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Ob Bandscheiben-OP oder Wirbelkorrektur: In den ersten Tagen und Wochen nach einer Rücken-OP rät der Facharzt für rehabilitative Orthopädie und Buchautor Christoph Schönle zur „zaghaften Beanspruchung“. Es gilt, Wirbelsäule und Bandscheiben in möglichst geringem Maße zu mobilisieren – und umliegende Muskeln vor dem Abbau zu bewahren sowie den Kreislauf anzukurbeln.
Den individuellen Belastungsrahmen gibt der behandelnde Chirurg vor. „Sein Wort ist das Maß aller Dinge“, betont Schönle. „Mit seiner Zustimmung kann man bereits am Tag nach der OP mit mehrmaligem Aufstehen beginnen und mit fortschreitender Genesung in erste Alltagstätigkeiten und leichte Übungen für die Muskulatur übergehen.“
Ist der Heilungsprozess nach einigen Wochen abgeschlossen (Zeitpunkt mit dem Arzt besprechen), verhindern die hier vorgestellten Dehn- und Kraftübungen weitere Rückenprobleme. „Damit lässt sich ein starkes, körpereigenes Korsett aufbauen, das die Wirbelsäule stützt und die Bandscheiben entlastet“, so der Experte. Ein Auszug aus Schönles neuem Ratgeber „Schmerzfrei & Aktiv nach der Rücken-OP“.
Nach der OP: Rücken schonen
Um den Heilungsprozess nicht zu stören, sollte der Rücken anfangs nicht belastet werden. „Denken Sie an Pinocchio“, sagt Rehaexperte Schönle. „Sein Holzrücken ist unbeweglich. Das gilt in den nächsten Wochen auch für Ihren.“ Am Tag nach der OP dürfen Patienten in der Regel unter Aufsicht aufstehen – Alltagsaktivitäten sind erst erlaubt, wenn der behandelnde Arzt seine Zustimmung gibt. Ist es so weit, erleichtern Schonpositionen die Wiederaufnahme.
Rückenfreundlich stehen

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Nur mit ärztlicher Zustimmung. Beim Geschirrspülen, Kochen oder Wäschefalten trägt die operierte Wirbelsäule die Schwere des gesamten Oberkörpers. Indem Sie bei stehenden Alltagstätigkeiten den Kopf an einer Oberfläche anlehnen, geben Sie einen Teil des Gewichts ab
Schonend sitzen

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Nur mit ärztlicher Zustimmung. Beim aufrechten Sitzen ist der Druck auf die unteren Bandscheiben besonders hoch. Legen Sie deshalb immer mal wieder die Arme auf den Tisch und lehnen Sie sich zurück, um die einwirkende Kraft zu verringern. Den Kopf aufzustützen entlastet an geschlagene Halswirbel
Behutsam hochheben

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Nur mit ärztlicher Zustimmung. Lasten anzuheben erhöht den Druck auf die unteren Bandscheiben und sollte vermieden werden. Falls dennoch notwendig, spannen Sie die Rumpfmuskeln an, halten Sie den Rücken aufrecht und stemmen Sie die Last aus den Knien heraus. Sich mit einer Hand dabei abzustützen entlastet zusätzlich.
Nach der OP: Muskeln erhalten
In den ersten Wochen gilt es, die Muskelkraft zu erhalten und Durchblutung anzuregen – ohne den angeschlagenen Rücken zu gefährden. Geeignet sind vorsichtige Arm- und Beinbewegungen sowie erste Aktivierungsübungen.
Stabilität aufbauen

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Nur mit ärztlicher Zustimmung. Winkeln Sie in Rückenlage die Beine an und pressen Sie die Ellenbogen und Fersen aktiv in den Boden. Die Unterarme stehen senkrecht gen Decke, der Bauch ist angespannt und der Kopf leicht angehoben. Variation: die Handflächen vor dem Bauch gegeneinanderdrücken
Muskeln aktivieren

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Nur mit ärztlicher Zustimmung. Nehmen Sie ein Theraband in beide Hände und strecken Sie die Arme schulterbreit nach oben. Einen leichten Zug nach außen aufbauen, um die Schulter und Armmuskulatur zu aktivieren. Die Fersen drücken in den Boden.
Alles verheilt: Stabilität trainieren
Nach vollständiger Genesung beugt ein Trainingsprogramm für den Rumpf weiteren Rückenproblemen vor. Die folgenden Übungen fünfmal pro Woche ausführen. Anfangs 20 bis 30 Sekunden in einer Position verharren und die anschließenden 30 bis 60 Sekunden Pause zum Dehnen nutzen. Jede Übung einmal wiederholen. Nach und nach kann die Intensität auf 40 bis 60 Sekunden mit 3 bis 8 Wiederholungen gesteigert werden.
Gerade Bauchmuskeln

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Winkeln Sie die Knie an, stemmen Sie die Fersen in den Boden und heben Sie den Oberkörper mit gestreckten Armen leicht an. Bauchmuskeln anspannen. Fortgeschrittene können die Übung intensivieren, indem sie die Beine lange ausgestreckt in einem 20-Grad-Winkel vom Boden anheben
Rücken und Gesäß

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Diese Übung trainiert vor allem die Rückenstreckmuskulatur – kräftige Stabilisatoren im mittleren und unteren Rücken. Dafür in Bauchlage die Beine und Arme anheben und Körperspannung aufbauen. Die Anstrengung lässt sich mit leichten Gewichten in den Händen verstärken
Schräge Bauchmuskeln

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Die Beine anheben und die Unterschenkel parallel zum Boden ausrichten. Nun heben Sie den Oberkörper leicht an und führen die ausgestreckten Arme am linken Bein vorbei. Kurz verharren und auf die andere Seite wechseln. Versuchen Sie, Schultern und Beine zwischendurch nicht abzulegen
Seitliche Bauchmuskeln

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Auf die Seite legen und den Unterarm aufstützen. Die Hand zeigt vom Körper weg. Nun heben Sie das Becken vom Boden ab und spannen die Bauchmuskeln an. So lange wie möglich halten und dann die Seite wechseln. Den Oberkörper leicht nach vorn kippen steigert die Intensität
Halsmuskeln

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Um die Bandscheiben zu schonen, bewusst die Neutralposition einnehmen. So geht’s: Die Hand an die Schläfe legen und Spannung aufbauen. Zeitgleich mit den Nackenmuskeln gegendrücken. Dann nach einander auch gegen die Gegenseite, die Stirn und den Hinterkopf drücken
Schultermuskeln

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Auch hier in den rückenfreundlichen Stand begeben. Ein Theraband oder alternativ einen Schal hinter dem Kopf etwa eineinhalb Arm breit aus einanderziehen. Bauen Sie Spannung auf und halten Sie diese so lange wie möglich. Vergessen Sie dabei nicht, den Rumpf zu aktivieren
Rumpfmuskeln

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Begeben Sie sich in den Vierfüßlerstand und stellen Sie die Zehen hüftbreit und die Hände schulterbreit auf. Die Arme befinden sich im rechten Winkel zum Boden. Jetzt lösen Sie die Knie von der Matte und drücken das Gesäß leicht nach oben. Die Übung kurz halten und anschließend über die Knie ablegen
Ganzkörper

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Diese Übung können Sie nach und nach steigern. Leicht: Den Oberkörper aus der Bauchlage heraus anheben und auf den Unterarmen abstützen. Die Knie bleiben auf dem Boden. Mittel: Die Knie vom Boden lösen und in eine schiefe Ebene begeben. Schwer: Je ein Bein im Wechsel nach hinten ausstrecken und leicht anheben
Alles verheilt: Rumpf dehnen
Eine dauerhaft ausbalancierte Ausrichtung der Wirbelsäule kreieren: „Indem Sie an den richtigen Stellen dehnen, wirken Sie einem Rundrücken und Hohlkreuz entgegen“, erklärt Facharzt Christoph Schönle.
Innere Hüftmuskulatur

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Durch verkürzte Hüftmuskeln neigt sich das Becken nach vorn. Ein Hohlkreuz entsteht. So können Sie gegensteuern: Ein Bein aus dem Stand heraus anwinkeln, den Fuß umfassen und zum Po ziehen. Drücken Sie die Hüfte dabei bewusst nach vorn. Nach einigen Sekunden die Seite wechseln
Äußere Hüftmuskulatur

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Auf den Rücken legen, die Beine anwinkeln und das rechte Fußgelenk auf das linke Knie legen. Nun umgreifen Sie den linken Oberschenkel und ziehen ihn heran. Durch aktiven Gegendruck mit dem rechten Oberschenkel verstärken Sie die Dehnung in der Hüfte. Kurz ausharren und die Seiten wechseln
Schulter- und Brustmuskeln

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Verkürzte Brustmuskeln ziehen die Schulter nach vorn und verursachen einen Rundrücken. Um vorzubeugen, stellen Sie sich mit dem Gesicht vor eine Wand, legen Sie die Unterarme auf Kopfhöhe ab und gehen Sie einen Schritt nach hinten. Beim Aufrichten mit den Händen von der Wand wegdrücken
FOCUS-Gesundheit 07/2022
Dieser Artikel erschien zuerst in der Ausgabe Top-Rehakliniken 2023. Weitere Themen: Faszien, Gelenke, Muskeln funktionieren dank Flüssigkeiten wie geschmiert – so erhöht Sport die Produktion der Gelenkschmiere. Bei Übergewicht Verhaltensmuster langfristig ändern. U.v.m.
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