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Ein mulmiges Gefühl überkommt viele Patienten, wenn sie eine Zahnarztpraxis betreten: Es riecht nach Desinfektionsmittel, im Behandlungszimmer liegen lauter unbekannte, bedrohlich wirkende Instrumente und auf dem Behandlungsstuhl fühlen sie sich dem Zahnarzt ausgeliefert. Was wird er diagnostizieren? Wird die Behandlung wehtun? Zwei Drittel aller Menschen kennen solche Gedanken. Aber sie gehen hin, wenn es sein muss. Sechs bis 14 Prozent der Bevölkerung hingegen schaffen das nicht. Sie haben eine echte Zahnbehandlungsphobie, die sie daran hindert, beim Zahnarzt anzurufen, um einen Termin zu vereinbaren – geschweige denn zu diesem zu erscheinen.
Zahnstein, Karies, abgebrochene Zähne? Für den Phobiker ist ein ungepflegtes Gebiss das kleinere Übel. „Wenn ein Angstpatient nur an den Zahnarzt denkt, aktiviert das seinen Sympathikus“, erklärt Psychologe Stefan Junker aus Oftersheim. „Das ist der Teil des vegetativen Nervensystems, der für Flucht und Kampf zuständig ist.“ Betroffenen wird dann schwindlig, ihre Hände beginnen zu schwitzen, sie bekommen Atemnot oder Herzrasen, spüren Enge in der Brust. „Manche brechen schon in Panik aus, wenn sie an einem Haus vorbeigehen, an dem Praxisschilder angebracht sind“, so Junker, der regelmäßig Angstpatienten in seiner Praxis behandelt und ihnen zeigt: Eine Zahnbehandlungsphobie ist überwindbar.
Wege, um die Angst zu besiegen
Menschen mit Zahnarztangst müssen diese nicht aushalten. Verschiedene Behandlungsmethoden bekämpfen erfolgreich die Panik. Außerdem gibt es Zahnärzte, die sich auf Angstpatienten spezialisiert haben. Eine Übersicht finden Sie hier.
Analgosedierung
So bezeichnet man die kombinierte Gabe von Beruhigungs- und Schmerzmitteln, die den Patienten in einen tiefen Dämmerschlaf versetzen. Da der Schluckreflex dadurch eingeschränkt wird, können Teilchen eingeatmet werden und in die Lunge gelangen. Daher ist die Methode besser für kurze bis mittellange Eingriffe geeignet. Vorsicht: Bei regelmäßigem Einsatz von Valium oder anderen Benzodiazepinen besteht ein Abhängigkeitsrisiko.
Hypnose
Ein Hypnotherapeut versetzt den Patienten mithilfe eines formalen Rituals oder eines beiläufigen Gesprächs in Trance. Der Patient kann zwar auf Anweisungen reagieren und hat das Gefühl, dass nur ein Teil von ihm auf dem Behandlungsstuhl liegt. Ein anderer Teil aber befindet sich an einem selbst gewählten, angenehmeren Ort.
Lachgas
Das kurz wirksame Narkosegas nimmt die Angst und entspannt. Für kurze bis mittellange Behandlungen ist die Methode gut geeignet. Ein wichtiger Vorteil: Der Patient erlebt die Behandlung bei Bewusstsein und lernt, dass der Eingriff nicht schlimm ist. Das Bedürfnis, häufig den Mund auszuspülen, ist ausgeschaltet.
Verhaltenstherapie
Eine Kombination aus progressiver Muskelrelaxation, kognitiver Restrukturierung und Angstbewältigungstraining. Erste Erfolge sind oft schnell erkennbar, die vollständige Therapie umfasst rund 25 Sitzungen. Empfehlenswert für Patienten ohne akuten Behandlungsbedarf, die eine dauerhafte Heilung anstreben. Bei nachgewiesener Angststörung ist so eine Therapie eine Kassenleistung.
Vollnarkose
Ein Anästhesist leitet die Narkose ein und überwacht sie. Voraussetzung ist ein Check-up inklusive EKG, Blutbild und Erfassung der medizinischen Vorgeschichte. Es besteht das übliche Narkoserisiko. Legt der Patient ein Attest vom Hausarzt oder Psychologen vor, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten.
Dies ist eine gekürzte Fassung. Den vollständigen Text sowie viele weitere Tipps zur Zahngesundheit finden Sie in FOCUS-GESUNDHEIT 05 / 2017 „Gesunde Zähne“ – als Print-Heft oder Digital-Ausgabe.
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