Werbung

Werbung

Herz-Bypass

Ein Herz-Bypass stellt die Blutversorgung des Herzmuskels wieder her. Alles über die Bypass-Op, den Ablauf und das Leben nach der Bypass-OP.

Werbung

Inhaltsverzeichnis
Herz-Bypass: Mit der Aortenkanüle, welches ein chirurgisches Instrument ist, schafft der Arzt eine Öffnung des Aortenlumens bei einer Herz-Kreislauf-Operation

© Shutterstock

Was ist ein Bypass am Herz?

Bypass ist ein englisches Wort, dessen Bedeutung sich ins Deutsche mit „Umgehung“, „Überbrückung“ oder „Umleitung“ übersetzen lässt. In der Medizin bezeichnet ein Bypass die Überbrückung eines verengten oder verschlossenen Blutgefäßes. Das kann ein Herzkranzgefäß sein, aber auch ein Blutgefäß am Bein, etwa bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK oder „Raucherbein“). Durch die Gefäßblockade wird der Blutfluss zu einem Organ oder Gewebe beeinträchtigt. Um diesen wiederherzustellen, legen Ärzte ein weiteres Blutgefäß neben die verstopfte Stelle, einen Bypass. Sie umgehen somit den Engpass im Blutgefäß.

Als Bypass verwenden Ärzte meist körpereigene Arterien oder Venen, die sie an anderer Stelle des Körpers entnehmen. Bei einem Herz-Bypass stammen die eingesetzten Gefäße meist aus der Brustwand, den Armen oder den Beinen der Patienten. Manchmal nutzen sie auch künstliche Bypässe aus Goretex oder Teflon.

Der Bypass am Herzen überbrückt ein verstopftes Herzkranzgefäß. Insgesamt gibt es drei Herzkranzgefäße, die das Herz umschließen. Sie versorgen den Herzmuskel mit Blut, Sauerstoff und Nährstoffen, damit er richtig arbeiten kann. Ablagerungen – sogenannte Plaques - können jedoch eines oder mehrere dieser Gefäße verengen oder ganz blockieren. Dann ist der Blutfluss zum Herzen eingeschränkt. Ärzte sprechen von der Koronaren Herzkrankheit (KHK). Diese kann wiederum in einem Herzinfarkt münden.

Werbung

Wann bekommt man einen Bypass?

Die Bypass-Operation ist eine Möglichkeit, um die Blutversorgung des Herzmuskels wieder sicherzustellen. In manchen Fällen setzen Mediziner auch einen Stent in das betroffene Gefäß. Das ist ein kleines Röhrchen, manchmal mit Medikamenten beschichtet, welches das Gefäß anschließend offen hält und es stabilisiert. Es soll einen Wiederverschluss des Gefäßes verhindern.

Ob Ärzte eine Herz-Bypass-Operation empfehlen, hängt von verschiedenen Faktoren ab, etwa welche und wie viele Herzkranzgefäße betroffen sind und wie stark sie verstopft sind. Das wichtigste Behandlungsziel ist es, den Blutfluss und damit die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung des Herzmuskels zu gewährleisten. So lässt sich das Risiko für einen (weiteren) Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen in vielen Fällen bannen.

Auch eine Umstellung der Lebensweise wirkt sich positiv auf die Gefäße aus. Dazu gehören zum Beispiel eine gesündere Ernährung, mehr Bewegung und das Nichtrauchen.  Auch Medikamente können dabei mithelfen, dass sich ein Gefäß nicht noch weiter verengt.

Manchmal genügen diese allgemeinen Maßnahmen jedoch nicht, etwa wenn ein Blutgefäß schon stark verengt oder sogar verschlossen ist. Dann bleibt oft nur der invasive Eingriff, also eine Operation. Manche haben auch schon Herzinfarkt erlitten und Ärzte entdecken erst jetzt eine Gefäßverengung oder einen Gefäßverschluss, den es zu behandeln gilt. Der Bypass nach einem Herzinfarkt ist eine wichtige Therapiemöglichkeit.

Arztsuche
Finden Sie mit Hilfe der FOCUS-Gesundheit Arztsuche den passenden Mediziner.

Bypass oder Stent?

Beim invasiven Eingriff gibt es zwei Optionen: Stent oder Bypass.

  • Ein Stent ist ein kleines Gitterröhrchen, das Ärzte in die verstopften Blutgefäße hineinschieben. Der Stent soll das Gefäß offen halten, stützen und verhindern, dass es sich wieder verengt. Der Vorteil einer Stent-Operation liegt darin, dass sie weniger invasiv ist als ein Bypass. Chirurgen können den Stent über eine kleine Öffnung an Hüfte oder Handgelenk durch das Gefäß bis zum Herzen vorschieben.
  • Die Bypass-Operation ist dagegen meist ein größerer Eingriff, bei dem Ärzte mitunter das Brustbein der Patienten öffnen müssen. Außerdem müssen sie ein Gefäß an einer anderen Stelle des Körpers entnehmen und es nahe dem Herzen als „Umleitung“ einpflanzen.

Wann immer es möglich ist, empfehlen Ärzte daher den Einsatz eines Stents. Doch manchmal ist eine Herz-Bypass unumgänglich. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: eine Verengung des linken Hauptstamms und eine komplexe Verengung mehrerer Herzkranzgefäße.

Als Hauptstamm wird jener Gefäßteil bezeichnet, der von der Hauptschlagader (Aorta) abgeht. Er bildet den Anfang der Herzkranzgefäße. Im weiteren Verlauf verzweigt sich das Gefäß, legt sich wie ein Geflecht ums Herz und versorgt das Organ mit Sauerstoff und Nährstoffen. Zwar sind die Herzkranzgefäße individuell unterschiedlich groß – doch die linke Koronararterie ist in der Regel deutlich größer als die rechte. Ist diese verengt oder verstopft, raten Ärzte zum Herz-Bypass. Das Gleiche gilt, wenn mehrere Herzkranzgefäße verengt oder blockiert sind. Dann sind Stents meist nicht ausreichend. Außerdem sind manche Gefäße über einen an der Hüfte eingeschobenen Katheter schwer zu erreichen.

Bypass OP: Herz

Die Bypass-Operation ist einer der häufigsten Eingriffe am Herzen. Etwa 60.000 Bypass-Operationen führen Herzchirurgen in Deutschland im Jahr durch.

Die Operation selbst findet unter Vollnarkose statt. Der weitere Ablauf der Bypass-Operation lässt sich so beschreiben:

  • Chirurgen entnehmen zunächst die später als Bypass eingesetzten Blutgefäße von einer anderen Körperstelle. In der Regel geschieht dies mittels  minimalinvasiver Technik, also einem kleinen Schnitt.
  • Anschließend öffnen sie den Brustkorb und durchtrennen das Brustbein, um an das Herz zu gelangen. Nicht in allen Fällen ist das nötig, manchmal kann der Bypass-Op auch minimalinvasiv erfolgen. Das hängt davon ab, wie gut die zu überbrückende Stelle für den Arzt zugänglich ist.
  • Anschließend legen Mediziner den Bypass, um die verengten oder verschlossenen Gefäße zu überbrücken. Das eine Ende des neuen Gefäßes setzen sie hinter die Verschlussstelle, das andere Ende verknüpfen sie direkt mit der Aorta.
  • Sind alle Bypässe gelegt, wird das Brustbein zusammengeklammert und der Brustkorb wieder verschlossen.

Wie lange die Dauer der Bypass-OP ausfällt, hängt davon ab, wo welche Bypässe gesetzt werden und ob es eventuell gleich mehrere sind. In der Regel brauchen die Ärzte dafür etwa drei bis fünf Stunden.

Werbung

Nach Bypass-OP

Nach der Bypass-Operation bleiben die Patienten noch einige Tage im Krankenhaus. Zum einen überwachen die Ärzte den Herzrhythmus, Blutdruck und sonstige Werte. Zum anderen beginnen Herzpatienten auch schon mit der ersten Bewegungstherapie. Die Dauer des Krankenhausaufenthalts nach einer Bypass-Op kann variieren. Üblich ist aber ein Zeitraum von ein bis zwei Wochen. Dann sind auch die Wunden soweit verheilt, dass Patienten aus dem Krankenhaus in eine gewöhnliche Rehabilitationsklinik wechseln können. Haben Ärzte während der Bypass-OP den Brustkorb geöffnet, wird eine größere Narbe zurückbleiben.

Nach spätestens drei Monaten sollten Patienten zur Nachsorge einen Termin bei einem Kardiologen wahrnehmen. Per Ultraschall kann der Arzt den Erfolg der Operation, die Durchgängigkeit der Gefäße und die Belastbarkeit des Herzmuskels prüfen. Mit einem Belastungs-EKG können Arzt und Patient testen, welche körperlichen Anstrengungen möglich und in Ordnung sind. Normalerweise können Patienten anschließend wieder ihren gewohnten Alltagstätigkeiten nachgehen. Dennoch sollten sie regelmäßig Nachsorge-Termine beim Kardiologen ausmachen. Er behält Ihr Herz gut im Blick und kann Veränderungen rechtzeitig aufzuspüren.

Bypass OP: Risiken

Eine Herz-Bypass-Operation ist ein größerer Eingriff, der mit Komplikationen verbunden sein kann. Es kann zum Beispiel zu einem Herzinfarkt oder Herzrhythmusstörungen kommen. Etwa 1 von 100 Operierten erleidet im Rahmen der Operation einen Schlaganfall. Außerdem können Blutungen im Herzbeutel, Infektionen, Schmerzen oder Probleme mit der Wundheilung auftreten.

Den meisten Behandelten hilft die Bypass-Operation jedoch. Bei circa 94 von 100 Patienten verringern sich die Beschwerden dauerhaft. Nur bei 6 von 100 Operierten ist innerhalb von vier Jahren ein weiterer chirurgischer Eingriff wegen neuer Verengungen nötig.

Neben einigen Komplikationen kann eine Bypass-OP noch eine Zeit lang Beschwerden verursachen. Sie sind jedoch für den Eingriff am Herzen normal. Einige Patienten bekommen Beschwerden im Bereich des Brustkorbs. Sie leiden oft unter Schmerzen zwischen den Schulterblättern. Hier hilft eine Physiotherapie. Auch kann ein Taubheitsgefühl in der Brust oder im Unterschenkel entstehen, wenn Ärzte die Vene für den Bypass im Bein entnommen haben.

Werbung

Leben nach der Bypass-OP

Grundsätzlich ist es nach einer Bypass-OP möglich, das gewohnte Leben ohne Einschränkungen fortzusetzen. Einige Tipps sollten sie jedoch beherzigen:

  • Erst nach 14 Tagen dürfen Operierte wieder duschen.
  • Das Brustbein ist nach sechs bis acht Wochen wieder verheilt. So lange müssen Operierte körperlich schonen. Sie sollten zum Beispiel keine schweren Gegenstände heben oder tragen.
  • Für etwa sechs Wochen nach dem Herz-Bypass sollten Patienten nicht selbst Autofahren. Als Beifahrer im Auto zu sitzen,  ist jedoch kein Problem. Auch Fliegen ist erlaubt.
  • Sport nach einer Bypass-OP ist ebenfalls kein Problem. Im Gegenteil: Ausreichend Bewegung kann sogar die Heilung unterstützen. Allerdings sollten Operierte auf ihre Belastbarkeit achten und sich nicht überanstrengen. In den ersten drei Monaten sollten sie zudem keine Sportarten treiben, bei denen das Brustbein in besonderem Maße beansprucht wird. Sie sollten also lieber Wandern, Joggen, Schwimmen oder Radfahren. Wer Zweifel hat, ob der geplante Sport nicht vielleicht doch ungeeignet oder zu anstrengend sein könnte, kann das mit dem Arzt besprechen. Und: bei dem Sport unangemessener Atemnot oder Schweißausbrüchen, Herzschmerzen oder -rasen direkt aufhören und den Arzt kontaktieren.

War das Herz vor der Herz-Bypass-Operation nicht schon geschädigt, gleicht die Lebenserwartung nach einem erfolgreichen Eingriff jener eines gesunden Menschen.

Quellen
  • Leitlinie: Nationale Versorgungsleitlinie Chronische KHK + NVL-Programm  (BÄK, KBV, AWMF); Stand: 01.04.2019
  • Online-Informationen Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG): www.dgthg.de; Abruf: 30.12.2021
  • Online-Informationen Patienten-Information.de: www.patienten-information.de; Abruf: 30.12.2021
  • Online-Informationen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de; Abruf: 30.12.2021
  • Online-Informationen Herzstiftung: www.herzstiftung.de; Abruf: 30.12.2021
  • Online-Informationen München Klinik: www.muenchen-klinik.de; Abruf: 30.12.2021

© FOCUS-Gesundheit

Die große Ärzteliste 2024

FOCUS-Gesundheit 02/24
Immuntheapien bremsen Nahrungsmittelallergien. Sexuell übertragbare Krankheiten treffen jedes Alter. Plus: 4.100 Experten für 126 Erkrankungen und Fachgebiete. U.v.m.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel enthält allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Den passenden Arzt finden Sie über unser Ärzteverzeichnis.

Höchster Qualitätsanspruch: So arbeiten wir.

Fragen? Schreiben Sie uns!

Dr. Andrea Bannert

Redaktionsleitung DIGITAL FOCUS-Gesundheit

Facebook Logo Instagram Logo Email Logo
Fragen Bild
Redaktor Bild

Hinweis der Redaktion

Im Sinne einer besseren Lesbarkeit unserer Artikel verwenden wir kontextbezogen jeweils die männliche oder die weibliche Form. Sprache ist nicht neutral, nicht universal und nicht objektiv. Das ist uns bewusst. Die verkürzte Sprachform hat also ausschließlich redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung. Jede Person – unabhängig vom Geschlecht – darf und soll sich gleichermaßen angesprochen fühlen.

Weitere Online-Angebote:

Services der © BurdaVerlag Data Publishing GmbH, Deutsches Institut für Qualität und Finanzen