
© Christina Felsing / iStockphoto
Verdauungsprobleme wie Blähungen, Durchfall und auch Verstopfung sind hierzulande gar nicht so selten. Erhebungen der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) zufolge lag die Zahl der Betroffenen 2022 insgesamt bei rund 189.000. Das Institut für Demoskopie Allensbach erfasste 2024 rund 2,58 Millionen Personen, die in den letzten drei Monaten zum Zeitpunkt der Datenerhebung rezeptfreie Mittel gegen Verstopfung verwendet hatten. Ein Faktor, der statt Medikamenten zu einer besseren Darmentleerung beitragen könnte, wird dagegen (noch) kaum beachtet: die Sitzposition auf der Toilette.
Sitzen oder Hocken: Was ist gesünder?
Es gibt bisher erst ein paar wenige kleine Studien, die sich damit beschäftigen, ob die Sitzhaltung auf der Toilette etwas damit zu tun hat, wie gut der Stuhlgang funktioniert. Diese Studien stellen aber fest: Eine eher hockende Haltung auf der Toilette mit erhöht gestellten Füßen funktioniert im Hinblick auf die Darmentleerung besser als die klassische Sitzposition.
„Eigentlich sind unsere Toiletten falsch konstruiert“, konstatiert Dr. Kai Witzel, Proktologe mit eigenem Praxiscenter im hessischen Hünfeld. Denn so, wie die Porzellanthrone geformt sind, erschweren sie die Darmentleerung, statt sie zu unterstützen, weiß der Spezialist für Erkrankungen des Verdauungssystems. Dadurch sitzen wir mitunter länger auf der Toilette, pressen stärker und trotzdem entleert sich der Darm nicht vollständig. Diese Aspekte gelten als Risikofaktoren für Hämorrhoidenleiden.
Was bewirkt ein Klohocker?
„Die Hocke ist die natürliche Haltung zur Darmentleerung, auf die sich der Körper eingestellt hat“, erklärt Witzel. Er empfiehlt daher, bei Problemen mit dem Stuhlgang die Füße auf einen kleinen Hocker oder Schemel zu stellen. Die gibt es unter dem Namen „Klohocker“ zu kaufen, doch „es genügt auch ein normaler kleiner Haushaltsputzschemel“, so der Proktologe.
Aber was bringt das? Die stärker angewinkelten Beine verändern eine ganze Reihe an für den Stuhlgang relevanten Faktoren. So knickt zum Beispiel der Darm im unteren Teil nicht so stark ab (begradigter anorektaler Winkel), wodurch der Kot besser hindurchkommt.
Da sich durch die Aufrichtung der Druck im Mastdarm, dem letzten Darmabschnitt vor dem After, erhöht und die Beckenbodenmuskulatur sich besser entspannen kann, müssen wir weniger pressen, um den Darm zu entleeren. Bildgebende Verfahren, die sichtbar machen, wie sich der Bauchdruck während des Pressens erhöht, haben gezeigt, dass selbiger in Hockposition signifikant geringer ist als in Sitzhaltung.
Wie läuft die Darmentleerung ab?
Der Prozess des Stuhlgangs ist komplex, lässt sich aber grob auf drei Hauptbestandteile herunterbrechen:
- Der Mastdarm, auch Rektum genannt, zieht sich zusammen. Er ist das letzte Stück Darm, das in den Analkanal mit innerem und äußerem Schließmuskel mündet.
- Der äußere Schließmuskel und der Musculus puborectalis, entspannen sich. Ersterer ist eine Art Türsteher zwischen Mastdarm und Anus. Ihn können wir im Gegensatz zum inneren Schließmuskel aktiv an- und entspannen. Er bekommt über die Nervenfasern in der Analschleimhaut ein Signal, dass der Darm voll ist und demnächst entleert werden muss. Der Puborectalis- oder auch Schambein-Mastdarm-Muskel verhindert, dass Kot ungewollt entweicht, indem er sich zusammenzieht, nach vorn krümmt und so den Analkanal verschließt. Durch die Entspannung der beiden Muskeln richtet sich der anorektale Winkel auf. Das heißt, der Raum zwischen Rektum und Anus wird weiter beziehungsweise gerader und für den Stuhl leichter passierbar.
- Dritter Hauptbestanteil der Darmentleerung ist das Pressen. Ein bisschen aktiv Nachhelfen ist völlig in Ordnung. Wer jedoch zu sehr drückt, erhöht unter anderem die Wahrscheinlichkeit für Hämorrhoiden.
Ein Klohocker ist frei von Nebenwirkungen und generell für jeden geeignet. Gerade für Menschen mit chronischer Verstopfung oder anderen Verdauungsproblemen können Klohocker eine sinnvolle, nicht-medikamentöse Unterstützung darstellen. Vorher ärztlichen Rat einholen sollte dagegen, wer beispielsweise an bestimmten Beckenbodenstörungen wie Darminkontinenz oder dem Gefühl unvollständiger Harn- und Darmentleerung leidet.
„Wenn man auf der Toilette gut zurechtkommt, würde ich keine Fußerhöhung vornehmen“, sagt Proktologe Kai Witzel. „Generell braucht der Darm eigentlich keine Hilfe zur Stuhlentleerung. Das funktioniert bei einem Menschen, der sich regelmäßig bewegt, gesund isst und keine Schließmuskelschwäche oder Darmerkrankung hat, sowohl im Sitzen als auch im Hocken“.
Bei Problemen mit Stuhlunregelmäßigkeiten sei eine Fußerhöhung aber eine effektive Maßnahme. Witzel rät dringend davon ab, auf eigene Faust regelmäßig mit Einläufen, Salben oder Abführmitteln zu hantieren, denn „im Enddarm sind enorm viele Nervenenden, da macht man mit solchen Maßnahmen unter Umständen mehr an Sensibilität kaputt, als dass man den Stuhlgang verbessert und schädigt eine gesunde Darmflora“, so der Experte.
Quellen
- Modi, R et al.: Implementation of a Defecation Posture Modification Device. Impact on Bowel Movement Patterns in Healthy Subjects; Journal of Clinical Gastroenterology; 2019; DOI: 10.1097/MCG.0000000000001143
- Uzun, N: Relationship Between Toilet Type and Hemorrhoids; Bezmialem Science; 2022; DOI: 10.14235/bas.galenos.2022.60352
- Sakakibara, R et al.: Influence of Body Position on Defecation; Humans; LUTS – Lower Urinary Tract Symptoms; 2010; DOI: 10.1111/j.1757-5672.2009.00057.x
- Pressemitteilung KKH Kaufmännische Krankenkasse: Darmprobleme? Zahl der jüngeren Betroffenen steigt; 18.04.2024
- Online-Informationen IfD Allensbach und Statista: https://de.statista.com; Abruf: 20.01.2025
- Interview mit Prof. Dr. Kai Witzel, Facharzt für Chirurgie – Proktologie; Minimal Invasiv Center Hünfeld; 16.01.2025