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Sextortion: Jeder Siebte mit Nacktfotos erpresst

Sextortion-Studie: Erpressung mit Nacktaufnahmen weiter verbreitet als bisher angenommen - Queere Menschen werden doppelt so häufig Opfer wie heterosexuelle Personen.

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© AdobeStock

Sextortion. So nennt man die Erpressung mit Nacktfotos. Weltweit ist jeder siebte Erwachsene davon betroffen. Das hat jetzt erstmals eine Studie herausgefunden, die in der Fachzeitschrift Computers in Human Behavior veröffentlicht wurde – und in der auch Täter und Täterinnen zu Wort kamen. Das Royal Melbourne Institute of Technology (Australien) hat in Zusammenarbeit mit Google mehr als 16.000 Erwachsene in Australien, Nord- und Mittelamerika, Europa und Asien befragt. Die Ergebnisse sind alarmierend: 14,5 Prozent der Befragten gaben an, mindestens einmal Opfer von Sextortion geworden zu sein – und 4,8 Prozent gaben zu, solche Drohungen ausgesprochen zu haben.

Queere Menschen besonders oft betroffen

Die Studie macht deutlich, dass queere Menschen doppelt so häufig Opfer von Sextortion werden wie heterosexuelle Menschen. „Diese Zahlen zeigen, wie anfällig bestimmte Bevölkerungsgruppen für diese Form des Missbrauchs sind“, schreiben die Autorinnen der Studie. Gerade bei sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten wiegt die Erpressung mit intimen Aufnahmen schwer, da den Betroffenen mit einem unfreiwilligen Outing gedroht wird. Unter den Heterosexuellen sind Männer (15,7 Prozent) etwas häufiger betroffen als Frauen (13,2 Prozent). Jüngere Befragte berichten öfter sowohl von Opfer- als auch von Tätererfahrungen als ältere.

Das sind die Täter

Auffallend ist, dass die Täter und Täterinnen häufig ehemalige oder aktuelle Partner und Partnerinnen der Opfer sind. Diese Dynamik unterstreicht die Komplexität der sozialen Beziehungen, die bei dieser Form der Erpressung eine Rolle spielen. Auffallend ist auch, dass Männer häufiger als Frauen angeben, von Kollegen oder Vorgesetzten belästigt zu werden. Die Motive der Täter sind vielfältig, reichen aber in den meisten Fällen von Macht- und Kontrollbedürfnissen bis hin zu finanziellen Forderungen. „Unsere Untersuchung zeigt deutlich, dass die Täter häufig aus dem näheren Umfeld der Opfer kommen“, betonen die Autorinnen.

Psychische und soziale Folgen

Die Folgen von Sextortion sind schwerwiegend. Die Opfer leiden häufig unter schweren psychischen Störungen wie Depressionen, Angstzuständen und sogar Suizidgedanken. Diese Form des Missbrauchs kann das Leben der Betroffenen nachhaltig negativ beeinflussen. „Die psychischen Folgen sind enorm und dürfen nicht unterschätzt werden“, warnen die Autorinnen.

Halb so viele Fälle in Europa

Die Studie gibt auch einen Einblick in die unterschiedliche Verbreitung der Erpressung mit Nacktfotos: In Südkorea wurde jede vierte Person Opfer von Sextortion ­– sieben Prozent gaben zu, Täter oder Täterin gewesen zu sein. In den USA war jeder Fünfte betroffen, sechs Prozent gaben zu, jemanden mit intimen Aufnahmen erpresst zu haben.

In Europa – Deutschland wurde nicht gesondert erfasst – wurde durchschnittlich jede zehnte Person schon einmal mit Nacktbildern erpresst, drei Prozent gaben zu, Täter oder Täterin gewesen zu sein.

Die Zahlen der Studie machen eines deutlich: „Sextortion ist ein globales Problem, das gezielter Maßnahmen bedarf. Wir müssen spezifische Aufklärungs- und Präventionsprogramme entwickeln, um besonders gefährdete Gruppen wie Jugendliche und sexuelle Minderheiten besser zu schützen. Außerdem brauchen wir klare gesetzliche Rahmenbedingungen und eine stärkere Sensibilisierung der Strafverfolgungsbehörden, um den Opfern effektiven Schutz und Unterstützung zu bieten“, folgern die Autorinnen der Studie.

Quellen
  • Henry, N et al.:  Sextortion: Prevalence and correlates in 10 countries; Computers in Human Behavior Volume 158; DOI: https://doi.org/10.1016/j.chb.2024.108298

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