Werbung

Erythrozyten

Wenn die Anzahl der Erythrozyten zu hoch oder zu niedrig ist, kann dies auf eine Erkrankung hinweisen. Was Sie über diese Blutwerte wissen und auf welche Symptome Sie achten sollten.

Werbung

Inhaltsverzeichnis
Computeranimierte 3D-Illustration roter Blutkörperchen in einem Blutgefäß

© iStock

Computeranimierte 3D-Illustration roter Blutkörperchen in einem Blutgefäß

Zusammenfassung

  • Definition: Sie werden auch rote Blutkörperchen genannt und machen den Hauptanteil aller Zellen im Blut aus.  
  • Aufgaben: Sie transportieren den Sauerstoff von der Lunge über die Blutbahn zu jeder Zelle des Körpers und nehmen dort Kohlendioxid auf und bringen es zur Lunge, wo es ausgeatmet wird.
  • Zu hohe oder zu niedrige Werte: Beide Abweichungen von den Normalwerten können auf eine Erkrankung hinweisen. Es können aber auch harmlosere Ursachen wie beispielsweise ein Eisenmangel dahinterstecken.

Werbung

Was sind Erythrozyten?

Erythrozyten (kurz „Erys“) sind runde, scheibchenförmige Blutzellen, die zu 90 Prozent aus dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin bestehen. Er verleiht ihnen und somit auch dem Blut die typische rote Farbe. Daher werden Erythrozyten auch rote Blutkörperchen oder rote Blutzellen genannt. Die Bedeutung des Begriffs „Erythrozyten“ leitet sich von den altgriechischen Begriffen „Erythros“ (rot) und „Zytos“ (Zelle) ab.

Die Aufgabe der roten Blutkörperchen ist, den Sauerstoff im Blut zu transportieren, damit er zu allen Zellen des Körpers gelangt.

Den Sauerstoff nehmen die roten Blutkörperchen in der Lunge aus den Lungenbläschen (Alveolen) auf. Genauer gesagt bindet sich der Sauerstoff an den eisenhaltigen Blutfarbstoff (Hämoglobin), der in den Erythrozyten enthalten ist. Wenn die roten Blutkörperchen den Sauerstoff (O2) an die Zellen von Organen oder Gewebe abgeben, üben sie noch eine weitere Funktion aus: die Erythrozyten nehmen das Kohlendioxid (CO2) aus den Zellen auf, das sich ebenfalls an die Eisenatome des Hämoglobins bindet. Anschließend transportieren sie das CO2 zur Lunge, wo es ausgeatmet wird.

Das Blut besteht etwa zur Hälfte aus Flüssigkeit und aus festen Bestandteilen, den Blutzellen. Den größten Anteil dieser Blutzellen machen die roten Blutkörperchen aus. Des Weiteren gehören zu den Blutzellen die weißen Blutkörperchen (Leukozyten), die Teil des Immunsystems sind, sowie die Blutplättchen (Thrombozyten), die für die Blutgerinnung und Wundheilung zuständig sind.

Die roten Blutkörperchen werden im Knochenmark gebildet. Pro Sekunde werden zwei bis drei Millionen Erythrozyten produziert und ins Blut abgegeben. Insgesamt sind im Blutkreislauf eines gesunden Erwachsenen 24 bis 30 Billionen Erythrozyten vorhanden. Da Erythrozyten keinen Zellkern (Nucleus) enthalten, sind sie nicht zur Zellteilung fähig. Nach einer Lebensdauer von etwa 120 Tagen werden sie in Leber und Milz von Fresszellen (Makrophagen) verdaut und beseitigt.

Für die Neubildung von roten Blutkörperchen ist eine ausreichende Eisenzufuhr notwendig, denn der Mineralstoff wird in den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) eingebaut.

Rote Blutkörperchen besitzen eine besondere Form: Die Blutzelle ist platt und auf beiden Seiten eingedellt (bikonkav). Somit ist sie an den Rändern etwas höher als im Zentrum. Aufgrund seiner Form vergrößert sich seine Oberfläche, was wiederum die Aufnahme und Abgabe von Sauerstoff (und Kohlendioxid) verbessert. Außerdem sind Erythrozyten durch diese Form sehr biegsam und können dadurch selbst die kleinsten Kapillargefäße im Körper durchqueren.

In einem Blutbild können Ärzte nicht nur die Form der Erythrozyten feststellen, sondern auch, ob sie in normaler Anzahl vorhanden sind.

Erythrozyten: Normwerte

Wenn ein Arzt überprüfen möchte, ob bei einem Patienten etwa ein Eisenmangel vorhanden ist, lässt er ein Blutbild erstellen. Dieses gibt zum Beispiel Auskunft über die Anzahl der Erythrozyten. Auch wenn abgeklärt werden soll, ob eine Erkrankung wie zum Beispiel Blutkrebs vorliegt oder eine innere Blutung besteht, ist ein Blutbild wichtig.

Der normale Erythrozyten-Wert ist bei Frauen und Männern etwas unterschiedlich. Bei den Erythrozyten gelten folgende Normalwerte (auch Referenzwerte genannt):

  • Frauen: 4,1 bis 5,1 Millionen Zellen/pro Mikroliter
  • Männer: 4,5 bis 5,9 Millionen Zellen/pro Mikroliter

Die Blutwerte können allerdings von Labor zu Labor verschieden ausfallen. So ist für das eine Labor eine Erythrozytenzahl von 3,9/µl (Mikroliter wird mit μl abgekürzt) bei einer Frau oder 4,3/µl bei einem Mann die normale Untergrenze, für ein anderes Labor ist dieser Wert bereits etwas zu niedrig. Dabei spielen die eingesetzten Messmethoden und Analyseverfahren eine Rolle.

Beachten Sie außerdem, dass ein abweichender Wert nicht automatisch eine Erkrankung bedeuten muss. Auch eine stärke Regelblutung oder selbst tageszeitliche Schwankungen können das Blutbild beeinflussen. Im Zweifelsfall wird der Arzt das Ergebnis mit einer erneuten Blutanalyse überprüfen lassen.

Arztsuche
Finden Sie mit Hilfe der FOCUS-Gesundheit Arztsuche den passenden Mediziner.

Werbung

Erythrozyten zu hoch? Mögliche Ursachen

Wenn die Anzahl der roten Blutkörperchen zu hoch ist (Ärzte bezeichnen dies als Polyglobulie), befinden sich verhältnismäßig viele Blutzellen in relativ wenig Blutplasmaflüssigkeit. Dadurch wird das Blut dickflüssiger. Dies kann zu einem höheren Blutdruck und Durchblutungsstörungen führen. Betroffene können Symptome wie Kopfschmerzen, Schwindel und Atemnot verspüren. Oft ist ein Sauerstoffmangel die Ursache für zu viele Erythrozyten. Dieser kann zum Beispiel bei einer Wanderung im Hochgebirge oder beim Tauchen entstehen. Es kann aber auch eine Herz- oder Lungenerkrankung oder eine Schlafapnoe dahinterstecken, wenn die Erythrozyten erhöht sind. Bekommt der Körper zu wenig Sauerstoff, bilden die Nieren vermehrt das Hormon Erythropoetin. Dieses regt die Neubildung von roten Blutkörperchen im Knochenmark an. Wenn wieder mehr Erythrozyten vorhanden sind, verbessert sich die Sauerstoffversorgung.

Wenn die Erythrozyten erhöht sind, gibt es noch weitere Ursachen:

  • Tumor (etwa Nierenzellkarzinom oder Kleinhirntumor), der die vermehrte Ausschüttung des Hormons Erythropoetin auslöst, das die Produktion von roten Blutkörperchen ankurbelt
  • Nierenerkrankungen (zum Beispiel eine chronische Niereninsuffizienz)
  • Erkrankung der blutbildenden Zellen im Knochenmark, die zu einer übermäßigen Vermehrung der Blutzellen führt (zum Beispiel die Blutkrebserkrankung Polycythaemia vera)
  • Medikamente, die das Hormon Erythropoetin beeinflussen (zum Beispiel Anabolika oder Kortison)
  • Flüssigkeitsmangel, zum Beispiel durch eine zu geringe Trinkmenge, starkes Schwitzen, Durchfall oder Erbrechen

Was tun, wenn die Erythrozyten-Anzahl zu hoch ist? Das hängt von der Ursache ab. Ist eine Erkrankung der Grund für die erhöhten Werte an roten Blutkörperchen und können Ärzte sie wirksam behandeln, normalisieren sich die Werte der Erythrozyten in der Regel wieder.  

Erythrozyten zu niedrig? Mögliche Ursachen

Hat ein Mensch zu wenig Erythrozyten, werden die Zellen des Körpers nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Ist zusätzlich der Hämoglobinwert zu gering, sprechen Ärzte von einer Anämie (Blutarmut). Bei Betroffenen treten Symptome wie Blässe, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Leistungsminderung und Atemnot auf. Eine Anämie kann infolge einer Erkrankung entstehen, aber auch ein Eisenmangel kann dahinterstecken.

Wenn die Erythrozyten zu niedrig sind, gibt es folgende mögliche Ursachen:

  • Blutverlust (etwa durch eine Operation, eine Blutung im Magen-Darm-Trakt, eine starke Menstruationsblutung oder Geburt) – bei einem schweren Blutverlust kann eine Bluttransfusion notwendig sein.  
  • Genetische Erkrankung, bei der es zu einem Defekt der roten Blutkörperchen kommt (etwa Sichelzellenanämie, Kugelzellenanämie)
  • Krankheiten, welche die Funktion des Knochenmarks beeinträchtigen und so die Bildung von roten Blutkörperchen stören (zum Beispiel Blutkrebs)
  • Schwere Nierenerkrankung (insbesondere Dialysepatienten sind betroffen)
  • Diabetes mellitus (bei Menschen mit Zuckerkrankheit kommt es häufig zu einer Niereninsuffizienz)
  • Entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung
  • Gesteigerter Abbau oder Zerfall der roten Blutkörperchen, der sich nicht mehr ausgleichen lässt. Beispiele: eine Infektionskrankheit wie Malaria, Zieve-Syndrom (tritt bei langjährigem Alkoholmissbrauch auf), Vergiftung oder eine künstliche Herzklappe
  • Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure – der Körper braucht diese Nährstoffe, um rote Blutkörperchen zu bilden. Nimmt ein Mensch sie nicht in ausreichender Menge über die Nahrung auf, ist die Produktion der Blutzellen gestört und der Organismus bildet zu wenig Erythrozyten.
Quellen

© FOCUS-Gesundheit

Die große Ärzteliste 2024

FOCUS-Gesundheit 02/24
Immuntheapien bremsen Nahrungsmittelallergien. Sexuell übertragbare Krankheiten treffen jedes Alter. Plus: 4.100 Experten für 126 Erkrankungen und Fachgebiete. U.v.m.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel enthält allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Den passenden Arzt finden Sie über unser Ärzteverzeichnis.

Höchster Qualitätsanspruch: So arbeiten wir.

Fragen? Schreiben Sie uns!

Dr. Andrea Bannert

Redaktionsleitung DIGITAL FOCUS-Gesundheit

Facebook Logo Instagram Logo Email Logo
Fragen Bild
Redaktor Bild

Hinweis der Redaktion

Im Sinne einer besseren Lesbarkeit unserer Artikel verwenden wir kontextbezogen jeweils die männliche oder die weibliche Form. Sprache ist nicht neutral, nicht universal und nicht objektiv. Das ist uns bewusst. Die verkürzte Sprachform hat also ausschließlich redaktionelle Gründe und beinhaltet keine Wertung. Jede Person – unabhängig vom Geschlecht – darf und soll sich gleichermaßen angesprochen fühlen.

Weitere Online-Angebote:

Services der © BurdaVerlag Data Publishing GmbH, Deutsches Institut für Qualität und Finanzen