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Schützt Bio-Gemüse vor Krebs?

Weniger Schadstoffe und Chemie - die Deutschen kaufen Bio-Lebensmittel vor allem auch aus gesundheitlichen Gründen. Es heißt sogar, dass die Bio-Produkte vor Krebs schützen können. Stimmt das?

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Inhaltsverzeichnis
Eine Frau greift im Supermarkt nach einem Bündel Bio-Bananen.

© Shutterstock Creative

Wer auf eine gesunde Ernährung achtet, greift häufiger zu Bio-Produkten. Besonders Obst und Gemüse gelten als gesünder, mit mehr Nährstoffen und weniger Pestizid-Belastung. Einige Studien erwecken sogar den Eindruck, die Bio-Kost könnte vor Krankheiten wie Krebs schützen. Ob dieser Zusammenhang wirklich besteht, ist jedoch fraglich.

Die Deutschen kaufen gerne Bio. Weltweit sind wir unter den Top-10, was den Pro-Kopf-Umsatz angeht. Mittlerweile landen hier bei rund 14 Prozent ausschließlich Obst und Gemüse mit Bio-Siegel im Einkaufswagen, bei Fleischwaren sind es 7 Prozent. Eine artgerechte Tierhaltung ist das häufigste Argument für den Kauf von Bio-Produkten. Kurz danach folgen als Gründe eine möglichst geringe Schadstoffbelastung, weniger Zusatzstoffe und eine gesunde Ernährung.

Gesünder aus Bio-Anbau?

Bio-Obst und -Gemüse soll mehr sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, zum Beispiel sogenannte Flavonoide und Phenole. Diese wirken sich möglicherweise positiv auf die Gesundheit des Herz-Kreislaufsystems aus und sollen auch das Risiko einiger Krebsarten senken. Die Studienlage dazu ist jedoch recht unsicher. Außerdem soll der Nährstoffgehalt insgesamt höher sein. Betrachtet man aber einzelne Nährstoffe genauer, zeigen die bisherigen Untersuchungen keinen erkennbaren Unterschied zu Lebensmitteln aus herkömmlichem Anbau.

Eine 2018 veröffentlichte französische Studie namens „NutriNet-Santé“ erregte viel Aufsehen. Die Kernaussage: Wer viel Bio-Lebensmittel isst, hat ein um 25 Prozent geringeres Krebsrisiko als Menschen, die kaum Bio-Produkte verzehren. Besonders bei Brustkrebs nach den Wechseljahren und bestimmten Formen von Lymphknotenkrebs zeigte sich dieser Zusammenhang. Die Forscher erklären ihre Ergebnisse mit dem geringeren Gehalt an chemischen Pflanzenschutzmitteln in Bio-Obst und -Gemüse.

Falscher Alarm

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sieht die Ergebnisse kritisch. Positiv an der Studie seien die große Teilnehmerzahl von ca. 70.000 Testpersonen und dass die Forscher verschiedene andere Faktoren berücksichtigten, die das Krebsrisiko statistisch beeinflussen: z.B. das Geschlecht, das Rauchverhalten oder auch das Einkommen.

Die Schwächen überwiegen jedoch. So versäumten es die Wissenschaftler, die verzehrten Lebensmittel auf Inhaltsstoffe und Rückstände von Pflanzenschutzmitteln zu untersuchen. Dabei führten sie aber gerade die Pestizid-Belastung als mögliche Ursache für ihre Beobachtungen an.

Pestizide in Lebensmitteln

Stellungnahme des BfR: „Ein geringer Gehalt an Rückständen von Pestiziden in Lebensmitteln gilt als gesundheitlich unbedenklich und wird gesetzlich nicht beanstandet. Die Höchstgehalte sind so festgelegt, dass ein sehr weiter Abstand zu der Dosis besteht, die im Tierversuch zu möglichen unerwünschten Wirkungen führt.“

Die Zulassung und Überwachung von Pestiziden wird in Deutschland durch das Pflanzenschutzgesetz geregelt. Für ökologischen Landbau gelten deutlich strengere Vorgaben als für herkömmliche Betriebe. Im Rahmen der Lebensmittelüberwachung kontrollieren die Behörden der Bundesländer Lebens- und Futtermittel stichprobenartig auf Pestizidrückstände. Liegen die gemessenen Daten über den erlaubten Höchstwerten, dürfen die Produkte nicht mehr verkauft werden.

Zudem handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Die Teilnehmer gaben über einen Zeitraum von 4,6 Jahren ihre Ernährungspräferenzen an. Dazu nutzten sie ein Online-Befragungstool. Zusätzlich wurde ihre Gesundheit untersucht. Daraus leiteten die Forscher dann Zusammenhänge ab: Wer besonders häufig Bio isst, hat am Ende weniger Krebs. Eine direkte Beziehung zwischen Ursache und Wirkung lässt sich so aber nicht beweisen. Denn bei Beobachtungsstudien können immer noch weitere Faktoren existieren, welche die Ergebnisse verzerren. Beispielsweise gibt es ein höheres Risiko, Brustkrebs zu bekommen, wenn bereits Verwandte daran erkrankt sind.

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Und nun?

Eine gesunde Ernährung ist natürlich trotzdem wichtig. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine ausgewogene, vollwertige Kost mit viel pflanzlichen Produkten und Fleisch und Fisch nur in Maßen. Pro Tag sollten insgesamt fünf Portionen Obst oder Gemüse gegessen werden – ob diese aus biologischem Anbau stammen, ist dabei egal.

© FOCUS-Gesundheit

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