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Leberwerte

Welche Leberwerte normal sind, welche Ursachen erhöhte Werte haben können und wie sich diese senken lassen.

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Inhaltsverzeichnis
Hier sitzt die Leber im Körper

© Stockphoto

Zusammenfassung:

  • Definition: Leberwerte geben Auskunft darüber, in welcher Konzentration bestimmte Eiweiße wie AST, ALT, Gamma-GT, GLDH und AP sowie Bilirubin (Gallenfarbstoff) im Blut vorliegen.
  • Funktion: Sie sind wichtige Messwerte für Leber- und Gallenerkrankungen.
  • Erhöhte Leberwerte treten zum Beispiel bei einer Fettleber, Alkoholismus, Hepatitis und Gallenstau auf.
  • Niedrige Leberwerte können auf Leberschäden hindeuten.

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Was sind Leberwerte und welche Leberwerte gibt es?

Die Leber liegt im rechten Oberbauch, direkt unter dem Zwerchfell und ist das größte innere Organ des Menschen. Sie ist zum Beispiel dafür zuständig, den Fett- und Zuckerstoffwechsel zu regulieren, Schadstoffe wie Alkohol oder Medikamente abzubauen und Galle für die Verdauung zu produzieren.

Als Leberwerte bezeichnet man verschiedene Laborwerte, die Hinweise auf eine Erkrankung der Leber oder der Gallenwege geben und somit zur Diagnostik dienen. Es gibt Leberwerte, die:

  • eine Leberschädigung
  • eine Störung der Leberfunktion
  • einen Gallenstau

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Leberwerte, die auf eine Leberschädigung hinweisen

Leberzellen (Hepatozyten) brauchen bestimmte Eiweiße für ihren Stoffwechsel. Diese Eiweiße sind entweder im Inneren der Leberzellen vorhanden oder an die Membran der Leberzellen gebunden. Wenn Leberzellen geschädigt werden und absterben, geben sie die Eiweiße vermehrt frei. Diese gelangen in die Blutbahn und können auf eine Lebererkrankung hindeuten. Zu diesen Eiweißen gehören:

  • Alanin-Aminotransferase, kurz ALT (andere Bezeichnung: Glutamat-Pyruvat-Transaminase, GPT): Das Eiweißenzym kommt hauptsächlich in der Leber vor und wird freigesetzt, wenn Leberzellen zerstört werden.
  • Aspartat-Aminotransferase, kurz AST (andere Bezeichnung: Glutamat-Oxalacetat-Transaminase, GOT): Das Eiweiß kommt ebenfalls in den Leberzellen vor, aber auch in Muskelgewebe. Ein Anstieg dieser Werte kann daher auch auf eine Erkrankung in anderen Körperbereichen hindeuten.
  • Gamma-Glutamyltransferase (Gamma-GT): Das Eiweiß bindet an die Membran der Leberzellen und wird bereits bei einer kurzzeitigen Leberbelastung, etwa Alkoholkonsum am Vorabend, vermehrt freigesetzt.
  • Glutamatdehaydrogenase (GLDH): Das Enzym spielt eine wichtige Rolle bei der Produktion der Aminosäure Glutamat. GLDH kommt in vielen Organen vor, hauptsächlich aber in der Leber.

Leberwerte, die auf eine Funktionsstörung der Leber hindeuten

Leberzellen produzieren bestimmte Eiweiße und Gerinnungsfaktoren. Sind Leberzellen geschädigt, können sie sie nicht mehr herstellen und die Konzentration dieser Substanzen sinkt. Daher sind diese Laborwerte gute Marker für die Funktionsfähigkeit der Leberzellen. Zu diesen Leberwerten gehören:

  • Albumin: Transportproteine, die dafür sorgen, dass wasserunlösliche Stoffe wasserlöslich werden.
  • Cholinesterease (ChE): von der Leber gebildetes Eiweiß, das für den Abbau von Neurotransmittern wichtig ist.

Quickwert (TPZ): In der Leber werden Gerinnungsfaktoren gebildet. Der Quick-Wert gibt an, wie schnell das Blut gerinnt.  

Leberwerte, die auf einen Gallenstau hinweisen

Die Galle wird von der Leber gebildet. Sie kann sich stauen, wenn die Leber geschädigt ist und nicht mehr einwandfrei arbeitet. Dies ist zum Beispiel bei einer Leberzirrhose der Fall. Besteht der Verdacht auf einen beeinträchtigten Gallefluss lässt der Arzt insbesondere folgende Laborwerte untersuchen:

  • Alkalische Phosphatase (AP): Das Enzym ist zum Beispiel für die Abspaltung von Eiweißen zuständig und kommt u.a. in der Leber und in den Gallengängen vor.
  • Gamma-Glutamyltransferase (Gamma-GT): Das Eiweiß ist auch in den kleinen Gallengängen, die innerhalb der Leber liegen, vorhanden und wird bei einem gestörten Gallefluss vermehrt freigesetzt.
  • Bilirubin: Es entsteht beim Abbau der roten Blutkörperchen und wird von der Leber über die Galle in den Dünndarm abgegeben. Ist die Leber beschädigt, reichert sich Bilirubin im Blut an und kann eine gelbliche Verfärbung der Haut und Augen verursachen (Gelbsucht).

Viele Lebererkrankungen sind im frühen Stadium oft gut behandelbar oder lassen sich durch einen geänderten Lebensstil beeinflussen. Eine Schädigung der Leberzellen kann man in der Regel gut an den veränderten Leberwerten, die im Blut nachweisbar sind, erkennen. Während einige Leberwerte (AST, ALT, Gamma-GT, AP, Bilirubin) bei einer Lebererkrankung ansteigen, sind andere Leberwerte (Albumin, ChE, TPZ) bei einem Leberschaden verringert.

Allerdings ist die Veränderung nur eines Leberwerts wenig aussagekräftig. Weichen mehrere Leberwerte im Blutbild von der Norm ab, deutet dies auf eine Lebererkrankung hin. Häufige Ursachen hierfür sind Alkoholmissbrauch, Vireninfektionen, eine fettreiche Ernährung oder Gallenwegserkrankungen (siehe Abschnitt: Erhöhte Leberwerte: Ursachen).

Die Kontrolle der Leberwerte gehört nicht zur ärztlichen Routineuntersuchung. Nur wenn bei einem Patienten bestimmte Risikofaktoren wie Diabetes, Übergewicht und/oder chronischer Alkoholkonsum  vorliegen, lässt der Arzt die Leberwerte im Labor zur Kontrolle bestimmen.

Leberwerte: Normalwerte

Folgende Tabelle zeigt, welche Leberwerte im Blut bei Erwachsenen normal sind:

Leberwert Normalwert
ALT (GPT)
  • Frauen: 10 - 35 U/l
  • Männer: 10 - 50 U/l
AST (GOT)
  • Frauen: 10 - 35 U/l
  • Männer: 10 - 50 U/l
Gamma-GT
  • Frauen: bis 40 U/l
  • Männer: bis 60 U/l
GLDH
  • Frauen: bis 5,0 U/l
  • Männer: bis 7,0 U/l
AP
  • Frauen: 35 - 105 U/l
  • Männer: 40 - 130 U/l
Bilirubin Bis 1,1mg/dl
Thromboplastinzeit nach Quick 70 - 120%

 

Die Blutwerte können allerdings von Labor zu Labor verschieden ausfallen. Dabei spielen die eingesetzten Messmethoden und Analyseverfahren eine Rolle. Außerdem können sich die Referenzwerte von Laboren hinsichtlich der Grenzwerte für Diagnose und Therapie unterscheiden. Aber auch tageszeitliche Schwankungen bei den Patienten können die Leberwerte beeinflussen.

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Erhöhte Leberwerte

Wenn Leberzellen geschädigt sind, werden bestimmte Enzyme freigesetzt und gelangen in erhöhter Konzentration ins Blut. Eine leichte Erhöhung der Leberwerte kommt häufiger mal vor, etwa weil man am Vorabend Alkohol getrunken hat, und muss nicht in jedem Fall ein Alarmzeichen für eine Erkrankung sein. Zudem ist die Veränderung nur eines Leberwertes wenig aussagekräftig. Sind jedoch mehre Leberwerte zu hoch, deutet dies meist auf einen Leberschaden hin. Die Ursache für schlechte Leberwerte ist zum Beispiel chronischer Alkoholmissbrauch, eine Virushepatitis oder fetthaltige Ernährung.

Sind mehrere Leberwerte verändert, ist auch das Verhältnis verschiedener Werte zueinander (Quotient) bei der Diagnose hilfreich. Ein Beispiel ist das Verhältnis von AST und ALT (Ärzte bezeichnen dies als „De-Ritis-Quotienten“). Ist der Wert kleiner als eins, weist dies auf eine akute Virushepatitis hin. Wenn der Wert größer als eins ist, deutet dies hingegen auf eine chronische Hepatitis hin. Ein Wert, der größer als zwei ist, tritt meist bei einer alkoholbedingten Leberschädigung auf.

Ein anderer Quotient bezieht sich auf die Summe von AST und ALT und teilt sie durch den Messwert von GLHD. Kommt dabei ein Wert heraus, der unter 20 liegt, kann dies etwa auf eine biliäre Zirrhose oder auf Lebermetastasen hinweisen.

Erhöhte Leberwerte: Ursachen

Es gibt einerseits Erkrankungen der Leber, die veränderte Leberwerte auslösen. Anderseits können auch einige Krankheiten, die nicht mit der Leber zusammenhängen, zu erhöhten Leberwerten führen. So können Leberwerte auch durch einen grippalen Infekt vorübergehend ansteigen.  

Häufige Gründe für erhöhte Leberwerte:

ALT:

  • Leberentzündung (Hepatitis)
  • Fettleber
  • Leberschaden (zum Beispiel durch eine Pilzvergiftung)
  • Leberzirrhose (insbesondere bei Alkoholmissbrauch)
  • Leberkrebs

AST:

  • Leberentzündung (Hepatitis)
  • Fettleber
  • Entzündung der Gallenwege
  • Gallenstau
  • Leberkrebs

Gamma-GT:

  • Fettleber
  • Unkomplizierte Virushepatitis
  • Chronischer Alkoholkonsum
  • Leberstauung (im Rahmen einer Rechtsherzschwäche)
  • Leberzirrhose
  • Chronisch aktive Hepatitis
  • Primär biliäre Zirrhose (Entzündung der Gallengänge, die innerhalb der Leber liegen)
  • Lebertumor
  • Lebermetastasen
  • Verschlussikterus (Gelbsucht durch einen Verschluss der Gallenwege, zum Beispiel durch einen Gallenstein)
  • Entzündung der Gallenwege (Cholangitis)
  • Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis)

GLDH:

  • Chronische Leberentzündung (Hepatitis)
  • Leberzirrhose
  • Leberkrebs
  • Leberschädigung (zum Beispiel durch eine Pilzvergiftung)
  • Gelbsucht (durch Verschluss der Gallenwege)

Die Leberwerte AP und Bilirubin sind vor allem bei Erkrankungen, die einen Gallestau auslösen, erhöht. Auch der Gamma GT-Wert kann in diesem Fall ansteigen. Häufige Gründe für diese erhöhten Leberwerte sind:

  • Gallenabflussstörung (Cholestase)
  • Entzündung der Gallengänge
  • Gallensteine

Die alkalische Phosphatase (AP) ist bei Lebererkrankungen vermindert. Ein erhöhter Wert kommt bei zum Beispiel bei einem Osteosarkom, Knochenmetastasen, Rachitis oder der Knochenerkrankung Morbus Paget vor.

Leberwerte zu hoch: Symptome

Erhöhte Leberwerte führen nicht automatisch zu Symptomen. Leberschäden machen sich anfangs meist durch allgemeine Symptome bemerkbar wie Müdigkeit und Abgeschlagenheit sowie ein Druckgefühl oder Schmerzen im rechten Oberbauch, heller Stuhl und hellbrauner Urin. Weitere Beschwerden treten je nach Ursache auf.

Leberwerte senken

Um erhöhte Leberwerte zu senken, muss die Ursache behandelt werden. Bei einer Leberentzündung (Hepatitis) kann etwa eine virale Behandlung zum Einsatz kommen.

Darüber hinaus wird Patienten in der Regel auch eine Veränderung ihres Lebensstils empfohlen, um ihre Leberwerte zu verbessern. Folgende Maßnahmen können helfen, die Leber zu entlasten und Leberwerte zu senken:

  • Wenig oder gar keinen Alkohol trinken (ein kompletter Verzicht ist insbesondere bei chronischen Lebererkrankungen notwendig)
  • Übergewicht reduzieren und ein Normalgewicht erreichen (eine Ernährungsberatung kann hierbei hilfreich sein)
  • Regelmäßige Bewegung (jeden Tag mindestens 30 Minuten körperlich moderat anstrengen, zum Beispiel durch einen flotten Spaziergang)

Was essen bei erhöhten Leberwerten?

Mit folgenden Ernährungs-Tipps stärken Sie Ihre Leber:

  • Ballaststoffreiche Kost: Ballaststoffe helfen, den Fettstoffwechsel zu regulieren und Fettansammlungen in der Leber zu vermindern.
  • Proteinhaltige Speisen: Eiweiße sind für die Reparatur und Regeneration von Leberzellen wichtig. Geeignete Eiweißquellen sind zum Beispiel Hühnerfleisch, Forelle, Eier, fettarme Milchprodukte, Hülsenfrüchte und Tofu.
  • Endiviensalat, Radicchio und andere Bittergemüse: Sie regen die Galleproduktion an, wodurch Fette schneller verarbeitet werden.
  • Zuckerarme Kost: Vor allem Einfachzucker wie Fructose wird in der Leber verarbeitet und kann in hoher Menge eine Fettleber fördern.
  • Fett reduzieren: Vor allem gesättigte Fette vermeiden und ungesättigte Fette (zum Beispiel Omega-3-Fettsäuren, die etwa in Lachs, Walnüssen und Leinsamen enthalten sind) bevorzugen
  • Täglich genügend trinken: mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit sollten Sie jeden Tag zu sich nehmen (vor allem Wasser, ungesüßte Kräutertees)

Lassen sich Leberwerte auch mit Hausmitteln senken?

Einigen Hausmitteln wird nachgesagt, dass sie Leberwerte reduzieren können. Wissenschaftlich bewiesen ist dies jedoch nicht. Zu diesen Hausmitteln gehören:

  • Artischocke: Das mediterrane Gemüse enthält Cynarin und Cynaridin, die u.a. den Gallefluss anregen sollen.
  • Mariendistel: In der Pflanze steckt Silymarin, das für die Regeneration der Leberzellen wichtig sein soll.
  • Salbei: Er besitzt Bitterstoffe, die die Leber stärken und die Einlagerung von Fett in die Leberzellen verhindern soll. 

Besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt, ob die Anwendung empfehlenswert ist.

Leberwerte zu niedrig

Bestimmte Leberwerte (Albumin, ChE, TPZ) sinken bei einer Lebererkrankung. Das liegt daran, dass sie von der Leber produziert werden. Sind die Leberzellen geschädigt, werden sie in geringerer Menge gebildet. Somit können auch zu niedrige Leberwerte ein Anzeichen für eine Lebererkrankung sein.

Quellen
  • S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) zur Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-B-Virusinfektion; Stand: 06/2021
  • Online-Informationen Bundesärztekammer: www.bundesaerztekammer.de; Abruf 17.04.2024
  • Online-Informationen Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten e.V.: www.internisten-im-netz.de; Abruf 17.04.2024
  • Online-Informationen Deutsche Leberstiftung e.V: www.deutsche-leberstiftung.de; Abruf 17.04.2024
  • Online-Informationen Deutsche Leberhilfe e.V.: www.leberhilfe.org; Abruf: 17.04.2024

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