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Eierstockentzündung und Eileiterentzündung

Eine Eierstock- und Eileiterentzündung verursacht Symptome wie Unterbauchschmerzen, Fieber, Ausfluss. Wie sie entsteht und was sich dagegen tun lässt.

Geprüft von Werner Siefer, Biologe

Veröffentlicht:
Aktualisiert: 2023-09-26T00:00:00+02:00 2023-09-26T00:00:00+02:00

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Inhaltsverzeichnis
Junge Frau deutet Bauchschmerzen an.

© Shutterstock

Eine Eierstockentzündung und eine Eileiterentzündung betrifft die weiblichen, im Becken gelegenen Geschlechtsorgane. In den Eierstöcken (Ovarien) reifen während der fruchtbaren Lebensphase der Frau Eizellen heran, zudem bilden sie die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron. In unmittelbarer räumlicher Nähe befinden sich die Eileiter, welche die Eizellen auf dem Weg zur Gebärmutter passieren.

Eine alleinige Entzündung der Eierstöcke (Oophoritis) ist sehr selten. Häufiger findet man hingegen eine Eierstockentzündung zusammen mit einer Eileiterentzündung. Fachleute bezeichnen dies als Adnexitis. Ist ausschließlich der Eileiter entzündet, wird dies in der Fachsprache als Salpingitis bezeichnet.

Eierstockentzündung und Eileiterentzündung: Symptome

Manchmal sind die Symptome einer Eierstockentzündung und einer Eileiterentzündung so gering ausgeprägt, dass Betroffene sie kaum bemerken, und so die Eierstockentzündung nicht erkennen. Normalerweise macht sich eine Eierstockentzündung und eine Entzündung der Eileiter durch Symptome deutlich bemerkbar. Zu unterscheiden ist hier zwischen einer akuten und einer chronischen Eierstockentzündung. Die Anzeichen sind hier jeweils andere.

Manche Frauen fragen sich, ob sie eine Eierstockentzündung durch einen Selbsttest erkennen können. Zwar gibt es Selbsttests zur Erkennung verschiedener Geschlechtskrankheiten, die unter anderem zu einer Entzündung von Eierstöcken und Eileitern führen können. Sie sollten aber immer ärztlichen Rat einholen, wenn Symptome einer Adnexitis bestehen. So lässt sich die genaue Ursache herausfinden und eine gezielte Behandlung einleiten.

Akute Eierstockentzündung

Hauptsymptom einer akuten Eierstockentzündung sind Schmerzen im Unterbauch, die meist plötzlich einsetzen. Bei einer akuten Adnexitis können diese Symptome nur links, rechts oder aber über den gesamten Bauchraum ausstrahlend spürbar sein. Die Unterleibsschmerzen können sich insbesondere nach der Periode bemerkbar machen, und zwar oft in Form mehr oder weniger heftiger Krämpfe oder Stiche. Die Bauchdecke ist gespannt und druckempfindlich.

Weitere Begleiterscheinungen bei einer akuten Eierstock- und Eileiterentzündung sind häufig

  • Fieber
  • allgemeines Krankheitsgefühl/Abgeschlagenheit
  • Übelkeit und Erbrechen
  • ein eitriger, übelriechender Scheidenausfluss
  • Zwischenblutungen und Schmerzen beim Wasserlassen, beim Stuhlgang (Verstopfung oder Durchfall) und Geschlechtsverkehr.

Bei den genannten Symptomen ist es unbedingt ratsam, sobald wie möglich ärztliche Hilfe einzuholen.

Chronische Eierstockentzündung

Symptome wie Rückenschmerzen, vor allem im unteren Rückenbereich begleiten dagegen die chronische Variante der Eierstockentzündung. Als chronisch bezeichnet man diese Erkrankung, wenn nach der akuten Entzündung immer wieder Beschwerden auftreten. Neben den Rückenschmerzen können folgende Symptome bei einer chronischen Eierstockentzündung auftreten:

  • ein Schwere- oder Druckgefühl im Unterleib
  • unregelmäßige und/oder schmerzhafte Regelblutung
  • Blähungen
  • Verstopfung

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Eierstockentzündung und Eileiterentzündung: Ursachen

Die Eierstockentzündung und die Entzündung der Eileiter zählt zu den Unterleibsentzündungen. Fachleute bezeichnen sie auch als Pelvic inflammatory Disease (PID). Häufig sind Frauen im gebärfähigen Alter betroffen, vor allem junge, sexuell aktive Frauen bis Mitte 20. Auch wenn Eierstockentzündung (Oophoritis) und Eileiterentzündung (Salpingitis) eigentlich zwei unterschiedliche Erkrankungen sind, treten sie so gut wie immer zusammen auf. Da beide außerdem die gleiche Behandlung erfordern, fassen Mediziner sie unter dem Begriff Adnexitis zusammen, angelehnt an „Adnexe“, den Fachbegriff für Eierstöcke und Eileiter, die Anhangsorgane der Gebärmutter. Eine Eierstockentzündung kann lebensbedrohlich werden.

Mikrobielle Erreger

Woher kommt eine Eierstockentzündung? Dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zufolge zählen verschiedene Erreger zur den Adnexitis-Ursachen. Woher die Infektion kommt, ist also unterschiedlich, meist stecken Bakterien dahinter, am häufigsten sexuell übertragbare Gonokokken oder Chlamydien, aber auch Umwelt- und Darmkeime wie Staphylokokken, Streptokokken, E. Coli oder Clostridien. Seltener sind auch Viren Ursache der Erkrankung.

In der Mehrzahl der Fälle gelangen die Bakterien über die Scheide in Eileiter und Eierstöcke. Experten nennen das aszendierende, also aufsteigende, Infektion. Gehen die Erreger von einem entzündeten Nachbarorgan auf die Adnexe über (etwa bei einer Blinddarmentzündung), ist dies eine deszendierende oder absteigende Infektion.

Möglich, aber selten, ist es auch, dass die Krankheitserreger über die Blutbahn zu Eileiter und Eierstöcken wandern (hämatogene Infektion) oder eine Operation die Eierstockentzündung auslöst (postoperative Infektion).

Risikofaktoren

Als Risikofaktoren für eine aufsteigende Infektion gelten ungeschützter Geschlechtsverkehr (ohne Kondom) mit wechselnden Partnern, ein schwaches Immunsystem, Geburt und Wochenbett, Beginn der Sexualkontakte in jungen Jahren und individuelle Hygiene. Eine Eierstockentzündung durch Verkühlung kann entstehen, allerdings indirekt: Kälte kann Blasenbeschwerden (z. B. eine Blasenentzündung) hervorrufen und als Nachfolgeerkrankung zu einer Eierstockentzündung führen. Psychische Ursachen lösen normalerweise ebenfalls nicht allein eine Adnexitis aus. Allerdings kann die Psyche bei chronischen Unterleibsschmerzen eine Rolle spielen. Und auch, dass eine chronische Eierstockentzündung die Lebensqualität merklich einschränkt, lastet vielen Frauen auf der Seele.

Eierstockentzündung und Eileiterentzündung: Behandlung

Eine Eierstockentzündung und Eileiterentzündung kann schwere Konsequenzen wie Unfruchtbarkeit oder Verwachsungen nach sich ziehen oder sogar lebensbedrohlich werden. Entsprechend wichtig ist es, dass eine Adnexitis-Behandlung frühzeitig erfolgt.

Eierstockentzündung: Medikamente

Meist setzen Ärzte bei einer Eierstockentzündung Antibiotika ein, um die (wahrscheinlich) verursachenden Bakterien abzutöten und zu verhindern, dass sie sich weiter im Körper verbreiten.

Auch Medikamente gegen Entzündung und Schmerzen kommen bei einer Eierstockentzündung zum Einsatz, zum Beispiel Ibuprofen.

Für gewöhnlich lässt sich eine Eierstockentzündung gut medikamentös therapieren. Wirken die Medikamente allerdings nicht oder gibt es Komplikationen (Abszess, Bauchfellentzündung usw.) ist eventuell aber eine Operation notwendig.

Ein operativer Eingriff kommt auch bei chronischen Eierstockentzündungen in Frage, wenn sich die Symptome durch Medikamente nicht bessern. Oft genügt es, wenn der Arzt Narbengewebe oder Verwachsungen entfernt, manchmal muss er aber auch Eileiter, Eierstöcke oder Gebärmutter herausnehmen.

Eierstockentzündung: Hausmittel

Eine Eierstockentzündung selbst behandeln, ohne Rücksprache mit einem Arzt, sollten Sie niemals aufgrund der möglichen Komplikationen und der Gefahr, dass sie chronisch wird! Bei einer Eierstockentzündung können Sie die schulmedizinische Behandlung aber um Hausmittel ergänzen, um den Heilprozess zu unterstützen oder die Schmerzen zu lindern. Fragen Sie jedoch immer erst Ihren behandelnden Arzt welche Maßnahmen unbedenklich sind!

Betroffene sollten sich auf jeden Fall schonen und bestenfalls Bettruhe einhalten. Wie lange bei einer Eierstockentzündung Bettruhe erforderlich ist, hängt vom individuellen Fall ab. Spricht aus ärztlicher Sicht nichts dagegen, kann bei einer Eierstockentzündung Tee aus Pflanzen mit entkrampfender und/oder entzündungshemmender Wirkung (z. B. Kamille oder Schafgarbe) guttun. Ebenfalls wohltuend bei einer Eierstockentzündung können Wärme oder Kälte sein. Allerdings sollte Wärme nur dann angewendet werden, wenn kein Fieber mehr besteht und die Entzündung unter der Behandlung schon abgeklungen ist. Bei Fieber ist es mitunter besser, den Unterbauch mit Eis zu kühlen. Einen Eisbeutel jedoch nie direkt auf die Haut auflegen, sondern immer zum Bespiel ein Handtuch dazwischen legen.

Bleiben Sie für die Dauer der Eierstockentzündung zudem sexuell enthaltsam und lassen Sie eine gegebenenfalls vorhandene Spirale entfernen. Handelt es sich um sexuell übertragbare Erreger, muss auch der Partner mitbehandelt werden.

Eierstockentzündung in der Schwangerschaft

Eine Eierstockentzündung beziehungsweise Adnexitis kann auch während der Schwangerschaft auftreten. Dann ist eine frühzeitige, ärztliche Behandlung sehr wichtig, um das Risiko einer Fehl- oder Frühgeburt zu reduzieren. Bei einer Eierstockentzündung in der Schwangerschaft ist ebenfalls eine Antibiotikabehandlung möglich, da schwangerschaftsverträgliche Präparate zur Verfügung stehen.

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Eierstockentzündung und Eileiterentzündung: Dauer

Wie lange Sie durch eine Eierstockentzündung krank sind beziehungsweise sich krank fühlen, hängt von deren Verlauf und Schweregrad ab. Prinzipiell ist die Prognose für eine Adnexitis umso besser, je früher die Behandlung beginnt. Rund 80 Prozent der Betroffenen haben nach einer medikamentösen Therapie keine weiteren Beschwerden. Eine Antibiotikabehandlung dauert in der Regel rund 20 Tage, die Medikamente müssen Sie unbedingt bis zum Ende durchnehmen, damit sich keine resistenten Erreger bilden.

Eierstockentzündung und Eileiterentzündung: Folgen

Wird eine Eierstockentzündung beziehungsweise Adnexitis frühzeitig erkannt und behandelt, sind oft keine Folgen zu befürchten. Unbehandelt kann es jedoch zu Komplikationen kommen. Akute bakterielle Entzündungen von Eierstock und Eileiter können etwa auf andere Organe übergreifen, im Extremfall ist eine Bauchfellentzündung und auch eine Blutvergiftung (Sepsis) möglich.

Zudem kann es als Folge einer Adnexitis zu Verklebungen und Vernarbungen der Eileiter kommen. Dadurch steigt das Risiko für eine Eileiterschwangerschaft (Extrauteringravidität). Sind die Eileiter vollständig verklebt, kann eine Frau als Folge einer Eierstockentzündung unfruchtbar sein.

Eierstockentzündung: Diagnose

Wie in den meisten Fällen, wird sich auch bei einer Eierstockentzündung der Arzt zunächst einmal mit der Patientin unterhalten, um erste Informationen zu erhalten, zum Beispiel über Art, Heftigkeit und erstmaliges Auftreten der Symptome. Darauf folgen eine körperliche Untersuchung (Tastuntersuchung), ergänzt durch Laboranalysen oder auch bildgebende Verfahren, um die Auslöser der Eierstockentzündung zu bestimmen. Folgende Befunde helfen bei der Diagnostik der Eierstockentzündung:

  • Tastuntersuchung: Ein typischer Befund bei der Tastuntersuchung ist der sogenannte Portioschiebeschmerz. Dabei schiebt der Arzt seine Finger bei der vaginalen Untersuchung vorsichtig Richtung Muttermund (Portio). Verursacht dieser Druck Schmerzen, kann dies ein Hinweis auf eine Eierstockentzündung sein.
  • Blutuntersuchungen: Die Blutwerte beziehungsweise die Ergebnisse einer Blutprobenanalyse können typische Zeichen einer akuten Entzündung sichtbar machen (vermehrte Anzahl an weißen Blutkörperchen und erhöhte Werte von Entzündungsproteinen, wie CRP)
  • Laboruntersuchungen: Ein Abstrich von Scheide oder Gebärmutterhals kann bei der Identifizierung der Krankheitserreger helfen.
  • Ultraschalluntersuchung: Kommt bei einer Eierstockentzündung Ultraschall zum Einsatz, geschieht das einerseits, um feststellen, ob sich irgendwo Flüssigkeit angesammelt hat, andererseits lassen sich so andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen wie Krebs oder eine Eileiterschwangerschaft ausschließen. Manchmal erfolgt bei einer Eierstockentzündung auch eine vaginale Sonografie, mit der sich der Arzt die Organe von innen anschauen kann.
  • Andere Bildgebungsverfahren: Seltener kommt zur Abklärung eine Magnetresonanztomografie zum Einsatz.
  • Bauchspiegelung: Mitunter klärt eine Bauchspiegelung das Ausmaß der Entzündung, die Untersuchung ist zudem oft hilfreich, um andere mögliche Erkrankungen, auszuschließen.

Ist die Diagnose nicht ganz eindeutig, ist es wichtig andere Erkrankungen, die mit ähnlichen Symptomen einhergehen, auszuschließen (Differenzialdiagnose), dazu zählen zum Beispiel:

  • Eileiterschwangerschaft, Mediziner sprechen auch von Extrauteringravidität (EUG).
  • Blinddarmentzündung
  • Nierensteine, beziehungsweise Steine, die in den Harnleiter gelangt sind
  • Tuberkulose
  • Divertikulitis, eine Entzündung von Ausstülpungen (Divertikel) im Bereich des Dickdarms oder Enddarms
  • Tumoren an Gebärmutter, Eierstock oder Eileiter
  • Seelische Probleme
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Quellen
  • Janni, W et al.: Facharztwissen Gynäkologie; Elsevier Verlag; 3. Auflage 2021
  • Uhl, B.: Gynäkologie und Geburtshilfe Compact; Thieme Verlag; 6. Auflage 2017
  • Hofmann, H & Geist, C (Hrsg.): Geburtshilfe und Frauenheilkunde: Lehrbuch für Gesundheitsberufe; De Gruyter Verlag, 2012
  • Online-Informationen Berufsverband der Frauenärzte e. V. Adnexitis/Salpingitis/ pelvic inflammatory disease: Diagnostik: www.frauenaerzte-im-netz.de; Abruf: 19.07.2023
  • Online-Informationen Berufsverband der Frauenärzte e. V. Adnexitis/Salpingitis/ pelvic inflammatory disease: Ursachen und Risikofaktoren: www.frauenaerzte-im-netz.de; Abruf: 19.07.2023
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