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Diabetes Typ 1

Typ-1-Diabetes kommt seltener vor als Diabetes Typ 2. Lesen Sie, an welchen Symptomen die Zuckerkrankheit erkennbar ist und welche Rolle die Ernährung bei Diabetes spielt.

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Inhaltsverzeichnis
Diabetes Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung die mit dem Zuführen von Insulin behandelt wird

© Shutterstock

Zusammenfassung:

  • Definition: Eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse (Betazellen) angreift und zerstört. Durch das fehlende Hormon Insulin kann der Zucker aus dem Blut nicht mehr in die Zellen aufgenommen werden; betrifft meist Kinder und Jugendliche, kann aber auch bei Erwachsenen beginnen; Erkrankung ist nicht heilbar, aber behandelbar.
  • Symptome: zum Beispiel vermehrter Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Antriebs- und Leistungsschwäche
  • Ursachen: Warum das Immunsystem körpereigene Strukturen wie die Bauchspeicheldrüse attackiert, ist noch unbekannt; diskutiert werden Risikofaktoren wie genetische Faktoren, Virusinfektionen oder Giftstoffe
  • Behandlung: Regelmäßige und tägliche Zufuhr von Insulin ist unabdingbar; möglich sind verschiedene Arten von Therapien, zum Beispiel konventionelle oder intensivierte Insulintherapie; wichtig ist eine Diabetes-Schulung, um sich Wissen anzueignen
  • Ernährung: Es gibt keine spezielle „Diabetes-Diät“; empfohlen wird eine gesunde, ausgewogene und vielseitige Ernährung, an die eine Insulintherapie angepasst wird; wichtig ist das Wissen, wie stark bestimmte Lebensmittel den Blutzucker erhöhen – daher eine Diabetes-Schulung besuchen
  • Folgen: Langfristig erhöhte Blutzuckerwerte können Nerven (diabetische Neuropathie) und kleinste Blutgefäße schädigen; die Folgen können Krankheiten der Niere (diabetische Nephropathie), Augen (diabetische Retinopathie) oder Schäden an den Füßen (diabetischer Fuß oder diabetisches Fußsyndrom) sein;
  • Diagnose: Untersuchung von Blut und Urin und Bestimmung der Zuckerwerte; wichtig sind Nüchternblutzuckerwert, oraler Glukosetoleranztest (OGTT) und HbA1c („Blutzuckergedächtnis")

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Definition: Was ist Diabetes Typ 1?

Typ-1-Diabetes ist eine Form der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus, die nur ungefähr jeden zehnten Diabetiker betrifft. Die Mehrzahl der zuckerkranken Menschen leidet unter Typ-2-Diabetes. Beide Erkrankungen haben verschiedene Ursachen. So steht Diabetes Typ 2 oft im Zusammenhang mit Übergewicht und Bewegungsmangel. Diabetes Typ 1 gehört dagegen zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen, bei der das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift – in diesem Fall die insulinbildenden Zellen der Bauchspeicheldrüse, die sogenannten Betazellen. 

Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) nicht mehr genügend oder überhaupt kein Insulin mehr. Dieses Hormon ist aber unentbehrlich, um Zucker aus dem Blut in die Zellen aufnehmen und verwerten zu können. Geschieht dies nicht, erhalten die Zellen nicht mehr genügend Zucker und Energie für ihren Stoffwechsel. Eine weitere Folge ist ein erhöhter Blutzuckerspiegel. Langfristig erhöhte Blutzuckerwerde können die Nerven und Blutgefäße schädigen. 

Diabetes Typ 1: Alter und Häufigkeit

In Deutschland waren im Jahr 2016 etwa 341.000 Erwachsene von einem Diabetes mellitus Typ 1 betroffen. Jährlich erkranken hierzulande etwa 4.150 Erwachsene neu daran. 

Weltweit lag die Zahl der diagnostizierten Fälle im Jahr 2022 bei 8,4 Millionen Menschen. Davon sind 1,5 Millionen Menschen unter 20 Jahre alt. Ärzte gehen aber von einer noch höheren Zahl aus, weil nicht alle Menschen mit Typ-1-Diabetes eine Diagnose erhalten. Betroffene sind ihr Leben lang darauf angewiesen, ihrem Körper Insulin künstlich zuzuführen, um ihren Blutzuckerspiegel niedrig zu halten und Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Diabetes Typ 1 beginnt oft schon im Kindes- oder Jugendalter. Daher heißt die Erkrankung auch „juveniler Diabetes“. Im Jahr 2020 lebten in Deutschland schätzungsweise 32.230 Kinder und Jugendliche im Alter bis 17 Jahre mit einem Typ-1-Diabetes. Laut dem Robert Koch-Institut (RKI) erkranken jedes Jahr etwa 4.100 Kinder und Jugendliche neu daran.

Die Symptome bei Kindern sind dieselben wie bei Erwachsenen: vermehrtes Wasserlassen, ständiger Durst, Leistungsschwäche, Antriebslosigkeit, Gewichtsverlust, Heißhunger. Für Kinder und Jugendliche kann die Erkrankung eine besondere Herausforderung sein, denn sie müssen sich regelmäßig Insulin zuführen, um Folgeschäden zu vermeiden. In speziellen kindgerechten Schulungen lernen die jungen Diabetiker aber, mit ihrer chronischen Erkrankung umzugehen. Auch die Eltern sollten an dieser Schulung teilnehmen.

Manchmal entwickelt sich ein Diabetes Typ 1 auch erst nach dem 35. Lebensjahr. Ärzte sprechen dann von einem „LADA-Diabetes“. Die Abkürzung „LADA“ steht für engl. „latent oder late-onset autoimmune diabetes in adults“. Im Blut der Patienten sind – wie bei Typ-1-Diabetes  – bestimmte Antikörper messbar. Die Symptome der Zuckerkrankheit treten aber erst im Erwachsenenalter auf. Menschen mit LADA-Diabetes müssen in der ersten Zeit nach der Diagnose meist noch kein Insulin zuführen. Dies ist ähnlich wie bei einem Diabetes Typ 2. Ein LADA-Diabetes ist also so etwas wie eine Zwischenform aus Diabetes mellitus Typ 1 und 2. 

Unterschiede zwischen Diabetes Typ 1 und 2

Zwischen Typ-1 und Typ-2-Diabetes gibt es einige Unterschiede – die wichtigsten zeigt die folgende Tabelle:

 Diabetes Typ 1Diabetes Typ 2
DefinitionAutoimmunerkrankung, die die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört. Es wird zu wenig oder kein Insulin mehr produziert.Stoffwechselerkrankung, bei der die Zellen nicht mehr genügend auf das Insulin ansprechen. Sie sind unempfindlich (resistent) gegenüber dem Hormon geworden und können den Zucker aus dem Blut nicht mehr ausreichend aufnehmen.
SymptomeSymptome wie starker Durst setzen meist plötzlich und heftig ein.Symptome entwickeln sich meist langsam und schleichend.
ErkrankungsalterJunges ErkrankungsalterMeist höheres Erkrankungsalter (es können allerdings auch schon Kinder und Jugendliche erkranken – Übergewicht ist ein Risikofaktor.)
TherapieDas blutzuckersenkende Insulin muss täglich von außen zugeführt werden, um den Blutzucker stabil zu halten.Anfangs genügen oft blutzuckersenkende Medikamente (in Kombination mit anderen Maßnahmen wie gesunde Ernährung, mehr Bewegung, Gewichtsreduktion). Helfen diese nicht ausreichend, müssen Menschen ebenfalls Insulin zuführen.
UrsachenUrsachen (Angriff des Immunsystems auf die Betazellen) sind noch weitgehend unklar.Bekannt sind Risikofaktoren, die oft im Lebensstil liegen, zum Beispiel ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas).

Diabetes Typ 1: Die Symptome

Die Symptome sind bei Diabetes Typ 1 ähnlich wie bei Menschen mit einem Typ-2-Diabetes. Die wichtigsten Anzeichen für die Zuckerkrankheit sind:

  • starker Durst
  • häufiges Wasserlassen
  • ungewollter Gewichtsverlust
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Antriebsschwäche
  • Muskelschwäche
  • Schwindel
  • Übelkeit
  • trockene Haut
  • Juckreiz
  • häufige Pilzinfektionen von Haut und Schleimhaut
  • Juckreiz im Intimbereich (oft durch Pilzinfektionen)
  • eine erhöhte Infektanfälligkeit
  • Harnwegsinfektionen

Für den vermehrten Durst und das häufige Wasserlassen gibt es einen Grund: Der Körper versucht den Zucker, der ohne Insulin nicht in die Zellen gelangen kann, über den Urin loszuwerden.

Überzuckerung und Unterzuckerung: Symptome

Ohne Behandlung steuern Typ-1-Diabetiker immer wieder in die Überzuckerung (Hyperglykämie). Dabei kann es zu Bewusstseinsstörungen kommen und sogar zum diabetischen Koma – dieser Zustand ist lebensgefährlich. Auch langfristig können ständig erhöhte Blutzuckerwerte gravierende Folgen und Komplikationen nach sich ziehen, zum Beispiel am Herzen, an den Nieren oder an den Augen. Die Gefahr für Folgeerkrankungen steigt, wenn Diabetes Typ 1 nicht oder nicht richtig behandelt wird.

Eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) ist möglich, wenn Typ-1-Diabetiker ihre Erkrankung mit Insulin behandeln und der Blutzuckerspiegel unter zu großen Mengen des Hormons zu weit abfällt. Symptome einer Hypoglykämie sind Schwitzen, Herzrasen, eine blasse Gesichtsfarbe, zittrige Hände und Knie sowie Heißhunger und Kopfschmerzen. Im Extremfall sprechen Ärzte von einem hypoglykämischen Schock. Ein Diabetes-Schock kann also sowohl durch Überzuckerung als auch durch Unterzuckerung entstehen

Die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) ist heute ein Standard bei der Überwachung des Blutzuckers von Menschen mit Typ-1-Diabetes mellitus. Der Glukosewerte lässt sich jederzeit abrufen und es gibt eine Funktion, die vor Über- und Unterzucker warnt. Hypo- und Hyperglykämien lassen sich so weitgehend vermeiden. Die kontinuierliche Glukosemessung geschieht mit Hilfe von zwei kleinen Geräten: einem Sensor mit einem Sender, der über eine Einstechhilfe im Unterhautfettgewebe platziert und auf der Haut (wie ein Pflaster) festgeklebt wird. Geeignete Stellen sind zum Beispiel der Bauch oder Oberarm. Das zweite Gerät wird zum Beispiel am Gürtel getragen. Es empfängt und speichert die Daten zum Blutzucker und zeigt sie auf einem kleinen Monitor an.

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Diabetes Typ 1: Ursachen

Bei Diabetes Typ 1 handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Das bedeutet, dass sich die körpereigene Immunabwehr irrtümlich gegen Zellen des Körpers richtet – im Fall von Diabetes mellitus Typ 1 gegen die Zellen der Bauchspeicheldrüse, die das Insulin produzieren. Dafür zuständig sind die Betazellen der Langerhans-Inseln in der Bauchspeicheldrüse. Die Ursachen der Autoimmunerkrankung, also warum das Immunsystem körpereigene Strukturen wie die Bauchspeicheldrüse bei Diabetes Typ 1 angreift, sind noch unbekannt. 

Insulin ist ein Hormon, das im Blut zirkuliert und den aus der Nahrung aufgenommenen Zucker in jede Zelle des Körpers schleust. So reguliert es den Blutzuckerspiegel. Insulin funktioniert wie ein „Schlüssel“, der die Zellen für den Zucker „aufschließt“. Fehlt Insulin, befindet sich nach jedem Essen zu viel Zucker im Blut, den der Körper nicht verwerten kann. Zudem erhalten die Muskelzellen zu wenig Energie, was die Leistungsschwäche der Betroffenen erklärt.

Auch wenn die Ursachen für Diabetes Typ 1 noch weitgehend ungeklärt sind – Forschende nehmen an, dass einige Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung erhöhen können:

  • Genetische Veranlagung – direkt vererbbar ist Diabetes Typ 1 aber vermutlich nicht. Bestimmte Genkonstellationen sind jedoch mit einem erhöhten Risiko verbunden, sodass Diabetes Typ 1 in manchen Familien gehäuft vorkommt.
  • Giftstoffe, zum Beispiel Nitrosamine
  • Virusinfektionen, zum Beispiel mit Mumps-, Masern-, Röteln- oder Coxsackie-Viren
  • zu kurze Stillzeit nach der Geburt, zu frühe Gabe von Kuhmilch an Kinder
  • Geschädigte Nerven in der Bauchspeicheldrüse
  • Andere Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow (beides Schilddrüsenerkrankungen)

Diabetes Typ 1: Behandlung

Für Typ-1-Diabetiker ist eine Insulintherapie lebensnotwendig. Das bedeutet: Sie müssen sich das blutzuckersenkende Insulin jeden Tag verabreichen, etwa über eine Spritze oder Insulinpumpe. So lässt sich der Zucker in die Zellen schleusen und steht ihnen dann zur Verfügung. Auch wenn viel geforscht wird: Ein Diabetes Typ 1 ist nicht heilbar, aber behandelbar. 

Es gibt verschiedene Arten, wie Betroffene das Insulin zuführen können. Bei der sogenannten konventionellen Insulintherapie spritzen Sie nach einem strengen Therapieplan zu bestimmten Zeiten eine exakt festgelegte Menge Insulin. Der Vorteil ist, dass Sie die notwendige Insulinmenge nicht mehrmals am Tag neu berechnen müssen. Allerdings müssen Sie Ihr Leben der Therapie weitgehend unterordnen: spontane Zwischenmahlzeiten sind ebenso tabu wie andere Mengen Kohlenhydrate als die vorgesehenen.

Zeitgemäßer und flexibler als die konventionelle Insulintherapie mit ihrem streng geregelten Tagesablauf ist bei Diabetes Typ 1 eine Therapie nach dem „Basis-Bolus-Prinzip“. Dabei kommen verschiedene Insulinarten zum Einsatz, die kurz- oder langfristig wirksam sind. Das lang wirkende Insulin deckt den Grundbedarf (Basis), das kurz wirkende spritzen Sie sich jeweils kurz vor den Mahlzeiten (Bolus).  Ein anderer Begriff für das Basis-Bolus-Prinzip lautet „intensivierte Insulintherapie“.

Eine Behandlung ohne Insulin ist bei Typ-1-Diabetes nicht möglich. Es gibt inzwischen aber Behandlungsmöglichkeiten, bei denen Sie sich nicht täglich selbst Spritzen verabreichen müssen. Manche bevorzugen bei Diabetes eine Pumpe, die in die Haut implantiert wird und das Insulin automatisch ins Blut abgibt. Überlegen Sie am besten gemeinsam mit Ihrem Arzt, welche Art der Insulintherapie am besten zu Ihnen passt.

In einer speziellen Diabetes-Schulung lernen Sie, wie Sie am besten im Alltag mit der Erkrankung umgehen, wie Sie das Insulin berechnen und zuführen und worauf sie bei der Ernährung und beim Sport achten müssen.

Mit unterschiedlichen Blickwinkeln zum Therapieerfolg

Kliniken betreuen Diabetespatienten interdisziplinär. Welche Fachbereiche dabei eine Rolle spielen.

Prof. Dr. Tobias Lohmann, Diabetologe und Chefarzt am Städtischen Klinikum in Dresden.
Herr Prof. Lohmann, was unterscheidet die Diabetesbehandlung in der Klinik von der in einer Praxis?

In Arztpraxen findet überwiegend die normale Therapie statt, also das Verschreiben von Medikamenten oder die Umstellung und Anpassung von Insulineinheiten. Wir Klinikmediziner kümmern uns um Notfälle wie Patienten mit Unterzuckerung sowie um schwere Komplikationen, etwa das diabetische Fußsyndrom. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen innerer Medizin und Chirurgie.

Die Stationen arbeiten also interdisziplinär?

Genau. Wenn wir bei Diabetikern mit Fußsyndrom den Verband wechseln, ist der Chirurg dabei und beurteilt, ob operiert werden muss. Umgekehrt betreue ich täglich Adipositaspatienten nach einer Magen-OP und passe die Diabetesmedikationen an. Wir besprechen die Fälle in unseren Boards, gemeinsamen Diskussionsrunden, und treffen zusammen Therapieentscheidungen.

Welche Disziplinen sind in die multimodale Therapie für Menschen mit Diabetes eingebunden?

Ein wichtiger Baustein sind Kollegen aus der Psychologie. Depressionen, posttraumatische Belastungsstörungen oder Essstörungen kommen bei Patienten begleitend vor. Wichtig sind darüber hinaus die Sporttherapie und die Ernährungstherapie. Das Körpergewicht zu reduzieren, ist entscheidend.

In Diabeteszentren an Kliniken arbeiten auch Diabetesberater. Welche Rolle übernehmen sie?

Sie beschäftigen sich unter anderem im Detail mit digitalen Entwicklungen und beraten die Patienten dazu. Kontinuierliche Glukosemessungen oder Insulinpumpen können die Lebensqualität und den Therapieerfolg erheblich verbessern.

Interview: Andrea Bannert

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Diabetes Typ 1: Ernährung

Wichtig für die Therapie des Typ-1-Diabetes ist, dass Sie den Effekt Ihrer Ernährung auf den Blutzucker einschätzen und die Insulindosierung an die Nahrungsmittel anpassen können, die auf dem Teller liegen. Wichtig ist aber ebenso, dass Ihnen das Essen Freude macht und ein Genuss für Sie ist. 

Bei einem Diabetes Typ 1 dürfen Sie prinzipiell alles essen, sollten aber insgesamt gut auf Ihre Ernährung achten. Eine gesunde, ausgewogene, vollwertige und vielseitige Ernährung bei Diabetes Typ 1 beinhaltet zum Beispiel viele Vollkornprodukte, reichlich frisches Gemüse sowie pflanzliche Öle. Bei Obst sollten es Sorten sein, die wenig Fruchtzucker enthalten. Lebensmittel, die den Blutzuckerspiegel auch bei Gesunden schnell in die Höhe schießen lassen (zum Beispiel zuckerhaltige Softdrinks), sollten Sie meiden. Sie müssen die Menge an Kohlenhydraten in den Nahrungsmitteln mit Hilfe von Nährwertangaben und Tabellen abschätzen.

Doch wie stark wirkt ein Lebensmittel auf den Blutzucker bei Diabetes Typ 1? Die Tabelle zur Ernährung bietet Orientierung:

Wirkung auf den BlutzuckerLebensmittel: Beispiele
Kohlenhydratreiche Lebensmittel, die den Blutzucker stark erhöhenGetreideprodukte, Nudeln, Reis, Kartoffeln, bestimmte Obstsorten, Saft, manche Milchprodukte, gezuckerte Lebensmittel und Getränke
Kohlenhydrathaltige Lebensmittel, die den Blutzucker nur leicht erhöhenHülsenfrüchte wie Bohnen und Linsen, Nüsse wie Erdnüsse oder Walnüsse, Kerne und Samen wie Kürbiskerne oder Mohn
Eiweißreiche und fettreiche Nahrungsmittel, die den Blutzucker nicht oder verzögert erhöhenFleisch, Quark, Eier, Tofu, Butter, Mayonnaise, Wurst, Käse
Wasserreiche Lebensmittel, die den Blutzucker nicht erhöhenGemüse, Salat, Pilze

Wichtig zu wissen: Diabetes Typ 1 können Sie nicht mithilfe der Ernährung „heilen“. Typ-1-Diabetiker sind ihr Leben lang auf das Insulin von außen angewiesen. Menschen mit Typ 2 Diabetes können dagegen ihre Erkrankung bis zu einem gewissen Maß über eine gesunde Ernährung beeinflussen.

Um gesunde Lebensmittel auswählen zu können, brauchen Sie ein fundiertes Wissen: Wie viele Kohlenhydrate enthält eine Portion Pasta? Wie wird sich der Sport auf den Blutzuckerwert auswirken? Inwiefern kann Alkohol den Wert durcheinanderbringen? All das müssen Typ-1-Diabetiker wissen. Sie lernen es in speziellen Diabetes-Schulungen. Irgendwann haben sie das Wissen verinnerlicht und müssen kaum noch einen Blick auf die Tabellen auf den Lebensmittelverpackungen werfen. Sie haben ein gutes Gefühl dafür bekommen, wie viel Insulin bei welcher Mahlzeit nötig ist.

Diabetes Typ 1: Folgen

Ein Diabetes Typ 1 kann einige Folgen haben, wenn die Blutzuckerwerte langfristig erhöht sind.

Der Zucker greift mit der Zeit die Nervenenden und feinsten Blutgefäße im ganzen Körper an und lässt sie „verzuckern“. Kümmern sich Typ-1-Diabetiker nicht konsequent um ihren Diabetes, indem sie zur richtigen Zeit die richtige Menge Insulin injizieren, drohen die folgenden gesundheitlichen Schäden: 

  • Diabetische Neuropathie (Nervenschädigung): Ein erhöhter Blutzucker greift auch die Nerven an. Das Tastgefühl, die Temperaturwahrnehmung und das Schmerzempfinden können beeinträchtigt sein. Viele bemerken dann zum Beispiel Druckstellen und kleine Verletzungen nicht. Daraus können sich Wunden entwickeln.
  • Wundheilungsstörungen – die Durchblutung kann aufgrund der geschädigten Gefäße vermindert sein und Wunden heilen dann schlechter.
  • Diabetische Retinopathie – dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte bei Diabetes schädigen die Zellen der Netzhaut (Retina) der Augen. Dadurch vermindert sich das Sehvermögen. Eine diabetische Retinopathie kann sogar zu einer Erblindung führen.
  • Diabetischer Fuß (diabetisches Fußsyndrom) – er entsteht, wenn die Durchblutung in den Beinen herabgesetzt ist, das Gewebe nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird und daher abstirbt. Manchmal ist eine Amputation der betroffenen Gliedmaße unumgänglich.
  • Diabetische Nephropathie – eine Erkrankung der Niere bei Diabetes. Die Gefäße in den Nieren können Schaden nehmen. Dadurch ist ihre Funktion eingeschränkt. Im schlimmsten Fall droht ein Nierenversagen.
  • Herzinfarkt und Schlaganfall – wenn die größeren Blutgefäße geschädigt werden. 

Sogar auf das Gehirn kann Diabetes Typ 1 Auswirkungen haben: Manche Studien lassen vermuten, dass bei dauerhaft zu hohen Blutzuckerwerten die Durchblutung des Gehirns leidet – und damit die kognitive Leistungsfähigkeit.

Kommt es kurzfristig zu sehr hohen Blutzuckerwerten, droht eine „diabetische Ketoazidose“, die Übersäuerung des Bluts, und in der Folge ein diabetisches Koma. Für die Betroffenen besteht Lebensgefahr.

Wichtig zu wissen: Folgeerkrankungen jeder Art lassen sich vermeiden, wenn der Diabetes frühzeitig entdeckt und konsequent behandelt wird. Seit sich das Wissen um die Erkrankung vergrößert und sich die Therapiemöglichkeiten verbessert haben, ist die Lebenserwartung von Menschen mit Diabetes Typ 1 deutlich gestiegen. Dennoch ist sie im Vergleich etwas geringer als die der gesunden Bevölkerung – rein statistisch betrachtet.

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Diabetes Typ 1: Diagnose

Wenn Sie (oder Ihr Kind) Symptome haben, die auf einen Typ-1-Diabetes hindeuten, sollten Sie umgehend eine Arztpraxis aufsuchen. Eine gute Anlaufstelle ist zunächst der Hausarzt beziehungsweise der Kinder- und Jugendarzt. Nach der Diagnose Diabetes Typ 1 ist ein Facharzt aus der Diabetologie der richtige Ansprechpartner.

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Der Arzt stellt zunächst einige Fragen zu Ihrer Krankengeschichte (Anamnese). Wichtig sind zum Beispiel die Art, Dauer und Intensität der Symptome. Auch bestehende Erkrankungen, Diabetes-Erkrankungen in Ihrer Familie, die Einnahme von Medikamenten und der Lebensstil spielen bei der Diagnose eine Rolle.

Die Diagnose Diabetes Typ 1 stellen Ärzte meist, indem sie das Blut und den Urin untersuchen. Aus der Blutprobe bestimmen sie den sogenannten Nüchternblutzuckerwert. Dieser Wert zeigt die Höhe des Blutzuckers, wenn ein Mensch (mindestens acht Stunden) nichts gegessen hat. Bestimmt wird zudem der Langzeitblutzuckerwert(HbA1c). Dieser gibt an, wie hoch der Blutzucker in den letzten zwei bis drei Monaten war. Der HbA1c gilt deshalb auch als „Blutzuckergedächtnis“. Auch der Urin lässt sich auf erhöhte Zuckerwerte untersuchen.

Wie gut der Zuckerstoffwechsel funktioniert, zeigt ein oraler Glukosetoleranztest (OGTT). Dabei trinken Sie eine Zuckerlösung. Vorher und nachher bestimmten Ärzte den Blutzucker. So erhalten Ärzte Hinweise darauf, wie gut der Körper Zucker verarbeiten kann. 

Die folgenden Werte sind die eines gesunden Menschen:

  • Nüchternblutzuckerwert: < 100 mg/dl
  • Glukosetoleranztest nach zwei Stunden: < 140 mg/dl
  • HbA1c (Langzeitwert): 4,5–5,7%
     

Für Diabetes Typ 1 gelten die Werte in der Tabelle:

Nüchternblutzuckerwert höher als 126 mg/dl 
Oraler Glukosetoleranztest Blutzuckerwert über 200 mg/dl zwei Stunden nach dem Trinken der Zuckerlösung
Quellen
  • S3-Leitlinie: Therapie des Typ-1-Diabetes (Deutsche Diabetes Gesellschaft); Stand: 09/2023
  • S3-Leitlinie: Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus im Kindes- und Jugendalter (Deutsche Diabetes Gesellschaf); Stand: 15.11.2023
  • Online-Informationen Robert Koch-Institut (RKI): https://diabsurv.rki.de; Abruf: 17.03.2025
  • Online-Informationen Helmholtz Zentrum München: www.diabinfo.de; 18.03.2025
  • Online-Informationen Deutsche Diabetes Hilfe. Was ist Diabetes Typ 1?: www.diabetesde.org; Abruf: 18.03.2025
  • Online-Informationen Deutsche Diabetes Hilfe. Konventionelle Insulintherapie (CT): www.diabetesde.org; Abruf: 18.03.2025
  • Online-Informationen Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG): www.gesundheitsinformation.de; Abruf: 18.03.2025
  • Online-Informationen Berufsverband Deutscher Internistinnen und Internisten: www.internisten-im-netz.de; Abruf: 18.03.2025
  • Online-Informatione Bundesministerium für Gesundheit (BMG): www.bundesgesundheitsministerium.de; Abruf: 18.03.2025
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Dieser Artikel enthält allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Den passenden Arzt finden Sie über unser Ärzteverzeichnis.

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