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Mandelentzündung (Tonsillitis)

Eine Mandelentzündung ist eine Erkrankung der Gaumenmandeln. Hier lesen Sie, welche Symptome auftreten und wie Ärzte die Entzündung behandeln.

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Inhaltsverzeichnis
Eine Mutter mit Kind auf dem Schoß beim Arzt, der das Kind im Mundraum untersucht

© Shutterstock

Mandelentzündung oder Angina Tonsilaris bei Kindern

Bei einer Mandelentzündung (andere Bezeichnungn sind Tonsillitis oder Angina Tonsillaris) entzünden sich die Gaumenmandeln. Diese befinden sich im Rachen an beiden Seiten des Gaumenzäpfchens. Die Aufgabe der Gaumenmandeln ist es, Erreger abzuwehren, die über Nase und Mund in den Körper gelangen.

Weil sich das Immunsystem bei Kindern erst noch aufbauen muss und bei einer Vielzahl von Erregern reagiert, sind sie besonders häufig betroffen. Babys und Erwachsene erkranken eher weniger. Eine Mandelentzündung sollte stets behandelt werden, da sonst schwere Komplikationen auftreten können oder die Erkrankung chronisch werden kann.

Betroffene können auch dann eine Mandelentzündung bekommen, nachdem ihre Mandeln durch eine Operation entfernt wurden. Bei der Infektion ohne Mandeln entzündet sich verbleibendes Gewebe im hinteren Rachen. Mediziner nennen dieses Krankheitsbild Seitenstrang-Angina.

Abzugrenzen von der Mandelentzündung ist eine Mandelvergrößerung. Bei dieser Erkrankung sind in der Regel neben den Gaumenmandeln auch die tieferliegenden Rachenmandeln betroffen.

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Mandelentzündung: Ist sie ansteckend?

Eine Mandelentzündung ist ansteckend. Nach der Infektion dauert es zwei bis vier Tage, bis die ersten Symptome auftreten. In dieser Inkubationszeit können Infizierte den Erreger bereits auf andere Menschen übertragen. 

Wie lange ein Betroffener ansteckend ist, hängt davon ab, ob er ein Antibiotikum einnimmt oder nicht. Ohne Antibiotikum sind Patienten so lange ansteckend wie sie Beschwerden haben. Das kann ein bis maximal zwei Wochen andauern. Nehmen sie ein Antibiotikum, besteht 24 Stunden nach der ersten Tablette keine Ansteckungsgefahr mehr.  

Mandelentzündung: Übertragung

Menschen können sich durch eine Tröpfcheninfektion mit einer Mandelentzündung anstecken. Das heißt, dass die Erkrankung übertragbar ist, wenn der Betroffene hustet, niest oder spricht. Auch beim Küssen kann sich der Partner mit einer Mandelentzündung infizieren.

Mandelentzündung: Vorbeugen

Es gibt keinen sicheren Schutz vor einer Mandelentzündung. Helfen können Maßnahmen, die das Immunsystem stärken: viel Bewegung, eine gesunde Ernährung, genügend Schlaf und wenig Stress.

Mandelentzündung: Symptome

An den folgenden Anzeichen lässt sich eine akute Mandelentzündung erkennen:

  • Starke Halsschmerzen, die ausstrahlen können. Auch Ohrenschmerzen sind möglich.
  • Hohes Fieber
  • Schluckbeschwerden
  • Abgeschlagenheit und allgemeines Krankheitsgefühl
  • Kopfschmerzen
  • Appetitlosigkeit, bei Kindern auch Bauchschmerzen und Übelkeit
  • Mundgeruch
  • Belag auf der Zunge
  • Gerötete, angeschwollene Mandeln
  • Geschwollene und schmerzende Lymphknoten am Hals

Ist auf den Mandeln eine gelb-weißliche Flüssigkeit erkennbar, sprechen Ärzte von einer eitrigen Mandelentzündung. Diese Art der Infektion ist besonders ansteckend. Betroffene dürfen daher nicht in den Kindergarten, in die Schule oder zur Arbeit gehen.

Halten die Beschwerden länger als drei Monate an, handelt es sich um eine chronische Mandelentzündung. Diese kann sich relativ unauffällig ohne Fieber und ohne Schmerzen zeigen. Flammen die Symptome immer wieder auf und heilen zwischendurch ab, bezeichnen Mediziner die Erkrankung als rezidivierende (wiederkehrende) Mandelentzündung. Husten oder Schnupfen sind hingegen keine Symptome für eine Mandelentzündung.

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Mandelentzündung: Hausmittel

Erkranken Kinder an einer Mandelentzündung, suchen Eltern häufig nach Hausmitteln. Es gibt viele verschiedene pflanzliche und natürliche Mittel wie Lösungen zum Gurgeln, Rachen-Sprays, Tabletten zum Lutschen oder Halswickel.

Es ist zwar nicht belegt, dass diese Methoden die Schmerzen lindern, sie können aber nicht schaden. Viele Patienten empfinden die Mittel als angenehm.

Die eitrige Mandelentzündung bildet eine Ausnahme: Betroffene sollten keine Flüssigkeiten gurgeln, da Bakterien durch die starken Bewegungen ins Blut gelangen können.

Offener Mund mit entzündeten Gaumenmandeln, Gaumenzäpfchen und Mundraum

© Science Photo Library

Gerötete und geschwollene Gaumenmandeln sind ein typisches Symptom bei einer Mandelentzündung

Mandelentzündung behandeln

Ärzte verschreiben bei einer Mandelentzündung meist Medikamente wie Ibuprofen oder Paracetamol. Die Wirkstoffe senken das Fieber und lindern die Schmerzen.

Handelt es sich um eine schwere bakterielle Infektion, kann der Arzt außerdem ein Antibiotikum geben. Dieses verkürzt die Krankheitsdauer und verhindert in der Regel Komplikationen. In den meisten Fällen ist jedoch eine Behandlung ohne Antibiotika möglich. Bei viralen Infektionen ist das Medikament wirkungslos.

Auch wiederkehrende Mandelentzündungen behandelt der Arzt für gewöhnlich mit Schmerzmitteln oder Antibiotika. Erst wenn es zu häufigen, starken Beschwerden kommt, ist eine Operation sinnvoll. Dabei entfernt der Chirurg die Gaumenmandeln.

Mediziner führen Mandel-Operationen heute seltener durch als früher. Der Richtwert heute: Hatte ein Betroffener mehr als sechs Mandelentzündungen in den vergangenen zwölf Monaten, schlagen Ärzte eine OP vor.

Vor dem Eingriff sollten Risiken und Nutzen abgewogen werden. Denn bei einer Operation können auch Nebenwirkungen wie etwa Nachblutungen auftreten. Als Kompromiss verkleinern Chirurgen die Mandeln häufig anstatt sie komplett zu entfernen. Laut Studien profitieren Kinder mit wiederkehrenden, schweren Mandelentzündungen von einer Mandel-OP. Für Erwachsene gibt es nicht genügend Belege.

Es ist außerdem nicht belegt, ob Homöopathie eine Mandelentzündung lindern kann. Wissenschaftler raten davon ab, Globuli zu einzunehmen.

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Mandelentzündung: Was tun?

Eltern fragen sich häufig, was ihr Kind bei einer Mandelentzündung essen darf. Experten raten, scharfe und säurehaltige Lebensmittel zu vermeiden. Betroffene sollten weiche Mahlzeiten essen und vor allem viel trinken. Es bieten sich insbesondere Tees aus Kamille, Salbei und Ingwer an. Diese können die Halsschmerzen lindern.

Kalte Getränke oder Eis essen verringert zwar die Schmerzen, es reduziert aber die Durchblutung und damit den Heilungsprozess. Auch von Milch raten Experten bei einer Mandelentzündung ab, weil diese den Hals zusätzlich verschleimen kann.
Außerdem sollten Patienten Zigarettenrauch meiden.

Mandelentzündung: Dauer

Wie lange Patienten an einer Mandelentzündung erkrankt sind, hängt von der Behandlung ab. Der normale Verlauf: 1-2 Wochen. Während dieser Zeit sollten sich Betroffene schonen und keinen Sport treiben. Wer sich körperlich anstrengt, geht das Risiko ein, dass Bakterien über die Blutbahn auch in andere Organe gelangen.

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Mandelentzündung: Folgen

Wer seine Mandelentzündung nicht behandeln lässt und sich nicht ausreichend schont, kann die Erkrankung "verschleppen". Es kann sich eine chronische Mandelentzündung entwickeln. Außerdem können schwere Komplikationen auftreten.

Bleibt eine Mandelentzündung unbehandelt, sprechen Ärzte davon, dass ein permanenter Infektionsherd im Körper besteht. Die Entzündung kann sich ausweiten auf andere Bereiche des Körpers, wie etwa Herz, Nieren oder Gelenke. Diese Infektionen sind selten, aber häufig schwerwiegend. Es können auch bleibende Schäden wie etwa ein Herzklappenfehler entstehen.

Eine weitere Komplikation der Mandelentzündung ist der Abszess. Das ist eine Ansammlung von Eiter im Gewebe rund um die entzündeten Mandeln. Betroffene haben häufig einen erneuten Fieberschub, Beschwerden beim Schlucken und Ohrenschmerzen.

Auch eine Sepsis (Blutvergiftung) als Folge einer Mandelentzündung ist möglich. Dabei verteilen sich Bakterien über die Blutlaufbahn im ganzen Körper. Die seltene, aber schwerwiegende Komplikation muss sofort intensiv-medizinisch behandelt werden.

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Mandelentzündung: Diagnose

Wer starke Halsschmerzen und hohes Fieber bekommt, sollte zum Arzt gehen. Dieser wird zunächst versuchen, andere Ursachen auszuschließen. Erkrankungen wie Scharlach oder Pfeiffer´sches Drüsenfieber haben ähnlich Anzeichen wie eine Mandelentzündung.

Der Arzt untersucht bei Verdacht auf eine Mandelentzündung in der Regel den Mund, den Rachen, die Nase und die Ohren. Er tastet zusätzlich den Hals nach geschwollenen Lymphknoten ab. Außerdem wird er den Patienten nach seiner Krankheitsgeschichte befragen.

Mit einem Punkte-System kann der Arzt prüfen, ob es sich um eine virale oder bakterielle Entzündung handelt. Ein Schnelltest, bei dem der Arzt einen Abstrich im Rachen macht, kann weitere Hinweise liefern. Genauer ist ein Labortest. Dieser dauert jedoch einige Tage.

Besteht der Verdacht auf einen Abszess (siehe Abschnitt "Mandelentzündung: Folgen"), kann der Arzt zusätzlich eine Ultraschall-Untersuchung veranlassen. Besteht das Risiko, dass sich der Abszess auf das umliegende Bindegewebe ausbreitet, ist außerdem eine Computertomographie (CT) sinnvoll.

Mandelentzündung: Ursachen

Der Auslöser einer Mandelentzündung ist meist eine virale Infektion. Darauf kann eine bakterielle Infektion folgen. Häufig sind Streptokokken die auslösenden Bakterien. Bei der Kombination von viraler und bakterieller Entzündung sprechen Experten von einer Superinfektion.

Quellen
  • S2k-Leitlinie: Entzündliche Erkrankungen der Gaumenmandeln / Tonsillitis, Therapie ( Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie e.V, et al.); Stand: 31.08.2015
  • Online-Informationen Deutscher Berufsverband der Hals-, Nasen-, Ohrenärzte: www.hno-aerzte-im-netz.de; Abruf: 16.04.2020
  • Online-Informationen Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte e.V.: www.hno-aerzte-im-netz.de; Abruf: 16.04.2020
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