

© Science Photo Library

Mit Krätze befallene Hautstellen bilden ein Ekzem mit geröteten, zum Teil verkrusteten Knötchen und Bläschen

Befallene Körperstellen

Die Krätzmilben bevorzugen warme Hautstellen mit dünner Hornschicht. Neben Finger- und Zehenzwischenräumen besiedeln sie bevorzugt Ellenbogenbeugen, Achselhöhlen (Axillarfalten), Brustwarzenhöfe, Nabelregion, Gürtellinie, Leisten, Gesäß und den Genitalbereich, insbesondere Penisschaft und Analfalte, sowie die Knöchelregion und inneren Fußränder. Neben dem Intimbereich kann bei Frauen auch der Bereich um die Brustwarzen von Krätze betroffen sein. 

Kopf, Gesicht, Nacken und die Fingerspitzen Erwachsener sind in der Regel nicht von Krätze betroffen. Beim Baby (Säugling) und Kleinkind hingegen können auch die Kopfhaut, das Gesicht sowie Handinnenflächen und Fußsohlen von Krätze befallen werden. Bei ihnen kann Krätze auch zu Hautveränderungen an Rücken und Bauch führen.

Die Hautveränderungen bei Krätze beruhen auf den kommaartigen, gewundenen und bis zu einem Zentimeter langen Gängen der Krätzmilben. Am Gangende bildet sich manchmal ein kleines Bläschen (Pickel/Papel) aus. Zusätzlich entsteht im Verlauf an befallenen Hautstellen ein Ekzem mit geröteten, zum Teil verkrusteten Knötchen, Bläschen oder Pusteln. Krätze kann außerdem zu einem großflächigen allergischen Ausschlag der Haut führen: Der Hautausschlag ist eine Reaktion des Körpers auf den Kot der Krätzmilben.

Woher kommt der Juckreiz?

Das Ekzem verursacht auch den für Krätze charakteristischen starken Juckreiz. Es wird durch die Abwehrreaktion des Körpers gegen die Milbenprodukte (vor allem den Kot) ausgelöst, welche die Tiere in der oberen Hautschicht hinterlassen. Auch Körperstellen, die nicht direkt von Milben befallen sind, jucken bei Krätze – zum Beispiel am Oberschenkel oder Unterarm. Auch wenn die Hautbereiche stark jucken sollten Betroffene bei Krätze nicht kratzen, damit sie die Haut nicht zusätzlich schädigen – denn das könnte zu Narben führen.

Krätze behandeln

Ein Krätze-Befall ist gut zu behandeln. Das Ziel der Behandlung ist das Abtöten der Skabiesmilben sowie ihrer Larven und Eier. Da die Milben ihre Gänge in der obersten Hornschicht der Haut anlegen, lassen sie sich in den meisten Fällen durch meist äußerlich anzuwendende Gegenmittel (Antiskabiosa) abtöten. Zudem gilt es, die Symptome der Krätze zu lindern und die Hautheilung zu fördern. 

Problematisch ist die lange Inkubationszeit (das ist die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch einer Krankheit) beim erstmaligen Befall. Erst frühestens nach zwei, in der Regel vier bis sechs Wochen zeigen sich erste Krätze-Anzeichen. Diese Zeitspanne vergeht, bis die Tiere sich so weit vermehrt haben, dass der Körper sie als Eindringlinge erkennt und sein Immunsystem Abwehrreaktionen auslöst: Juckreiz und Entzündungen. Ohne diese Symptome fällt eine Krätze-Infektion nicht auf. Bei wiederholtem Befall reagiert das Immunsystem bereits nach wenigen Tagen.

Arztsuche
Finden Sie mit Hilfe der FOCUS-Gesundheit Arztsuche den passenden Mediziner.

Krätze richtig therapieren

Wer unter gewöhnlicher Krätze leidet, kann die Behandlung zumeist zu Hause vornehmen. Ein Klinikaufenthalt ist nur für Babys (Säuglinge), in Ausnahmefällen Kleinkinder sowie Scabies crustosa-Patienten nötig. Größere Kinder und Erwachsene müssen nur dann im Krankenhaus behandelt werden, wenn die von der Krätze geschädigte Haut durch Bakterien stark entzündet ist oder die Therapie nicht anschlägt.

Von Krätze Betroffene haben viele Fragen: Wie kann ich Krätze wieder loswerden? Wie lange ist Krätzeansteckend? Muss ich wegen Krätze in Quarantäne? Manche sorgen sich auch: Geht die Krätze vielleicht nicht mehr weg? Die gute Nachricht: Schon nach Abschluss der ersten Krätze-Behandlung sind die Betroffenen nicht mehr ansteckend und müssen sich nicht länger von ihren Mitmenschen fern halten. Kinder können in die Schule und Erwachsene zur Arbeit gehen. Engeren Kontakt, wie Intimverkehr, sollten Betroffene solange vermeiden, bis beide Partner ausreichend behandelt sind. Nur bei Scabies crustosa ist eine längere Isolation nötig (zumeist zwei Wochen).

Welches Medikament – auch für Babys und Kinder

Für die Therapie von Krätze stehen je nach Form, Ausprägung, Situation und Bedürfnisse der Patienten verschiedene Mittel zur Wahl: 

  • Permethrin wird auf die Haut aufgetragen und gilt in Europa als erste Wahl bei vielen Formen der Krätze. Es ist leicht anzuwenden und gut verträglich – für Erwachsene und Kinder. Permethrin wirkt sowohl gegen Milben als auch gegen deren Eier. Bei einer unkomplizierten Krätze reicht oft eine Einmalbehandlung mit acht bis zwölf Stunden Einwirkzeit aus. Permethrin in fünfprozentiger Konzentration in Cremegrundlage ist zur Krätze-Therapie ab dem dritten Lebensmonat zugelassen. Mit einer solchen Salbe können also auch Babys oder Kleinkinder behandelt werden.
  • Benzylbenzoat wirkt ebenfalls gegen die Krätzmilben und ihre Eier. Es ist in Deutschland in Form einer 25-prozentigen (ab zwölf Jahren) und zehnprozentigen Emulsion (für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr) zugelassen. Benzylbenzoat muss an drei aufeinander folgenden Tagen aufgetragen und darf erst am vierten Tag abgewaschen werden. Für eine Krätze-Behandlung bei Babys (Säuglingen) ist Benzylbenzoat ungeeignet.
  • Crotamiton ist in Deutschland in zehnprozentiger Konzentration als Lotion, Creme und Salbe sowie in fünfprozentiger Konzentration als Gel erhältlich. Um Krätze erfolgreich zu behandeln, muss Crotamiton an drei bis fünf aufeinanderfolgenden Tagen aufgetragen und darf nicht abgewaschen werden. Das Mittel ist auch für Babys zugelassen.

Ivermectin oral ist ein Krätze-Medikament in Tablettenform. Das Mittel wird vor allem bei Versagen der äußerlich anzuwendenden Mittel und bei immungeschwächten Personen eingesetzt. Wenn viele Betroffene auf engem Raum, etwa in Sammelunterkünften oder Heimen leben, ist eine Therapie mit Ivermectin in der Praxis am besten umzusetzen. Bei gewöhnlicher Skabies reicht in der Regel die einmalige Einnahme von 200 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht. Sicher wirken die Krätze-Tabletten nach 24 Stunden. Ivermectin kann unter Umständen die Leber und das Nervensystem schädigen. Schwangere dürfen das Mittel nicht einnehmen. Auch Kinder unter 15 Kilogramm Körpergewicht sollten nicht mit Ivermectin behandelt werden.

Das richtige Vorgehen

Beim Auftragen einer Krätze-Salbe oder Ähnlichem hilft am besten eine zweite Person, um alle Körperstellen zu erreichen. Diese sollte Einweghandschuhe tragen, bei Patienten mit Scabies crustosa auch einen Schutzkittel.

Bevor das Mittel auf der Haut verteilt wird, sollten Krätze-Betroffene ihre Nägel kürzen und gründlich duschen oder baden. Das Medikament darf nur auf trockener, am besten schuppenfreier Haut und bei normaler Körpertemperatur angewendet werden (wird nach etwa 60 Minuten Ruhe erreicht).

Wer unter stark entzündeten Hautarealen leidet, kann nach Absprache mit dem behandelnden Arzt zusätzlich ein Mittel zur Hautpflege etwa eine Creme oder zur Desinfektion der Wundflächen (Antiseptikum) vor oder während der Krätze-Therapie auftragen. Manchmal ist auch ein Antibiotikum nötig.

Der ganze Körper muss lückenlos vom Unterkiefer abwärts einschließlich aller Hautfalten gleichmäßig mit dem Medikament bedeckt sein. Kopfhaut und Gesicht sollten im Zweifelsfall gegen Krätze mitbehandelt werden. Bei Babys (Säuglingen) und Kleinkindern bis zum 3. Lebensjahr, bei Scabies crustosa und bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem ist der gesamte Kopf immer gründlich mit einzucremen. Die äußerlich anzuwendenden Krätze-Mittel dürfen nicht in Kontakt mit Schleimhäuten kommen. Hautpartien um die Augen und den Mund müssen ausgespart werden.

Baumwollhandschuhe verhindern, dass man sich während der Einwirkzeit die Salbe oder Lotion versehentlich in Augen oder Mund reibt. Nach jedem Händewaschen muss direkt nach dem Abtrocknen das Krätze-Medikament erneut aufgetragen werden.

Zeiten beachten und Umfeld informieren

Je nach Präparat variiert die Einwirkzeit. Sie ist auf dem Beipackzettel angegeben und muss unbedingt eingehalten werden, um die Krätzmilben sicher abzutöten. Ist sie vorüber, sollte sich der Patient gründlich waschen oder duschen und neue Wäsche anziehen sowie das Bettzeug wechseln.

Nach ein bis zwei Wochen steht ein Kontrolltermin der Haut beim Arzt an. Er entscheidet, ob und wie die Krätze-Therapie fortgesetzt werden muss. Bei Scabies crustosa wird die Behandlung mindestens einmal nach einer Woche wiederholt. Juckreiz und Ekzeme können auch nach erfolgreicher Behandlung noch einige Wochen anhalten (vor allem bei Allergikern), werden aber schwächer.

Von Krätze Betroffene sollten unbedingt sämtliche Personen informieren, mit denen sie näheren Körperkontakt hatten. Für sie empfiehlt sich ebenfalls eine Behandlung, weil sich die Symptome einer Krätze-Infektion frühestens nach zwei, oft jedoch erst nach vier bis sechs Wochen zeigen. Menschen, die im selben Haushalt wie der Befallene leben, sollten am gleichen Tag mitbehandelt werden.

Schwangerschaft, Stillzeit und Säuglinge

Krätze in der Schwangerschaft ist ein besonderes Problem. Keines der Medikamente ist für Schwangere zugelassen. Erst nach sorgfältigem Abwägen und umfassender Aufklärung durch den Arzt lässt sich Krätze in der Schwangerschaft mit Medikamenten behandeln.

In der Stillzeit wird, sofern er nicht eindeutig befallen ist, der Brustbereich bei der Behandlung (Permethrin, Benzylbenzoat oder Crotamiton) ausgespart.

Für Säuglinge und Neugeborene sind fünfprozentige Permethrin- oder Crotamiton-Präparate die einzigen Krätze-Mittel, von denen in Deutschland nicht strikt abgeraten wird. Die Behandlung sollte jedoch in einer Fachklinik erfolgen.

Hausmittel bei Krätze

Wer den Verdacht hat, sich mit Krätze angesteckt zu haben, sollte zum Arzt gehen. Dieser wird eine korrekte Diagnose stellen und eine Therapie empfehlen, sofern diese nötig ist. Häufig empfohlene Hausmittel und pflanzliche Medikamenten-Alternativen wie Teebaumöl, Essig, Öl und Zucker können weder die Krätzmilben, noch ihre Larven oder Eier abtöten. Sie wirken also nicht gegen die Ursache. Besonders Teebaumöl und Essig reizen die angegriffene Haut eher zusätzlich. Auch auf eine Spontanheilung sollten Betroffene bei Krätze nicht warten: Unsachgemäße und unzureichende Behandlungen verlängern den Krätze-Befall und verzögern die Heilung der betroffenen Hautstellen; unbehandelt verläuft Krätze häufig chronisch. Zudem sind andere Personen gefährdet, sich ebenfalls anzustecken. 

Werbung

Wie ansteckend ist Krätze?

Jeder Mensch kann sich mit Krätze anstecken, sofern er ausreichend langen Hautkontakt mit einer infizierten Person oder deren körpernahen Textilien hat. Da sich die Milben, sie tragen den wissenschaftlichen Namen Sarcoptes scabiei, nur langsam bewegen, muss dieser Kontakt großflächig sein und länger dauern als fünf bis zehn Minuten. Handschütteln, Begrüßungsküsse, Umarmungen, eine medizinische Untersuchung der Haut oder Ähnliches sind bei Patienten mit gewöhnlicher Skabies (von lateinisch scabere gleich kratzen), so der Fachbegriff für die Krätze, ohne Risiko.

Krätze durch mangelnde Hygiene?

Häufig wird mangelnde Hygiene als Ursache für Krätze angenommen. Die Tiere breiten sich allerdings – wie Läuse – unabhängig vom Pflegezustand auf jedem Körper aus, den sie erreichen können. Woher bekommen Betroffene Krätze? Der Übertragungsweg von Krätze erfolgt von Mensch zu Mensch. Eine Übertragung von Krätze ist vor allem an Orten möglich, an denen viele Menschen eng zusammenkommen. Etwa in der Familie, der Wohngemeinschaft, im Kindergarten (Kita), der Schule, im Pflegeheim oder in Sammelunterkünften.

Eine indirekte Übertragung wie etwa durch Textilien ist möglich, jedoch wenig wahrscheinlich. Je länger die Krätzmilben ohne direkten Hautkontakt sind, desto weniger sind sie ansteckend. Bei den in Deutschland üblichen Raumtemperaturen (21 °C) und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 40 bis 80 Prozent ist die Krätze mit großer Wahrscheinlichkeit nach 48 Stunden über Textilien und Ähnliches nicht mehr übertragbar. Niedrigere Temperaturen und eine höhere relative Luftfeuchtigkeit verlängern dagegen die Überlebenszeit. Unter 16 Grad Celsius können sich Krätzmilben nur noch eingeschränkt bewegen und nicht mehr in die Haut eindringen.

Wie gefährlich ist Krätze?

Das Risiko sich bei einer Person mit Krätze anzustecken steigt mit der Anzahl der Milben auf deren Hautfläche. Bei Skabies im Endstadium, also starkem Befall, und Scabies crustosa (Krusten- oder Borkenkrätze) ist es sehr hoch. Hier können bereits abgelöste Schuppen oder Kontakt mit körpernaher Kleidung zur Ansteckung führen.

Die typischen Krätze-Anzeichen (Juckreiz und Hautpapeln) zeigen sich beim ersten Befall erst im Verlauf: in der Regel etwa vier Wochen nach der Infektion. Solange bleibt die Krankheit am Anfang beziehungsweise in dieser Phase unbemerkt und kann auf weitere Personen übertragen werden.

Der Krätze-Befall einer Privatperson ist nicht meldepflichtig. Institutionen wie Pflegeeinrichtungen, Sammelunterkünfte, Schulen oder Kindergärten (Kita) müssen (Verdachts-)Fälle hingegen beim zuständigen Gesundheitsamt umgehend anzeigen (Infektionsschutzgesetz (IfSG) § 6 und 7).

Besonders ansteckende Krätze

Neben der gewöhnlichen Krätze gibt es die Krustenskabies (Scabies crustosa), früher auch Borkenkrätze (Scabies norvegica) genannt. Diese kommt überwiegend bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem vor. Bei ihnen können sich die Milben ungehemmt vermehren, sodass bis zu mehrere Millionen auf und in der Haut vorkommen. Die Skabies crustosa ist hoch ansteckend, bereits kurzer Hautkontakt kann zur Infektion führen.

Die durch Scabies crustosa ausgelösten Hautveränderungen unterscheiden sich deutlich von denen der gewöhnlichen Krätze. Die Haut rötet und verdickt sich an den befallenen Stellen. Es bilden sich Schuppen und Krusten. Zudem können Bakterien Entzündungen auslösen und durch die geschädigte Haut in die Blutbahn gelangen. Dann droht eine Blutvergiftung (Sepsis). Bei Scabies crustosa werden auch Kopfhaut, Gesicht, Hals und Nägel von den Milben befallen.

Wegen der geschwächten Immunabwehr der Betroffenen kann Scabies crustosa ohne den für gewöhnliche Krätze typische Juckreiz verlaufen. Da das Hautbild (Ekzem) zudem nicht die typischen Papeln (Knötchen) aufweist, wird die Diagnose oft verzögert gestellt. Eine weitere, aber seltene Form der Krätze ist die Scabies nodosa. Sie verursacht rundliche, oft rotbraune und bis zu 20 Millimeter große Knoten und extremen Juckreiz.

In vielen Ländern der Südhalbkugel der Erde sind Krätze-Infektionen häufig. Die Milben befallen häufig Kinder. Die gewöhnliche Krätze sollte umgehend behandelt werden, ist aber kein medizinischer Notfall.

Die Diagnose: Den Milben auf der Spur

Die Diagnose kann nur ein Arzt zuverlässig stellen, den Betroffene jedoch erst aufsuchen, wenn sie Symptome bemerken. Bei Männern gelten starker Juckreiz und Papeln am Penisschaft nahezu als Beweis für Krätze. In der Regel sichert der Arzt die Diagnose durch weitere Untersuchungen ab. Dies kann ein Nachweis von Milben, deren Eiern oder Kot (Skybala) unter dem Mikroskop oder dem Auflichtmikroskop sein. Krätze kann unter anderem mit Neurodermitis verwechselt werden.  Für die Antwort auf die Frage „Krätze oder Neurodermitis?“ wird ebenfalls ein Hautgeschabsel unter dem Mikroskop auf Larven oder Milben untersucht.

Neu-Übertragung vermeiden

Um sich vollständig von den Krätzmilben zu befreien, ist unter anderem auch die Wohnung zu reinigen und Wäsche zu waschen. Folgende Maßnahmen sind ratsam:

  • Kleider, Bettwäsche und Handtücher direkt nach der Krätze-Behandlung wechseln, bei Scabies crustosa täglich.
  • Sämtliche Textilien und andere Gegenstände mit längerem Körperkontakt (zum Beispiel Blutdruckmanschette, Pantoffeln, Stofftiere) bei mindestens 50 Grad Celsius für wenigstens zehn Minuten waschen oder mit Hilfe eines Heißdampfgeräts dekontaminieren, um die Krätzmilben abzutöten.
  • Wenn eine Reinigung bei hoher Temperatur nicht möglich ist, können die Gegenstände und Textilien dicht in Plastik eingepackt und für 72 Stunden bei 21 Grad Celsius (möglichst konstante Temperatur) gelagert werden. Bei Scabies crustosa ist ein längerer Zeitraum nötig, mindestens sieben Tage.
  • Bei gewöhnlicher Krätze reicht es, Betten frisch zu beziehen. Matratzen müssen nur bei Scabies crustosa dekontaminiert werden.
  • Wer sicher gehen möchte, kann Polstermöbel, Kissen und Teppiche (auf denen der Krätze-Patient mit bloßer Haut längere Zeit gelegen hat) mit einem Staubsauger absaugen (Filter danach entsorgen) oder mindestens 48 Stunden lang nicht benutzen. Diese Maßnahme ist wegen der geringen Ansteckungsgefahr aber nicht zwingend erforderlich – außer bei Scabies crustosa. Hier gilt: Gegenstände mindestens sieben Tage meiden! Um Milben abzutöten, können auch Sprays gegen Krätze beziehungsweise Krätzmilben auf Textilien aufgetragen werden. Diese Maßnahme ist aber nicht Bestandteil der Liste mit Maßnahmen, die die Deutsche Dermatologische Gesellschaft vorgibt.

Krätze vorbeugen und Risikofaktoren vermeiden

Der Krätze sicher vorzubeugen ist kaum möglich, denn das hieße jeden engeren Kontakt mit anderen Menschen und deren Textilien zu vermeiden. Den meisten Betroffenen ist der Krätze-Befall nicht anzusehen, zumindest nicht offensichtlich.

Da Krätze nicht durch Hygienemaßnahmen zu verhindern ist, kann sich jeder infizieren. Verstärktes Waschen, Duschen, Baden oder Desinfizieren kann zwar helfen, die Anzahl der Krätzmilben niedrig zu halten. Ansiedeln und vermehren können sich die Parasiten trotzdem. Für einen Befall mit wenigen Milben, aber typischen Symptomen existiert sogar eine eigene Bezeichnung: gepflegte Krätze.

Krätze-Risiken senken

Besonders anfällig für eine Krätze-Infektion sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Bei ihnen können sich die Milben leicht massenhaft vermehren und eine Scabies crustosa auslösen. 

Wer einen Krätze-Patienten berühren muss (Ärzte und pflegende oder helfende Personen), sollte Einweghandschuhe tragen. Bei Scabies crustosa ist es eventuell zusätzlich ratsam auch einen Schutzkittel und einen Mundschutz zu tragen, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. 

Ein Risiko sind nicht nur unzureichend behandelte Krätze-Kranke, sondern auch die Textilien, die längere Zeit mit ihrer Haut in Berührung waren. Um andere Personen und sich selbst nicht (wieder) mit Krätze anzustecken, also um einen Wiederbefall mit Krätze zu vermeiden, müssen sämtliche fragliche Gegenstände bei mindestens 50 Grad Celsius gewaschen werden. Ist dies nicht möglich (wie bei Kuscheltieren, Sofakissen und Blutdruckmanschetten), sollten diese sicher für 72 Stunden bei 21 Grad Celsius ohne Kontakt zur menschlichen Haut verwahrt werden.

Tipps für eine gesunde Haut (Unser Podcast für ein gutes Körpergefühl – Folge #7)

Zu Gast im Podcast:

Dr. Yael Adler, Dermatologin im Privatärztlichen Zentrum für Haut, Venen & Lasermedizin in Berlin

Die Haut ist unsere größte Schnittstelle nach außen. Sie gibt Halt, schützt vor Krankheiten und reagiert empfindlich auf Reize, wie Hitze oder Kälte oder zu viel Sonneneinstrahlung.

Sie ist, ganz klar, der Spiegel der Seele, sagt Deutschlands wohl bekannteste Dermatologin Yael Adler aus Berlin.

In dieser Folge verrät die Expertin, wie wir unser größtes Organ pflegen sollten, welche Nahrungsmittel die Haut von innen heraus zum Strahlen bringen und welche ihr schaden. Die Medizinerin spricht über Reizungen und Pickel, warum sie entstehen und wie sie sich lindern lassen. Sie verrät außerdem, was die Haut auch im höheren Alter jung aussehen lässt.

Quellen
  • S1-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Skabies (Deutsche Dermatologische Gesellschaft, et al.); Stand: 31.01.2016
  • Online-Informationen Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V.: www.kinderaerzte-im-netz.de; Abruf: 29.01.22
  • Online-Informationen Deutscher Allergie- und Asthmabund e.V.: www.daab.de; Abruf: 29.01.22
  • Online-Informationen Robert Koch-Institut: www.rki.de; Abruf: 29.01.22
  • Online-Informationen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.infektionsschutz.de; Abruf: 29.01.22
  • Online-Informationen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.frauengesundheitsportal.de; Abruf: 29.01.22

Anzeige

Tipps für eine gesunde Haut von Dr. Monique Stengel

»

Mit welchem Mythos über die Haut wollten Sie schon immer mal aufräumen?

„Trockene Haut soll sich selbst helfen und nicht eingecremt werden, da sie sonst immer trockener wird und kein eigener Hauttalg mehr gebildet wird.“ Das ist falsch! Bei trockener Haut sollte die Haut unbedingt mit geeigneten Pflegecremes (nicht mit reinem Öl!) eingecremt werden, um sie in ihrer wichtigen Funktion als unsere Schutzbarriere zu unterstützen. Das gilt auch und gerade für Kinder mit Neurodermitis.

Wie können sich Patienten auf den Besuch beim Hautarzt vorbereiten?

Wenn eine Hautvorsorge ansteht, sollte die Haut nicht eingecremt werden, kein Make-up, Puder oder Haarspray und kein Nagellack angewendet werden. So kann der Hautarzt die Haut am besten in ihrem ursprünglichen Zustand beurteilen. Zur Hautvorsorge gehören nämlich auch die Untersuchungen der Kopfhaut und des Nagelorgans.

Worauf achten Sie bei der Auswahl von Hautpflegeprodukten?

Ich achte auf hochwertige pflegende Inhaltsstoffe, die der Haut helfen Feuchtigkeit zu binden wie etwa Harnstoff, Milch- und Hyaluronsäure und Squalan (ein durchsichtiges, geruchsneutrales Öl). Was ich meide, sind Silikone, Mineralöle, Parabene und möglichst auch Duftstoffe, da sie Allergien auslösen können.

Das vollständige Interview mit Dr. Monique Stengel finden Sie hier.

Dr. Monique Stengel,

Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten mit Praxis in 82319 Starnberg

Fachgebiet:

  • Haut- und Geschlechtskrankheiten


Teilgebiet:

  • Allergologie
  • Naturheilverfahren


Therapieschwerpunkt:

  • Dermatologie: Kosmetisch-ästhetische Dermatologie
  • Falten: Hyaluronsäure
  • Hautkrebs: Vorsorgeuntersuchung
  • Laserbehandlung
  • Pigmentflecken: Lasertherapie


Abrechnung:

nur Privatpatienten / Selbstzahler

Anzeige

Tipps für eine gesunde Haut von Dr. Tanja Fischer

»

Woran erkennt man einen guten Dermatologen?

Daran, dass er ganz genau hinsieht. Mit großem Interesse, Einfühlungsvermögen und Neugier. Denn Haut kann man lesen. Und viele Erkrankungen lassen sich auf ihr erkennen.

Was sollten alle Menschen über ihre Hautgesundheit wissen?

Bitte UV-Strahlen meiden, wo es geht! Im Sommer morgens zur Hautcreme gleich einen Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 30plus auftragen. 80 Prozent der Falten sind die Schuld der Sonne! Und Hautkrebs ist es meist auch.

Welche Fehler sind es noch, die Sie immer wieder sehen?

Zu viel des Guten! Immer wieder kommen Menschen mit übergepflegter Haut zu uns.  Zu viele Cremes, Seren, Peelings und Nahrungsergänzungsmitteln sorgen überhaupt nicht dafür, dass die Haut strahlt. Im Gegenteil ...

Das vollständige Interview mit Dr. Tanja Fischer finden Sie hier.

Dr. Tanja Fischer,

Fachärztin für Haut- und Geschlechtskrankheiten mit Praxis in 14467 Potsdam und 14193 Berlin

Fachgebiet:

  • Haut- und Geschlechtskrankheiten


Teilgebiet:

  • Allergologie


Therapieschwerpunkt:

  • Besenreiser
  • Dermatologie: Kosmetisch-ästhetische Dermatologie
  • Falten
  • Laserbehandlung
  • Botox und Filler: Focus Top Mediziner
  • Dermatologische Lasertherapie: Focus Top Medizin
  • Lippenkorrektur: Focus Top Mediziner


Abrechnung:

nur Privatpatienten/Selbstzahler

FOCUS-Gesundheit 01/24 – Einfach besser leben 2024

© FOCUS-Gesundheit

FOCUS-Gesundheit 01/2024

Einfach besser leben 2024
Viele Alterungsprozesse lassen sich nachweislich bremsen. Was uns jung hält. Wie wir Lust an Bewegung (wieder) finden. Plus: Übungen fürs Home-Workout. U.v.m.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel enthält allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Den passenden Arzt finden Sie über unser Ärzteverzeichnis.

Höchster Qualitätsanspruch: So arbeiten wir.

Fragen? Schreiben Sie uns!

Dr. Andrea Bannert

Redaktionsleitung DIGITAL FOCUS-Gesundheit

Facebook Logo Instagram Logo Email Logo
Fragen Bild
Redaktor Bild

Hinweis der Redaktion

Im Sinne einer besseren Lesbarkeit unserer Artikel verwenden wir kontextbezogen jeweils die männliche oder die weibliche Form. Sprache ist nicht neutral, nicht universal und nicht objektiv. Das ist uns bewusst. Die verkürzte Sprachform hat also ausschließlich redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung. Jede Person – unabhängig vom Geschlecht – darf und soll sich gleichermaßen angesprochen fühlen.