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Chlamydien-Infektion

Eine Chlamydien-Infektion wird mittels Sexualkontakt übertragen und trifft Frauen wie Männer. Die Symptome, die Behandlung und welche Tests es gibt.

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Inhaltsverzeichnis
Füße einer Frau und eines Mannes im Bett

© Shutterstock

Was ist eine Chlamydien-Infektion?

Chlamydien sind Bakterien aus der Familie der Chlamydiaceae. Es gehören verschiedene Arten zu dieser Gattung, sie können unterschiedliche Krankheiten beim Menschen auslösen. So verursacht das Bakterium Chlamydia pneumoniae zum Beispiel Lungenentzündung und andere Atemwegserkrankungen. Untersuchungen haben ergeben, dass 70 Prozent aller Erwachsener diese Erreger im respiratorischen Trakt (hierzu gehören alle Organe, die der Atmung dienen) tragen.

Sprechen wir von Chlamydien meinen wir aber normalerweise seinen engen Verwandten, nämlich Chlamydia trachomatis. Diese Bakterien werden beim ungeschützen Geschlechtsverkehr über die besiedelten Schleimhäute und Körperflüssigkeiten übertragen, sie befallen bei einer Frau vor allem die Schleimhäute am Gebärmutterhals und bei einem Mann die Schleimhäute der Harnröhre und können dort eine Entzündung hervorrufen. Die Bakterien können durch Oral- und Analverkehr auch den Rachen, Enddarm und andere Körpereiche, die Schleimhäute besitzen wie beispielweise die Augen, befallen.
Eine Chlamydien-Infektion ist eine der häufigsten Geschlechtskrankheiten. Besonders oft werden die Erreger bei Frauen zwischen 15 und 25 Jahren und Männern zwischen 15 und 29 Jahren nachgewiesen.

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Chlamydien-Infektion: Symptome

Was sind die ersten Anzeichen für eine Chlamydien-Infektion? Zu Beginn macht sich eine Infektion mit Chlamydien oft gar nicht bemerkbar: Bei 70 bis 80 Prozent der Frauen und 50 Prozent der Männer tritt die Chlamydien-Infektion ohne Symptome auf. Das heißt aber nicht, dass die Erkrankung harmlos ist. Im Gegenteil. Unbehandelt können Chlamydien bei Frauen schwere Komplikationen wie eine Gebärmutter- oder Eileiterentzündung hervorrufen. Beim Mann können Chlamydien auf Nebenhoden oder Harnröhre übergreifen. Da Chlamydien normalerweise wieder komplett ausheilen, wenn sie frühzeitig behandelt werden, sollten (potenzielle) Betroffene bei einer Chlamydien-Infektion auf bestimmte Symptome achten, die bei Frau und Mann jeweils etwas anders ausfallen.

Die Symptome bei der Frau, also frühe Chlamydien-Anzeichen, sind:

  • Ausfluss (stärker als sonst, oft stark riechend mit gelblicher Farbe, schleimig-eitrig, evtl. blutig)
  • Brennen und Juckreiz beim Wasserlassen
  • Häufiger Harndrang
  • Schmerzen und/oder Blutungen beim oder nach dem Geschlechtsverkehr
  • Juckreiz im Afterbereich

Hat sich die Chlamydien-Infektion schon auf Eileiter, Eierstöcke und/oder Gebärmutterhals ausgebreitet, kommen oft Fieber und Unterleibsschmerzen hinzu. Werdende Mütter können die Infektion während der Geburt zudem an ihr Kind weitergeben, wenn sie zu diesem Zeitpunkt Chlamydien haben. Eine Augeninfektion (zum Beispiel Bindehautentzündung) beim Neugeborenen ist ebenso ein typisches Anzeichen dafür, dass die Krankheit übertragen wurde, wie eine durch die Chlamydien verursachte Lungenentzündung.

Chlamydien-Symptome bei Männern sind im frühen Stadium:

  • Druckgefühl, Schmerzen oder Brennen beim Urinieren
  • Weißlicher und wässriger oder eitriger Ausfluss aus dem Penis

Generell können auch bei Erwachsenen Chlamydien zunächst zu Augen-, später zu Gelenksentzündungen führen oder – je nach sexuellen Gewohnheiten – eine Rachen- oder Enddarmentzündung auslösen.

Chlamydien: Übertragung

Normalerweise ist die Ursache für eine Chlamydien-Infektion ungeschützter Geschlechtsverkehr. (Eine Chlamydien-Infektion gehört zu den Geschlechtskrankheiten.) Besonders gefährdet sind junge Mädchen, sie haben aus anatomischen Gründen ein erhöhtes Ansteckungsrisiko, da sich die Chlamydien bei ihnen besonders leicht am Muttermund festsetzen.

Ein weiterer Grund und häufiger Risikofaktor für eine Chlamydien-Infektion ist, häufig den Sexualpartner zu wechseln. Darüber hinaus können Schwangere die Bakterien beim Geburtsvorgang auf ihr Baby übertragen.

Die namensgebenden Bakterien Chlamydia trachomatis (nicht zu verwechseln mit Chlamydia pneumoniae, die sehr häufig im Hals-Nasen- und Lungenbereich beim Menschen anzutreffen sind) gelangen hauptsächlich über die Schleimhäute von Geschlechtsorganen, Analbereich oder Harnwegen von einem Menschen zum anderen. Chlamydien oral weiterzugeben ist also ebenso möglich wie sich über infizierte Gegenstände (vor allem Sexspielzeug) anzustecken. Ohne Geschlechtsverkehr ist das Risiko einer Ansteckung mit Chlamydien hingegen gering. Beim Küssen (gemeint ist hier der Mund zu Mund-Kontakt) kann man sich in der Regel nicht mit Chlamydien infizieren.

Auch die Übertragung von Chlamydien durch öffentliche Toiletten oder über gemeinsam benutzte Handtücher ist eher unwahrscheinlich. Einzige Ausnahme: die seltene „Schwimbadkonjuktivitits“, eine bakterielle Bindehautentzündung, die nach dem Besuch einer Badeanstalt auftritt und häufig von Chlamydien ausgelöst wird.

Die Inkubationszeit, also der Zeitraum zwischen Erstinfektion mit Chlamydien und dem Auftreten von Symptomen, beträgt ungefähr ein bis drei Wochen. Da aber nicht immer oder lange keine (typischen) Symptome auftreten, lässt sich nicht genau sagen, über welchen Zeitraum hinweg bei Chlamydien Ansteckungsgefahr besteht.

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Chlamydien: Behandlung

Generell gilt: Je früher die Infektion erkannt und die Chlamydien-Therapie begonnen wird, desto besser. Meist behandelt der Arzt Chlamydien mit Medikamenten. Im frühen, dem sogenannten akuten Stadium wirken bei Chlamydien Antibiotika gut. Normalerweise verwendet der Arzt bei Chlamydien Doxycyclin, einen Wirkstoff der Antibiotikagruppe der Tetrazykline. Wie lange die Behandlung der Chlamydien-Infektion dauert? Patienten müssen das Antibiotikum in der Regel sieben Tage lang nehmen.

Hat sich durch die Chlamydien eine Harnröhrenentzündung, eine Prostataentzündung oder eine Gebärmutterhalsentzüdung entwickelt, kommt ebenfalls eine einwöchige Therapie mit Doxycyclin zum Einsatz. Hat die Entzündung auf die Samenbläschen oder Nebenhoden übergegriffen, wird die Behandlungsdauer meist auf 14 Tage verlängert.

Da Schwangere und Kinder Tetrazykline nicht nehmen dürfen, bekommen sie stattdessen bei einer Chlamydien-Infektion häufig zum Beispiel Präparate mit dem Wirkstoff Erythromycin verschrieben.

Die Erkrankung heilt für gewöhnlich folgenlos aus, wenn sich zum Behandlungsbeginn die Bakterien noch nicht so weit ausgebreitet haben, dass bleibende Schäden (zum Beispiel an Gebärmutter, Eierstock, Harnröhre etc.) entstanden sind.

Chlamydien-Behandlung: der Ping-Pong-Effekt

Chlamydien sind heilbar, aber auch hartnäckig. Wenn Sie infiziert sind, ist es Ihr Partner sehr wahrscheinlich auch. Deshalb sollten Sie sich beide untersuchen und behandeln lassen. Sonst kann es passieren, dass Sie sich immer wieder gegenseitig anstecken, ein Phänomen, das als Ping-Pong-Effekt bezeichnet wird.

Hat nur ein Partner eine Chlamydien-Infektion, sollten Sie mit jeglichem Sexualkontakt warten, bis die Behandlung abgeschlossen (bei Antibiotika normalerweise nach sieben Tagen) beziehungsweise die Infektion ausgeheilt ist.

Chlamydien-Infektion: Folgen

Eine Chlamydien-Infektion verursacht in den meisten Fällen nur schwache Beschwerden oder gar keine. Deshalb bleibt eine Erkrankung mit Chlamydien manchmal (jahrelang) unbemerkt. Da schwere Komplikationen auftreten können, wenn die Chlamydien-Infektion unbehandelt bleibt, sollten Sie jedoch schon bei schwachen Symptomen zu einem Arzt gehen und abklären lassen, ob eine Chlamydien-Infektion vorliegt. Zu den möglichen Folgen einer Chlamydien-Infektion bei Frauen gehören zum Beispiel:

  • Ausbreitung auf Harnwege und Geschlechtsorgane
  • Eileiter-, Eierstock- und Gebärmutterhalsentzündung
  • Eileiter- oder Bauchhöhlenschwangerschaft
  • erhöhtes Fehlgeburtsrisiko
  • Verklebung der Eileiter und Unfruchtbarkeit (eine Chlamydien-Infektion ist eine der häufigsten Ursachen für einen unerfüllten Kinderwunsch)

Bei Männern kann die Infektion auf Prostata und Nebenhoden übergreifen. Vor allem junge Männer entwickeln oft nach einigen Wochen eine Gelenksentzündung (reaktive Arthritis). Entstehen parallel zusätzlich eine Bindehaut- und Harnröhrenentzündung, sprechen Experten von einer Reiter-Trias.

Neugeborene leiden als Folge einer Chlamydien-Infektion häufig an Bindehaut- oder Lungenentzündung, seltener tritt eine Mittelohrentzündung auf.

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Chlamydien: Diagnostik

Wo kann man sich auf Chlamydien testen lassen? Ein Chlamydien-Test ist beim Hausarzt, bei Fachärzten (bei Frauen ist der Frauenarzt der richtige Ansprechpartner, bei Männern der Urologe) sowie in Gesundheitsämtern möglich. Seit 2008 können sich alle gesetzlich versichterten Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr einmal jährlich auf Chlamydien testen lassen. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse. Die Altersgrenze wurde eingeführt, weil laut Statistik sexuell aktive Frauen unter 25 Jahren das größte Ansteckungsrisiko für Chlamydien haben. Experten raten jedoch, dass sich Frauen länger (bis zum Alter von 34) jedes Jahr auf die Bakterien untersuchen lassen sollten.

Zunächst einmal wird der Arzt Sie nach Ihrer Krankengeschichte befragen, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Danach führt er eine körperliche Untersuchung durch, normalerweise sind auch Labortests nötig, um die Diagnose „Chlamydien-Infektion“ zu bestätigen oder zu entkräften.

Chlamydien: Urintest

Vermutet der Arzt, dass Harnwege oder Geschlechtsorgane entzündet sind, kann er die Chlamydien mittels Abstrich nachweisen (lassen). Ebenfalls aufschlussreich kann bei einer Infektion mit Chlamydien ein Urintest sein. Hier sollte die Probe aus der ersten Urinportion, nicht – wie sonst oft – aus dem Mittelstrahl entnommen werden. Sowohl Abstrich als auch Urintest untersucht das Labor mit der sogenannten Plymerase-Ketten-Reaktion (PCR), einer molekularbiologischen Methode, mittels derer sich Chlamydien vom Serotyp D-K nachweisen lassen.

Chlamydien: Bluttest

Sitzen diese Bakterien im Körper, kann der Arzt über die Antikörper die Chlamydien mit einem Bluttest nachweisen. Allerdings kann er so nur sehen, dass der Körper mit diesen Erregern zu kämpfen hatte, aber nicht wann. Da das Immunsystem bei einer akuten Chlamydien-Infektion auch nicht sofort reagiert, bedeutet ein negativer Bluttest zudem nicht unbedingt, dass Sie keine Chlamydien-Infektion haben.

Chlamydien: Selbsttest für zuhause

Neben diesen ärztlichen Methoden gibt es auch Selbsttests für Zuhause zu kaufen. Diese sind laut Robert Koch Institut aber nicht sehr zuverlässig, weshalb die Experten davon abraten. Führen Sie dennoch einen solchen Test durch und fällt er positiv aus, gehen Sie umgehend zum Arzt, um den Befund bestätigen oder eine Chlamydien-Infektion ausschließen zu lassen.

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Chlamydien-Infektion in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft erfolgt ein Chlamydien-Test bereits im Rahmen der ersten Vorsorgeuntersuchung. Die Kosten hierfür werden von der Krankenkasse übernommen. Mit Hilfe des Tests kann eine Infektion ausgeschlossen oder sofort eine entsprechende Therapie begonnen werden, um Komplikationen während der Schwangerschaft vorzubeugen (Chlamydien erhöhen das Risiko für eine Frühgeburt oder eine Fehlgeburt) und das Kind vor einer Ansteckung, die während der Geburt passieren kann, zu schützen. Vom Genitalbereich der infizierten Mutter können die Erreger auf das Neugeborene gelangen und beim Kind eine Bindehautentzündung und/oder Lungenentzündung verursachen.

Wird bei Schwangeren eine Chlamydien-Infektion diagnostiziert, wird die Erkrankung meist mit dem Wirkstoff Azithromycin oder Erythromycin behandelt. Der Partner muss ebenfalls auf Chlamydien untersucht und gegebenfalls behandelt werden.

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Chlamydien: Vorbeugen und Vorsorge

Eine simple Präventionsmethode ist, nur geschützten Geschlechtsverkehr zu haben, also Kondome zu benutzen. So kann man eine Chlamydien-Infektion möglichst gut vorbeugen. Zudem haben seit 2008 alle gesetzlich versicherten Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr einmal jährlich Anspruch auf eine Screening-Untersuchung auf Chlamydien. Experten raten jedoch, dass sich Frauen länger (bis zum Alter von 34) jedes Jahr auf die Bakterien untersuchen lassen sollten. Dieses Screening kann der Arzt auch im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge durchführen. Eine Impfung gegen die Bakterien gibt es bislang nicht.

Quellen
  • S2K-Leitlinie: Infektionen mit Chlamydia trachomatis (Deutsche STI-Gesellschaft e.V. (DSTIG) – Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit, et al.); Stand: August 2016
  • Online-Informationen Robert Koch Institut (RKI): www.rki.de; Abruf: 22.11.2023

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Dieser Artikel enthält allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder –behandlung verwendet werden. Er kann einen Arztbesuch nicht ersetzen. Den passenden Arzt finden Sie über unser Ärzteverzeichnis.

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